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Warsteiner Feuerwehr zieht Jahresbilanz: So war 2021

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Von: Alexander Lange

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Donat Ahle, Leiter der Feuerwehr, führte online durch die Jahresdienstbesprechung.
Donat Ahle, Leiter der Feuerwehr, führte online durch die Jahresdienstbesprechung. © Alexander Lange

Feuerwehrchef Donat Ahle spricht im Interview über die Einsatzzahlen, Auffälligkeiten und was in 2022 bei der Warsteiner Feuerwehr passieren wird.

Warstein – Zum Neujahrswechsel gehört auch die Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Warstein. Einsatzzahlen, Ehrungen und Beförderungen stehen auf dem Programm, das in diesem Jahr aufgrund der Pandemie erneut online stattfinden muss. Grund genug, mit Feuerwehrchef Donat Ahle über 2021 und die Herausforderungen des neuen Jahres zu sprechen.

399 Einsätze gab es im vergangenen Jahr für die Warsteiner Feuerwehr. Wie bewerten sie diese Zahl und die Einsätze an sich?

Das waren Einsätze von der Ölspur bis zum Großbrand, die wir in 2021 hatten. Die ganze Bandbreite. Alles in allem haben wir als gesamte Feuerwehr 8610 Mannstunden bewältigt. Würde das umgerechnet einer alleine machen, käme er auf knapp 350 Tage, an denen er 24 Stunden arbeitet. Das ist zwar nur eine Zahl, aber zeigt das Größenverhältnis, was im vergangenen Jahr gelaufen ist.

Sind die Einsatzzahlen im Vergleich gestiegen?

Wir verzeichnen in den zurückliegenden Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Einsätze, ja.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf die Zahlen?

Zu den „regulären“ Einsatzstunden kommen die Stunden des Corona-Krisenstabs hinzu, dem wir als Feuerwehr auch angehören. Durch Corona fehlen aber auf der anderen Seite auch die Stunden der Brandsicherheitswachen bei Veranstaltungen und der Montgolfiade. Es wären ohne die Pandemie also noch mehr Stunden beziehungsweise Einsätze.

Abgesehen von den Großbränden in Allagen oder Sichtigvor: Gibt es Auffälligkeiten bei den einzelnen Einsätzen beziehungsweise den Einsatzstichworten?

Was mir zu denken gibt sind die Türöffnungen, wo wir Zugang zu Wohnungen schaffen müssen, wo sich eventuell Notfälle ereignet haben oder die Personen schon nicht mehr leben. Das wird immer mehr. Da fragt man sich oft, was aus Nachbarschaften geworden ist. Das macht dich nachdenklich. Im Mehrfamilienhaus ist Halligalli in der einen Wohnung und direkt in der Wohnung daneben liegt der Bewohner seit Wochen tot und keiner bekommt es mit. Das war früher nicht so. In Großstädten vielleicht, aber nicht bei uns. Früher waren das zwei oder drei im Jahr, jetzt sind wir bei weit über 20 Türöffnungen. Es quillt der Briefkasten über, aber keinen interessiert es. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Was aber auch bewegend war, unabhängig von den Türöffnungen, war der Hund im Steinbruch, der gerettet werden konnte. Da denkt man dann schon einmal mehr drüber nach.

Wächst denn mit den Einsatzzahlen auch die Zahl der Kräfte? Oder müssen weniger Feuerwehrmänner- und frauen mehr Einsätze „fahren“?

Nein, wir gewinnen weiter Mitglieder, das ist sehr positiv zu sehen. Sowohl im aktiven Dienst, als auch bei der Jugendfeuerwehr. Vor allem trotz der Corona-Pandemie, das ist schön zu sehen.

Was tut sich bei den Löschgruppen beziehungsweise -zügen aktuell?

Wir arbeiten weiter an der Spezialisierung. Waldhausen hat die Drohnengruppe, Allagen und Hirschberg kümmern sich vor allem um die Waldbrandgefahr, Sichtigvor und Mülheim sind die Fachleute bei Hochwasser, aber auch was Wasserversorgung und -förderung angeht. Belecke hat die Drehleiter und ist im ABC-Bereich gut ausgerüstet und Warstein hat den Rüstwagen und die Technische Hilfe, Suttrop spezielles Equipment für Einsätze zum Beispiel in der LWL-Klinik.

Was passiert in diesem Jahr?

Wir bauen aktuell zum Beispiel die Handyalarmierung für die Einsatzführung aus. In Warstein hoffen wir, dass die Wache in diesem Jahr fertiggestellt wird, für Mülheim/Sichtigvor suchen wir einen neuen Standort für die Wache. Wir erwarten, fünf neue Fahrzeuge im Stadtgebiet zu bekommen. Einen Mannschaftswagen für Warstein, zwei Löschfahrzeuge für Allagen und Hirschberg, ein Fahrzeug mit Ladefläche für die Hochwasserausrüstung und ein Löschfahrzeug für den Katastrophenschutz für Mülheim/Sichtigvor. Und auch in die EDV wird und wurde ja schon investiert. Und ich wünsche mir auch eine Kinderfeuerwehr für Warstein, um die Kinder früh für das Ehrenamt zu gewinnen. Aber da brauchen wir auch die Stadt im Boot, wir brauchen dafür Erzieher.

