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Polizei-Einsatz an Warsteiner Brauerei: Fass-Diebe festgenommen - bereits mehrere große Fälle in diesem Jahr

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Von: Daniel Schröder

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Polizei-Einsatz an Warsteiner Brauerei: Fässer-Diebe gefasst
An der Warsteiner Brauerei nahm die Polizei zwei Tatverdächtige fest. © Daniel Schröder

Durch einen Zeugen-Hinweis konnten am Montagmorgen zwei mutmaßliche Bierfass-Diebe an der Warsteiner Brauerei festgenommen werden. Es gab bereits mehrere Fälle dieser Art in diesem Jahr in Warstein.

Warstein - Gegen 4.30 Uhr machte ein Zeuge am frühen Montagmorgen eine auffällige Entdeckung: Im Bereich "Im Waldpark", der Zufahrtstraße von der B55 zur Warsteiner Brauerei, sah er einen Ford Transit. Die Ladung: Bierfässer.

Der Zeuge wählte den Polizei-Notruf, schilderte seine Beobachtungen. Wenig später rückte ein Großaufgebot an Polizeifahrzeugen an. Die beiden Insassen des Transit sahen sich zur Flucht gezwungen, ließen ihr Fahrzeug - und auch die rund 200 Zehn-Liter-Stichfässer, die sie geladen hatten - zurück und versuchten, zu Fuß zu entkommen.

Pfand-Diebe an Warsteiner Brauerei auf Wiese gefasst

Sie spurteten über die B55 und wollten in der Feldflur oberhalb der Bundesstraße verschwinden. Doch auf einer eingezäunten Wiese im Bereich "Mescheder Schling" mussten sie aufgeben. Die Polizei nahm die beiden Verdächtigen fest und brachte sie zur Feststellung ihrer Identität und weiteren Ermittlungen zur Wache in Warstein.

Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich bei den Verdächtigen um einen 19 und einen 24-Jährigen aus Moldawien.

Polizei-Einsatz an Warsteiner Brauerei: Fässer-Diebe gefasst
Mehrere zurückgelassene Stichfässer wurden dort entdeckt, wo die Täter auf das Brauerei-Gelände gelangt sind. © Daniel Schröder

Den Kleintransporter mit dem Leergut stellten die Beamten sicher. Polizeisprecher Holger Rehbock bestätigte, dass die Fässer zuvor "nach ersten Erkenntnissen von einem nahe gelegenen Firmengelände" - der Warsteiner Brauerei - entwendet worden waren.

Pfand-Diebe suchten Schutz im dunklen Wald

Informationen unserer Redaktion zufolge hatten sich die mutmaßlichen Täter im Schutze des dunklen Waldes in der Nacht ans Werk gemacht. Dabei ließen sie einen rund zwei Meter hohen Maschendrahtzaun am östlichen Rande des Brauerei-Geländes, dort wo die Gleise des Schienengüterverkehrs beginnen, hinter sich.

Polizei-Einsatz an Warsteiner Brauerei: Fässer-Diebe gefasst
Die Kriminalpolizei untersuchte den Tatort. © Daniel Schröder

Im Visier der Bande: Zehn-Liter-Stichfässer der Warsteiner-Marke Frankenheim Alt - Pfandpreis: 25 Euro. Rund 200 Fässer luden sie auf ihren Transporter, ein Dutzend zurückgelassene Fässer und platt-getretenes Gestrüpp am Fuße des Zaunes markierten auch am späteren Morgen noch den Tatort, der von der Kriminalpolizei untersucht wurde.

Warsteiner Brauerei nach Pfanddiebstahl: "Sind der Polizei sehr dankbar"

Sollte sich der Verdacht gegen die Festgenommenen erhärten, müssen sie sich wegen des Tatvorwurfs des Pfanddiebstahls verantworten, erklärte Polizeisprecher Holger Rehbock.

Polizei-Einsatz an Warsteiner Brauerei: Fässer-Diebe gefasst
Die Polizei hat die beiden Männer zur Feststellung ihrer Identität mit zur Wache in Warstein genommen. © Daniel Schröder

Sinje Vogelsang, Unternehmenssprecherin der Warsteiner Brauerei, betonte: "Wir sind der Polizei für ihre schnelle und erfolgreiche Arbeit sehr dankbar."

