Jahresbilanz der Warsteiner Brauerei

Warsteiner Brauerei geht mit 16,2-Prozent-Minus aus dem Corona-Jahr

Mit dem neuen alkoholfreien „Warsteiner 0,0%“ ins Fitnettcenter. Christian Gieselmann ist überzeugt, dass in Zukunft noch viel mehr alkoholfreies Bier getrunken wird. Eine Ausstoß-Verdoppelung sieht er für die Brauerei als möglich an.
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Mit dem neuen alkoholfreien „Warsteiner 0,0%“ ins Fitnettcenter. Christian Gieselmann ist überzeugt, dass in Zukunft noch viel mehr alkoholfreies Bier getrunken wird. Eine Ausstoß-Verdoppelung sieht er für die Brauerei als möglich an.

Für Christian Gieselmann war 2020 das zweite Jahr an der Spitze der Brauerei-Geschäftsführung. Es wurde ein Jahr der Superlative, aber leider im negativen Sinn – und das nicht nur für die Warsteiner Brauerei, sondern für die gesamte Branche und die komplette Gastronomie. „Es war das schwierigste Geschäftsjahr in der Braubranche seit Jahrzehnten“, bringt er es auf den Punkt. Insgesamt ging der Absatz der Warsteiner Brauerei um 16,2 Prozent zurück und dürfte damit klar unter die Marke von 2 Millionen Hektolitern gerutscht sein.

Warstein – Für Christian Gieselmann war 2020 das zweite Jahr an der Spitze der Brauerei-Geschäftsführung. Es wurde ein Jahr der Superlative, aber leider im negativen Sinn – und das nicht nur für die Warsteiner Brauerei, sondern für die gesamte Branche und die komplette Gastronomie. „Es war das schwierigste Geschäftsjahr in der Braubranche seit Jahrzehnten“, bringt er es auf den Punkt. Die Zahlen sind dabei nicht so überraschend. Sie hatten sich bereits bei der Halbjahresbilanz angekündigt. Insgesamt ging der Absatz der Warsteiner Brauerei um 16,2 Prozent zurück und dürfte damit klar unter die Marke von 2 Millionen Hektolitern gerutscht sein. Mitte der 1990er Jahre war der Absatz im wiedervereinigten Deutschland auf über 6 Millionen Hektoliter gestiegen und hatte Warsteiner zur stärksten Biermarke Deutschlands gemacht.

Doch das ist Geschichte. So wie 2020 ebenfalls als Corona-Jahr in die Warsteiner Historie eingehen wird. Das Jahr sei „kritisch für die ganze Branche“ gewesen, sagt Gieselmann. Es werde viele kleinere Brauereien an den Rand ihrer Existenz bringen. Vor allem jene kleinen Betriebe, die fast nur für die Gastronomie produzieren. Bei Warsteiner betrage dieser Anteil im Inland 12 Prozent. Er sei durch den Lockdown halbiert worden, so Gieselmann – somit auch dafür verantwortlich, dass sich das Inlandminus sogar auf 17,4 Prozent beläuft. Die Warsteiner Brauerei sieht er in der Lage, dies wegzustecken. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir solide aufgestellt sind“, dank „hoher Liquidität“ und einer „guter Eigenkapitalquote“. Als Grund gibt er an: „Wir haben unsere Hausaufgaben vor 2020 gemacht.“

So sieht Christian Gieselmann für sein Haus aktuell auch keinen Anlass zum Abbau von Stellen. Man sei nicht mit einem großen Programm unterwegs. „Es gibt keinen Stellenabbau“, so seine klare Aussage. Allerdings: „Wir werden nicht alle Planstellen besetzen.“

Natürlich ist bei Warsteiner im vergangenen Jahr auch von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch gemacht worden. In der Spitze seien im Verlauf der Monate bis zu 300 der insgesamt 1100 Kolleginnen und Kollegen in Kurzarbeit gewesen.