Was werden kommende Herausforderungen sein?

Man muss am Puls der Zeit bleiben. Ein Stichwort sind Elektroautos. Wie stellen wir uns bei einem Brand von Elektroautos auf? Daran arbeiten wir. Aber auch die Infrastrukturen werden kritischer, wir haben zum Beispiel die Feuerwehrhäuser in Warstein und Belecke mit Notstrom ausgerüstet. Wir müssen uns auf alle Eventualitäten einstellen. Auch was Unwetter angeht. Und da sind wir aktuell dabei, die Zusammenarbeiten zu intensivieren. Man muss natürlich immer am Markt gucken, was es für neue Techniken gibt, die die Arbeit der Feuerwehr erleichtert. Das hat man auch bei der Stadt erkannt. Wir sind dabei, viele Synergien zum Beispiel auch mit dem Betriebshof zu schaffen. In die Fahrzeuge kommen iPads, Computer gehören zu Einsätzen längst dazu. Aktuell arbeiten wir auch da dran, einen Betriebsarzt für die Feuerwehr zu gewinnen, um den medizinischen Schutz für unsere Kameraden sicher zu stellen, denn auch wir müssen, wie im Arbeitsleben auch, für die Sicherheit unserer Leute sorgen. Mit unseren rund 440 Feuerwehr-Mitgliedern sind wir wie ein kleines mittelständisches Unternehmen. Feuerwehr geht nur zusammen, das wird auch in Zukunft so sein.

Einsatzzahlen 2021 und Mitgliedertand der Feuerwehr

399 Einsätze gab es in 2021 für die gesamte Feuerwehr der Stadt Warstein: 49 Brandmeldeanlagen-Einsätze, 45 Brandeinsätze (klein/ mittel), 5 Brandeinsätze (groß), 9 blinde Alarme/Heimrauchmelder/Brandvermutungen, 4 Flächen-/Vegetationsbrände (mittel), 8 Brandschutzerziehungen, 7 ABC-Einsätze, 70 Technische Hilfeleistungen (Hochwasser, Schnee, Sturm), 37 Technische Hilfeleistungen (Ölspur/Öl auf Gewässer), 46 Technische Hilfeleistungen allgemein (Verkehrsunfall usw.), 2 Technische Hilfeleistungen (Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person), 5 Tierrettungen, 23 Mal Person hinter Tür, 13 Einsätze als Amtshilfe für die Polizei /Drehleiter für Rettungsdienst, 7 Drohneneinsätze im Stadt- und Kreisgebiet, 18 Psychosoziale Notfallversorgungen, 2 Wachenbesetzungen nach Notrufausfall /Leitstellenausfall, 9 überörtliche Einsätze, 42 Krisenstabssitzungen. Insgesamt 56 Menschen gerettet, 2 Feuerwehrangehörige im Einsatz verletzt, 1 Feuerwehrangehöriger im Einsatz verstorben (internistischer Notfall). Gesamt: 8610 Einsatzstunden.

Personal der Feuerwehr: 442 Mitglieder unterteilt in Jugendfeuerwehr (70), Unterstützungsabteilung (8), nur Spielmannszug (8), aktive Wehr (266), Anwärter (11), Ehrenabteilung (79).

Ehrungen und Beförderungen

Beförderungen: Feuerwehrmann/-frau: Jessica Kicinski, Julia Roderfeld, Magdalena Kobus, Tobias Heilig, Luca Schriek, Guido Albers, Niklas Enste, Fabian Hetzel, Fabienne Immisch. Oberfeuerwehrmann/-frau: Natalie Hötte, Oliver Griep, Tim Haverland, Robin Schröder, Jacqueline Wanisch. Unterbrandmeister/-in: Niklas Kirchhoff, Sven Klose, Roman Cruse, Markus Gauseweg, Nils Koch, Justin Risse, Marius Bredenbeck, Thorsten Cordes. Brandmeister: Sven Gauseweg, Dennis Dresbur, Marvin Reinhard, Carsten Lehmann, Markus Franke, Patrick Heer. Oberbrandmeister: Hendrik Buchheister. Brandinspektor: Dirk Mrosh. Stadtbrandinspektor: Andreas Risse.

Ehrungen für Feuerwehrmitgliedschaft: 25 Jahre: Thorsten Eiling, Carsten Schannath, Maik Bräutigam, Jürgen Meschede, Christof Mestermann, Daniel Brock, Christian Baronowsky. 35 Jahre: Georg Craes, Dietmar Schröder, Andreas Schulz, Werner Schulz, Peter Cordes, Thomas Dreischalück.

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