Schon im April schlugen Fass-Diebe bei der Warsteiner Brauerei zu

Zwei ähnliche Fälle in deutlich größerer Dimension trugen sich in Warstein an Ostern zu, wie die Staatsanwaltschaft Arnsberg jetzt auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte.

Demnach hatten die Ermittler im April einen Hinweis ihrer Kollegen aus Bayern erhalten, nachdem auch dort Fässer von mehreren Brauereien entwendet worden waren.

Fass-Diebstähle bei Warsteiner: Hinweis aus Bayern führte zum Zugriff

Im Zusammenhang mit den Taten in Bayern waren mehrere Personen ins Visier der Behörden geraten. Durch "überwachende Maßnahmen", so Staatsanwalt Thomas Schmelzer, kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass die Bierfass-Diebe auch in Warstein zuschlagen könnten.

Die Vermutungen sollten sich bewahrheiten: Am 10. April wurden erstmals Bierfässer vom Gelände der Warsteiner Brauerei entwendet. Diese Tat blieb zwar zunächst unbeobachtet, doch durch Observierungsmaßnahmen konnte den Tätern kurze Zeit später das Handwerk gelegt werden.

Polizisten liegen auf Dach und beobachten Täter

Zwei Nächte später, am Ostersonntag, gingen sie wieder auf Fässer-Jagd im Waldpark. Noch während sie die Fässer, die im nordwestlichen Teil des Firmengrundstücks standen, vom Brauerei-Gelände auf einen bereitstehenden 7,5 Tonner luden, wurden sie von den Beamten beobachtet.

"Polizisten eines Spezialkommandos lagen auf dem Dach und planten den Zugriff", berichtete ein Augenzeuge im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist sich sicher: "Das waren Profis, die die Tat von langer Hand geplant hatten." Unter anderem sei ein Schloss, das ein Tor zum Gelände sicherte, manipuliert worden.

Bierfässer sollten auf größeren Lkw geladen werden

"Unmittelbar nach der Tatausführung", so Staatsanwalt Thomas Schmelzer, wurden die Tatverdächtigen festgenommen. Zuvor waren die Ermittler ihnen bis zu einer Autobahnauffahrt in der Nähe gefolgt. "Dort stand ein größerer Lkw bereit, auf den die Fässer umgeladen werden sollten", erklärte der Staatsanwalt.

Der Lkw-Fahrer selbst habe nichts vom Plan der vier Fass-Diebe gewusst. "Über ein europäisches Portal wurde der Fahrer gebucht, um die Fuhre in die Ukraine zu erledigen. Vor Ort wunderte er sich, dass er leere Bierfässer transportieren sollte", berichtete Schmelzer.

Tatverdächtige aus der Ukraine in U-Haft

Doch zum Transport kam es erst gar nicht - Zugriff! Die zwischen 26 und 29 Jahre alten Tatverdächtigen aus der Ukraine wurden festgenommen. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

1700 Fässer allein von der Warsteiner Brauerei

Allein bei der Warsteiner Brauerei erbeuteten sie mindestens 1700 Bierfässer. Die genaue Anzahl konnte nicht abschließend geklärt werden, da der Fehlbestand bei der Brauerei noch über den 1700 sichergestellten Fässern gelegen habe.

Sollte Billig-Bier in die Fässer gefüllt werden?

Unklar sei bislang auch, was die Diebe mit den Fässern vor hatten: "Sicher ist nur, dass sie in die Ukraine verbracht werden sollten", sagte der Staatsanwalt. Es seien verschiedene Szenarios denkbar: Entweder sie wollten sich am reinen Schrottwert bereichern oder aber, sie hatten geplant, die leeren Fässer mit ukrainischem Billig-Bier zu füllen und als "Warsteiner" zu verkaufen.

Ob es zwischen den Fällen von April und Juli einen Zusammenhang gibt, müssen nun die Ermittlungen ergeben. Dass es sich um bandenmäßigen Diebstahl handelt, ist klar. "Bei den Fällen aus dem April konnten Kommunikationsverbindungen der Tatverdächtigen mit Hintermännern aufgezeichnet werden", erklärte Staatsanwalt Schmelzer.

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