Haftstrafen für vier Ukrainer

Einbrüche bei Warsteiner Brauerei: Fass-Diebe verurteilt - sie fuhren mit dem Lkw einfach aufs Gelände

Warsteiner Brauerei Fass Diebstahl
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Fünf Monate lang saßen die vier Täter in Untersuchungshaft. Am Montag wurden sie vom Gericht verurteilt.

Vier Ukrainer im Alter zwischen 26 und 29 Jahren wurden am Montag zu jeweils einem Jahr und 10 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Warstein/Arnsberg – Die Männer waren am 11. April um 3.30 Uhr und am 13. April um 0.50 Uhr bei der Warsteiner Brauerei eingebrochen. Dabei ließen sie 690 50-Liter-Edelstahl-Fässer im Gesamtwert von rund 20 000 Euro mitgehen. 

Alle vier räumten vor dem Amtsgericht Soest, das wegen der hohen Anzahl an Beteiligten – die Angeklagten hatten fünf Verteidiger und vier Dolmetscherinnen und Dolmetscher dabei – im Landgericht Arnsberg tagte, ein, dass sie in den frühen Morgenstunden des 11. April mit einem Klein-Lkw ein Tor des Brauerei-Außenlagers ansteuerten. 

Die Täter verschafften sich zweimal illegalen Zutritt zum Brauerei-Gelände. Und ließen hunderte Bierfässer mitgehen.

Sie knackten das Schloss und fuhren mit dem Lkw auf das Brauerei-Gelände. Mit bloßer Muskelkraft trugen sie die leeren Bierfässer aus dem Lagerbereich bis zu ihrem Lkw. Dabei gingen sie mit Bedacht vor: „Die Fässer waren in größeren Blöcken gestapelt. An einer nicht einsehbaren Stelle wurden diese Blöcke von innen ausgehöhlt“, so Staatsanwalt Thomas Schmelzer.

Bierfass-Diebe bei Warsteiner Brauerei verschließen Tor mit eigenem Schloss

Als die Ladefläche des Lkw voll war, verließen sie das Brauerei-Gelände unbehelligt. Das Tor wurde wieder geschlossen – mit einem selbst mitgebrachten Vorhängeschloss. So hatten sie es zwei Nächte später, in der Nacht auf Ostermontag, noch leichter – den Schlüssel für das Schloss hatten sie schließlich dabei. 

Problematisch wurde es für die Täter jedoch, nachdem auch dieser Beutezug vermeintlich gelungen war. Als sie die Bierfässer nämlich nach dem Abtransport an anderer Stelle auf einen größeren Lkw umladen wollten, gab es den Zugriff der Polizei, die den Ukrainern in dieser Nacht längst auf der Spur war.

Täter buchen Lkw-Fahrer - der weiß nichts von seinem "Glück"

Der polnische Fahrer des größeren Lkw, der als fünfter im Bunde auch festgenommen worden war, konnte wenig später entlassen werden. Er hatte den Beamten glaubhaft erklärt, dass er lediglich als Fahrer für eine Tour in die Ukraine gebucht wurde und gar nicht gewusst habe, was er transportieren sollte. 

Dass die Polizei den Fassdieben schnell auf der Spur war, verdankte sie den Kollegen in Bayern. So sollen die Täter bereits im Vorfeld mit ähnlichen Taten bei bayrischen Brauereien aufgefallen sein. Da die bayrischen Ermittler das Handy eines Täters überwachte und neben Positionsdaten auch Inhalte von Telefongesprächen vorliegen hatte, gab es einen Tipp nach NRW, als das überwachte Handy mehrfach im Arnsberger Raum lokalisiert werden konnte.

Wohnung gemietet, um Brauereien zu "besichtigen"

In Arnsberg hatten die Ukrainer nämlich eine Wohnung gemietet, um sich in aller Ruhe die Brauereien in der Umgebung anzusehen. Die Wahl fiel auf Warstein. 

Manche Fragezeichen bleiben..

Manche Dinge konnten vor Gericht jedoch nicht geklärt werden: „Es gibt keine Angaben zum geplanten Werdegang der Fässer“, so Staatsanwalt Schmelzer. Heißt im Klartext: Die Täter waren lediglich für den Diebstahl der Beute zuständig, für den sie mit 300 bis 400 Euro pro Kopf entlohnt werden sollten. Für manche von ihnen ein Monatslohn.

Was in der Ukraine mit den Edelstahl-Zylindern passieren sollte, wussten sie nicht. „Ob es lediglich um den Schrottwert ging oder die Fässer wieder verwendet werden sollten, muss unklar bleiben“, erklärte Thomas Schmelzer.

Wo sind die anderen Fässer?

Ebenso ungewiss ist die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib weiterer Warsteiner-Fässer: So würden weitaus mehr als die 690 sichergestellten Fässer fehlen. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass es im Vorfeld bereits Fälle dieser Art in Warstein gegeben haben muss. Den Verurteilten konnten jedoch nur diese beiden Fälle nachgewiesen werden.

Amtsrichter Florian Steger verurteilte die Fassdiebe zu Haftstrafen auf Bewährung.

Der Soester Amtsrichter Florian Steger verurteilte die vier geständigen Männer, die bereits fünf Monate in Untersuchungshaft saßen, wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls zu einem Jahr und 10 Monaten Haft auf Bewährung. 

Sie dürfen zurück in ihre Heimat, müssen in den nächsten drei Jahren aber ein straffreies Leben führen, um nicht zurück ins Gefängnis zu kommen. 

Dass die verurteilten Männer wohl tatsächlich nur ein kleines Zahnrad im großen Getriebe des internationalen Bierfass-Diebstahls waren, zeigten wenige Monate später, als die vier Ukrainer schon längst in U-Haft saßen, ähnliche Fälle bei der Warsteiner Brauerei: Am 20. Juli und am 4. August hatten es die zum Teil noch unbekannten Täter wieder auf Leergut-Fässer abgesehen.

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