Die negative Entwicklung wurde maßgeblich durch die Absagen von Großveranstaltungen wie der Fußball-Europameisterschaft und die Streichung von Festivals, Konzerten sowie Schützenfesten beeinflusst. Zudem war Warsteiner als größte Premium-Pils-Exportmarke einer deutschen Privatbrauerei frühzeitig von den Lockdowns in wichtigen Exportmärkten wie Italien, Frankreich und Asien betroffen. Dies habe einen Monat Ausfall mehr ausgemacht.

Im Inland beläuft sich der Absatz-Rückgang auf 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der größtenteils auf die Schließung der Gastronomie und die Absage von Veranstaltungen zurückzuführen ist. Davon betroffen war aber auch das Warsteiner Premium Pilsener im Handel, für das erst Ende 2019 eine Preisanpassung eingeleitet worden war.

Im Auslandsgeschäft, einem „zentralen strategischen Fokus des Unternehmens“, schnitt die Warsteiner Brauerei im Jahr 2020 mit einem Rückgang von 11,8 Prozentvergleichsweise besser ab. Christian Gieselmann zum Auslandsgeschäft: „Wir haben mit 45 Prozent einen sehr großen Gastronomieanteil, der um über die Hälfte eingebrochen ist. Und trotzdem konnten wir dank unserer Kollegen sogar 50 Prozent mit dem Handelsgeschäft kompensieren. Das ist in einer schwierigen Situation eine herausragende Leistung.“ Anders als in Italien, Frankreich oder Asien war die Absatzentwicklung in Russland, den baltischen Staaten, den Niederlanden und den USA positiv. In den USA konnte der Rückgang in der Gastronomie durch zusätzliche Listungen in überregionalen Handelsketten vollständig kompensiert werden. In den Niederlanden erwies sich die Einführung des neuen goldenen Warsteiner Mehrwegkastens als Erfolg. Zudem gelang es dort, den Marktanteil von Warsteiner auch im Bereich der alkoholfreien Biere deutlich zu steigern. „An diesen Erfolgen zeigt sich die internationale Strahlkraft der Marke Warsteiner. Unser strategisches Ziel, Warsteiner zu einer echten globalen Marke auszubauen, werden wir weiter konsequent verfolgen“, so Gieselmann.

Zu einer „Erfolgsgeschichte“ entwickelt sich aus Sicht des Geschäftsführers die Markteinführung von „Warsteiner Brewers Gold“. Trotz der erschwerten Corona-Umstände, vor allem für den Vertriebsaußendienst, hätten allein bis Ende November über 700 000 Haushalte die neue Bierspezialität gekauft, wie eine Erhebung ergeben hatte. Zudem sei Brewers Gold als mit Abstand „verkaufsstärkste Produktneuheit“ in der Warengruppe Bier- und Biermischgetränke ausgezeichnet worden. Auch die Neueinführung des Biermixgetränks Warsteiner Grapefruit sei im Handel gut angenommen worden.

Nach dem erneut verlängerten Lockdown wird auch 2021 für die gesamte Branche ein Kraftakt. „Wir wissen, wie schwer es insbesondere unsere Partner im Gastronomie-, Schausteller- und Veranstaltungsgewerbe sowie im Getränkefachgroßhandel getroffen hat. Bis sich die Situation normalisiert und unsere Branche wieder die gewohnten Volumina erreicht, wird es noch dauern“, sagt Christian Gieselmann. „Wir nutzen diese Zeit, um unsere erfolgreichen Innovationen weiter zu stärken und die Internationalisierungsstrategie voranzutreiben.“ Dazu zählen die internationale Markteinführung von Warsteiner Brewers Gold sowie weitere Neuprodukte im Wachstumssegment der alkoholfreien Biere, insbesondere das Warsteiner 0,0% im Inland.

„2021 ist eine absolute Wundertüte“, sagt Gieselmann. „Das erste Quartal wird noch schwierig bleiben. Aber wir blicken zuversichtlich nach vorne.“ Ab dem zweiten Quartal erwartet die Brauerei dann positive Effekte durch verbesserte Bedingungen für die Gastronomie und Veranstaltungen – wenn auch mit angepassten Zuschauer-Konzepten – wie die Fußball-EM oder die Festivals Rock am Ring/Rock im Park, bei denen die Marke als Hauptsponsor auftritt.

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