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Warsteiner Brauerei auf dem Weg zum Ende des Tunnels: Im ersten Halbjahr nur 1,4 Prozent Minus

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Von: Reinhold Großelohmann

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Alkoholfrei nicht nur auf dem Fußballrasen, sondern auch am Kicker: Christian Gieselmann schwört auf das 0,0 %-Blau.
Alkoholfrei nicht nur auf dem Fußballrasen, sondern auch am Kicker: Christian Gieselmann schwört auf das 0,0 %-Blau. © Großelohmann

Eine Gastronomie, die sich erst ganz langsam aus dem Corona-Dauerschließungs-Schock erholt, Großveranstaltungen die noch immer weitgehend auf Eis liegen. Ein Wettbewerb im Handel, der noch schärfer geworden ist als zuvor. Dazu eine Gewerkschaft, die Forderungen erhebt, als ob es die Krise nicht gegeben hätte und vor Ort in Warstein eine Innenstadt im Baustellenmodus. Und dann regnet‘s auch noch Bindfäden. Und Christian Gieselmann? Der Marketing- und Vertriebschef der Brauerei lässt sich sein Dauerstrahlen nicht nehmen, so, als hätte es die vielen Corona-Nackenschläge nicht gegeben. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, sagt er als „Außenminister“, wie er seine Rolle als Sprecher der Geschäftsführung umreißt.

Warstein – Die Zahl, die den Optimismus des Daueroptimisten verursacht, ist zwar mit einem Minus versehen, aber sie ist klein und im Vergleich zum zweistelligen 16,2 Prozent-Minus des Jahres 2020 überschaubar: Warsteiner verzeichnete von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 1,4 Prozent beim Bierausstoß. Die deutsche Brauwirtschaft fuhr mit einem Minus von 6 Prozent von Januar bis Mai (Inland und Ausland) insgesamt ein deutlich schlechteres Ergebnis ein.

Das Bild vom „Licht am Ende des Tunnels“ hat Christian Gieselmann wohl gewählt - und wiederholt es oft, um die aktuelle Lage zu beschreiben. Wohlgemerkt nicht „Licht am Horizont“. Mit Blick auf die Schwere der Corona-Krise trifft es der „Tunnel“ wohl eher. Es seien nun „erste positive Entwicklungen“, sagt der Sprecher der Geschäftsführung, der einst als Undercover-Boss die Nähe zu seinen Mitarbeitern auf allen Ebenen und auf ganz besonders persönliche Art suchte und erlebte. So kann er die Frage auch gut nachvollziehen, ob mit Blick auf die schlechten 2020er-Geschäfte dem Haus negative Konsequenzen drohen. Auch vor dem Hintergrund des erfolgten Schlagabtausches mit der Gewerkschaft, der zur Abkoppelung vom Tarifabschluss und Austritt aus dem Arbeitgeberverband führte. „Wir haben ein Angebot gemacht, auch die Zahlung einer Corona-Prämie, aber das war der NGG nicht ausreichend.“

Dass gleichzeitig von Inhaberin Catharina Cramer der Vorstand personell verändert wurde und für den in Richtung Schweden Abwanderungswilligen Carsten Rockholtz nun mit Helmut Hoerz ein neuer kaufmännischer Geschäftsführer verpflichtet wurde, dem nicht nur der Ruf eines im Lebensmittel-Sektor erfahrenen Kaufmanns, sondern auch der eines Sanierers vorauseilt, hatte für weitere Spekulationen gesorgt – zumal Hoerz nun als Vorsitzender des Vorstandes agiert. Nein, sagt Gieselmann, es seien aktuell keine Maßnahmen geplant. Denn: „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“.

Zurück zum Bier: Mit minus 1,4 Prozent im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei der Ausstoß nahezu stabil auf Vorjahresniveau geblieben, „obwohl das erste Halbjahr 2021 von einer mehr als doppelt so langen Lockdown-Phase in Deutschland geprägt war als 2020.“ Bis Mai mussten Restaurants, Bars und Gaststätten in Deutschland geschlossen bleiben, ebenso fielen Großveranstaltungen, Feste und Events vollständig aus, wodurch das Gastronomiegeschäft zum Erliegen kam. „Insgesamt sieben Monate war die Gastronomie geschlossen, echt Wahnsinn“, sagt Christian Gieselmann. Aber er blickt nach vorn: „Die jüngsten Lockerungen haben bereits zu einer deutlichen Belebung unseres Geschäfts geführt. Zudem konnten wir zahlreiche Neugeschäfte im In- und Ausland generieren, weshalb wir zuversichtlich auf die Zeit nach der Corona-Krise blicken, vor allem wenn der Winter 2021/22 ohne eine vierte Welle überwunden werden kann.“

„Wichtigster Erfolgstreiber in einem global schwierigen Marktumfeld“, so die Brauerei, sei die „überaus positive Entwicklung in den Exportmärkten“ gewesen. Insgesamt habe die Warsteiner Brauerei hier um 28,9 Prozent zugelegt, wobei vor allem der Absatz in den Niederlanden, Italien, den USA und im UK überdurchschnittlich wuchs. Vor allem über das niederländische Plus freut sich Christian Gieselmann, denn es ist geknüpft an die positiven Ergebnisse des neuen Holland-Kastens, der in Warstein abgefüllt wird.

Dieser starke Export-Anstieg konnte einen Rückgang im Inland von 9,1 Prozent weitgehend kompensieren. Die Erklärung der Brauerei: „Zurückzuführen ist dieser Erfolg auf die ‘One Brand. One Message. One Campaign’-Strategie im Ausland, die Warsteiner als konsequente Verlängerung der deutschen Markenstrategie und -kommunikation in den Exportmärkten verfolgt.“

Auch die „Erfolgsstory der alkoholfreien Biere von Warsteiner“ setzte sich fort, so Gieselmann. Hier legte der Absatz im ersten Halbjahr um 18,3 Prozent zu, womit Warsteiner weiter Marktanteilsgewinne erreiche. Die Markteinführungen von Warsteiner Alkoholfrei 0,0 % und Warsteiner Grapefruit Alkoholfrei 0,0 % hätten maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen. Hier wird die blaue Etikettfarbe für Gieselmann zur Hoffnungsfarbe. Denn: „Perspektivisch kann das Alkoholfrei-Marktvolumen verdoppelt werden“, sagt er.

Auch die im vorigen Jahr eingeführte Bierspezialität Brewers Gold, die im Januar als beste Neuheit des Jahres 2020 in Getränke-Fachmedien ausgezeichnet wurde, habe sich nachhaltig am Markt etablieren können. Besonders freut sich der Vertriebschef über die zwölf Goldmedaillen der DLG, die Ausdruck des „Erfolges der Warsteiner Qualitätsphilosophie“ seien.

Gieselmann lobt das Engagement des gesamten Teams in der schwierigen Corona-Phase. Seit diesem Monat gibt es keine Kurzarbeit mehr. „Wir haben eine tolle Moral im Team, keiner hat den Kopf in den Sand gesteckt.“ Im Gegenteil: „Unser ganzes Team hat super gearbeitet.“ Man habe sogar viele Gastronomie-Objekte hinzu gewonnen. In der Region beispielsweise den Schlachthof oder das Extrablatt in Soest oder auch den „Wennemer Treff“ in Meschede. „Wir hoffen, dass wir die Wachstumsimpulse nun ausspielen können“, gibt sich Christian Gieselmann optimistisch. Und für 2022 rechnet das Unternehmen damit, dass endlich wieder Großveranstaltungen wie „Rock am Ring“ oder „Parookaville“ in Weeze laufen.

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