„Sind kein Verursacher“

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Umweltingenieur Jörg Behr und Brauerei-Qualitätsmanagementbeauftragter Frank Homann mit einer Animation, die die Brauerei-These erläutert. J

WARSTEIN ▪ „Es ist völlig offen, ob die Brauerei Verursacher oder Opfer ist“, so verkündete vor gut einer Woche NRW-Umweltminister Johannes Remmel zur Legionellen-Erkrankungswelle in Warstein. „Wir scheiden als Verursacher-Quelle aus“, ist die Brauerei inzwischen überzeugt. Sie hat Umweltingenieur Jörg Behr verpflichtet, der ein mathematisches Modell entwickelt hat, das ausschließt, dass die Klärbecken der Brauerei bereits vor dem 20. August mit Legionellen belastet waren – zu einem Zeitpunkt, als es bereits 64 Erkrankungsfälle gab.

Bei Jörg Behr handelt es sich um jenen Umweltingenieur aus Dortmund, der vor zwei Wochen seine Theorie öffentlich machte, dass aus der Kläranlage des Ruhrverbandes jene Aerosole in die Luft gelangt sein sollen, die die Menschen in Warstein und Belecke krank gemacht haben. Dies wird vom Kreis Soest und seinem Experten Prof. Dr. Exner derzeit nicht unterstützt, wenngleich an der Kläranlage Maßnahmen ergriffen worden sind, um eine solche „latente Gefahr“ in jedem Fall auszuschließen.

Ob der Emittent konkret das Belebungsbecken oder die Tropfkörperanlage der Ruhrverbands-Kläranlage ist, oder ob die Luft-Belastung aus dem am 21. August abgestellten Esser-Rückkühlwerk stammt, das möchte die Brauerei bei ihrer These bewusst offen lassen. Allerdings geht sie nach Abgleich mit den Wetterdaten davon aus, dass exakt jene Aerosole, die die Menschen krank gemacht haben, bei Nordwind durch die Schlauchwirkung der Tallage zur Brauerei gelangt sind und dort ins Vorklärbecken kamen. Insbesondere am Freitag, 23. August, und Samstag, 24. August, hätten vornehmlich aus Norden kommende Winde, die über die Stadt in Richtung Süden geweht wurden, geherrscht.

Zurück gerechnet hat Jörg Behr aus den beiden vorliegenden Analysewerten. Am 4.9. wies das von der Brauerei beauftragte Hygieneinstitut Gelsenkirchen eine Legionellen-Konzentration von 70 000 Kolonien bildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter nach, zwei Tage später ermittelte Prof. Dr. Exner 2,5 Millionen. Aus der exponentiell verlaufenden Reproduktionskurve ermittelte er den 20. August als den Tag des ersten Legionelleneintrags.

Vor 20. August keine

Legionellen im Becken

Für die Brauerei bedeutet dies, dass vor dem 20. August keine Legionellen im Vorklärbecken gewesen sein können, da – was weitere amtliche Proben ergeben haben – aus dem Brauprozess selbst mit einer Temperatur von fast 100 Grad keine Legionellen stammen können. Zu diesem Zeitpunkt gab es allerdings bereits 62 Erkrankte, zwei Tote und vier positive Legionellenbefunde.

Die Warsteiner Brauerei ist von dieser Beweisführung fest überzeugt und sieht sich als Opfer. Sie geht davon aus, dass die noch ausstehenden Laborergebnisse die mathematisch unterfütterte Theorie bestätigen werden. „Wir wurden aus der Luft infiziert und können damit als Verursacher ausgeschlossen werden“, hatte Stefan Leppin, Leiter der Brauerei-Unternehmenskommunikation, bereits am Tag nach dem Bekanntwerden der Legionellen-Belastung gesagt. ▪ gr

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