Brauerei-Inhaber gestorben

Warstein(er) trauert um Albert Cramer

Die Warsteiner Brauerei verliert ihren Inhaber. Albert Cramer, hier an der Seite seiner Tochter Catharina, ist gestern abend im Alter von 69 Jahren gestorben.

WARSTEIN ▪ Am Stammsitz der Warsteiner Brauerei wurde am Mittwochmorgen Halbmast geflaggt. In der Nacht zuvor gegen 22 Uhr war Brauerei-Inhaber Albert Cramer gestorben.

Von Reinhold Großelohmann

Vom Kampf gegen eine lange und schwere Krebserkrankung geschwächt, schlief er friedlich in seinem Privathaus direkt vor den Toren der Brauerei im Langenbachtal ein, in dem er mit seiner Lebensgefährtin lebte. Albert Cramer, der die 1753 gegründete Brauerei in der achten Generation führte und unter dessen Regie sie zu einer der größten Privatbrauerei Deutschlands aufstieg, wurde 69 Jahre alt. Am Samstag ist die Beerdigung, die zu einem Großereignis werden dürfte.

Bilder aus dem Leben von Albert Cramer

Zum Tode von Albert Cramer

Seit 2006 steht Tochter Catharina Albert Cramer in der Geschäftsführung zur Seite. Noch im Juni hatte die Warsteiner Öffentlichkeit Albert Cramer bei der Hochzeit von Catharina Cramer und Frank Raddue als strahlenden Vater in Frack und Zylinder erlebt. Seither zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, kämpfte gegen den Krebs. Selbst an der Montgolfiade konnte der leidenschaftliche Ballonfahrer nur mit einem Kurzbesuch teilnehmen. In Abwesenheit wurde ihm am 25. Oktober als einer „Unternehmerpersönlichkeit, wie sie es in den letzten 100 Jahren in der Stadt Warstein nicht gegeben hat“ der Bürgerpreis der Bürgerstiftung verliehen.

In Warstein verbreitete sich die Nachricht am Mittwoch in Windeseile. Im Eingangsbereich der Brauerei-Verwaltung wurde ein großes Foto mit Trauerflor aufgestellt, so schlicht, wie er es gewollt hätte.

Mit Albert Cramers großer Familie, wozu insbesondere die Töchter Marie-Christina, Ann-Josephine und Eva-Catarina mit ihren Partnern und Kindern gehören, trauern die gesamte Belegschaft, Geschäftspartner und Vertreter des öffentlichen Lebens. Aber auch viele Bürgerinnen und Bürger, die dem Brauerei-Chef im täglichen Leben in Warstein begegnen konnten.

Albert Cramer wurde am 22. Mai 1943 in Warstein geboren und wuchs zusammen mit seinen drei Schwestern im Elternhaus direkt neben der Brauerei auf. Von frühester Jugend an war ihm bewusst, dass er in die Fußstapfen von Vater Paul treten würde. Nach dem Abitur in Bad Godesberg studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Köln und sammelte erste berufliche Erfahrungen bei der Unternehmensberatung Kienbaum. 1968, im Alter von 25 Jahren, trat er in die von seinem Vater Paul Cramer und dessen Neffen geführte Brauerei ein, die damals einen Ausstoß von 300 000 Hektolitern hatte. Die Aussiedlung der Brauerei aus der Innenstadt und der Neubau auf dem Waldparkgelände legten den Grundstein für die späteren Erfolge.

1985 wurde Albert Cramer Alleininhaber. Bis dahin hielten, dem „Hausgesetz“ gehorchend, die erstgeborenen Nachkommen der zwei Familienzweige je 50 Prozent. Albert Cramer kaufte seinem Vetter Claus dessen Anteil für 200 Millionen Mark ab.

Der Bierausstoß war zu diesem Zeitpunkt bis auf zwei Millionen Hektoliter angestiegen. 1987 setzte ein Höhenflug ein, der die Marke Warsteiner 1994 bis auf einen Ausstoß von 6,2 Millionen Hektoliter brachte.

Aus der Ehe mit Marianne, von ihm auch in der Öffentlichkeit „Nanni“ genannt, gingen drei Töchter hervor. 2002 kam es zur Scheidung. Mit der Regelung eines millionenschweren Erbverzichts machte er den Weg an die Unternehmensspitze frei für seine jüngste Tochter Catharina.

Der von „AC“, wie Albert Cramer in Brauerei und Stadt genannt wurde, geprägte Expansionskurs drückte sich auch in der Übernahme der Paderborner Brauerei mit den Marken „Paderborner“, „Isenbeck“ und „Weißenburger“ aus. Die in Buenos Aires errichtete Isenbeck-Brauerei, ein hochmodernes Vorzeigeobjekt, wurde zwischenzeitlich wieder verkauft, 2001 kam die 50-prozentige Beteiligung an der Schloßbrauerei Kaltenberg in Bayern hinzu, inzwischen gehören auch „Frankenheimer“ und „Herforder“ zur Gruppe, die einschließlich der Welcome-Hotelkette bei einem Jahresumsatz von mehr als 520 Millionen Euro rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt.

Als begeisterter Ballon-Pilot gründete Albert Cramer 1986 die Warsteiner Internationale Montgolfiade. Auch die Formel 1 entdeckte er für sein Unternehmen, wodurch die Marke in den 1990er Jahren weltbekannt wurde. Ebenfalls auf Initiative von Albert Cramer engagierte sich die Warsteiner Brauerei viele Jahre lang im internationalen Ski- und Reitsport.

Zeitlebens lag ihm auch gemeinnütziges Wirken in seiner Heimatstadt am Herzen. Er gründete unter anderem die nach seinem Vater benannte Paul-Cramer-Stiftung.

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