Herber Verlust im ersten Halbjahr

Corona-Minus bei Warsteiner Brauerei 16,2 Prozent

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Blick nach vorn: Ein goldener Kasten mit innenliegendem Griff als holländische Besonderheit soll im Nachbarland das Geschäft ankurbeln. Ein Muster-Exemplar hat Vertriebs- und Marketing-Geschäftsführer Christian Gieselmann im Büro stehen.

Warstein. Das Lächeln ist Christian Gieselmann auch nach seinem dritten, aber bislang schwierigstem Halbjahr an der Spitze der Brauerei-Geschäftsführung nicht aus dem Gesicht gewichen. Seine Worte indes sind eindeutig. „Das war ein herber Schlag ins Kontor“, sagt der Vertriebs- und Marketing-Verantwortliche. „Die Einschläge sind erheblich.“ In Zahlen: Corona beschert Warsteiner im In- und Ausland ein sattes Minus von 16,2 Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Doch Grundoptimist Gieselmann, der 2018 aus der Tätigkeit als Unternehmensberater zunächst in die Rolle des Finanz-Geschäftsführers und dann ganz an die Spitze gewechselt war, richtet den Blick nach vorn und berichtete im Pressegespräch mit unserer Zeitung von einem Anziehen des Absatzes in den letzten Wochen. Dieser falle sogar stärker aus als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. „Die Konsumenten schöpfen wieder Vertrauen, es läuft besser als erwartet.“ Dennoch steht für Gieselmann außer Frage, dass es sich um eine Krise bislang nicht gekannten Ausmaßes handelt. „Als Brauerei sind wir von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise unmittelbar betroffen“, sagt er. „Aber unser Familienunternehmen ist sehr solide aufgestellt, so dass wir diese schwierige Zeit erfolgreich bewältigen können.“ 

Christian Gieselmann, der gleich in den ersten Monaten seiner Tätigkeit 2018 als RTL-Undercover-Boss seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnete und dabei körperlich anstrengende Arbeiten am eigenen Leib kennenlernte (am Montag, 27.7. um 20.15 Uhr läuft bei RTL die Wiederholung), ist wichtig, dass es im Haus keinen Infektionsausbruch gegeben hat. Man habe schnell und richtig reagiert. Zeitweise sei die Verwaltung wie ausgestorben gewesen. Home-Office wurde zu einem Muss, die hausinterne IT gab Vollgas. Kollegen aus dem Vertriebs-Außendienst gingen in Kurzarbeit, was inzwischen aber bereits wieder Geschichte ist. „Wir haben dann relativ schnell wieder hochgefahren.“ Das sei auch wichtig gewesen, denn: „Viele Kunden brauchten unsere Unterstützung.“ Die vom Lockdown extrem hart getroffene Gastronomie („Ab der Kalenderwoche 14 lag dort der Umsatz bei Null“) nötigt Gieselmann für das lange Durchhalten Anerkennung ab. „Es ist toll, wie sich viele Gastronomen und Hoteliers auf die Krise eingestellt haben.“ Mit rund 15 Prozent ist der Gastronomie-Anteil bei Warsteiner geringer als im Branchendurchschnitt, der bei 20 Prozent liegt. Viele kleinere Brauereien seien ins Mark getroffen worden, habe sie doch teilweise einen Gastro-Anteil von 80 Prozent. 

Hilfe beim Durchhalten gab in den härtesten Corona-Wochen die Warsteiner-Werbung. „Wir haben die Phase der Krise begleitet und uns nicht aus der Kommunikation zurückgezogen“, so Gieselmann. „Während viele Konsumgüterhersteller ihre Werbeetats eingefroren haben, wurde die Werbekampagne für die Marke Warsteiner an die Entwicklung der Corona-Krise angepasst.“ Möglich machte dies das seit längerem mit Erfolg laufende Kampagneformat, das pfiffige Produkt-Fotos mit kreativ-hintergründigen Sprüchen verbindet und dabei auch aktuelle Entwicklungen aufgreift. Dabei geht es auch um Schnelligkeit. „Oft wird die Thematik ruckzuck angefasst“, freut sich Christian Gieselmann und setzt auf die Verantwortung der beauftragten Agentur und seiner Mitarbeiter. „Ich finde es ist ein gutes Zeichen. Wenn alles über meinen Tisch gehen würde, wäre es doch irre langsam.“ 

Natürlich hat die Krise den Wettbewerb im Biermarkt noch einmal verschärft. „Viele Biermarken sind beim Kastenpreis jetzt oft wieder unter 10 Euro“, beobachtet Gieselmann. Darauf könnten die Brauereien oft keinen Einfluss nehmen. „Da wird Bier oft nur noch verhauen. Ich bezweifle, dass dies das richtige Mittel ist.“ Beim Blick in die Zukunft ist der Sprecher der Geschäftsführung noch nicht sicher, was ihn erwartet. Das „New Normal“ bedeute, dass man sich an neues Verhalten anpassen müsse. „Das wird zwei bis drei Jahre dauern“, schätzt er. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt der Vertriebs- und Marketing-Geschäftsführer, der inzwischen mit Frau und Tochter in Warstein heimisch geworden ist. „Wachstumsimpulse“ soll eine nationale Promotion-Aktion bringen. Oder die Einführung des “Warsteiner Grapefruit“ sowie der neuen Halbliterdose des über den Erwartungen gestarteten „Brewers Gold“. Ebenso das Online-Geschäft, das in der Corona-Krise ausgebaut wurde.

Der anhaltende Ausfall vieler Veranstaltungen - vor Ort etwa der zahlreichen Schützenfeste aber auch der Montgolfiade oder des Warsteiner Herbstes – setzt sich fort und wird starke Spuren im Jahresergebnis hinterlassen. „Wir sind darauf vorbereitet“, sagt Gieselmann. „Aber wir hoffen, dass das Tal der Tränen nicht ganz so tief wird.

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