Sie stürzte eine Böschung hinab, ihr Handy-Akku war fast leer..

Große Such-Aktion nach schwerem Unfall im Wald: Feuerwehr rettet junge Frau vor dem Kältetod

Warstein-Hirschberg - Schwer verletzt im Wald: Feuerwehr rettet junge Frau vor Kältetod
+
Die junge Frau war im Wald die Böschung hinuntergestürzt. Mit den letzten Prozenten ihres Handy-Akkus konnte sie Hilfe rufen.

Einen Unfall im Wald zwischen Hirschberg und Warstein hätte eine junge Frau am Dienstagabend beinahe mit dem Leben bezahlt. Doch die letzten Prozente ihres Handy-Akkus und eine simple aber effektive Such-Taktik der Feuerwehr retteten sie vor dem Kältetod.

Hirschberg - Die etwa 25-Jährige verunglückte am Dienstag im süd-östlich von Hirschberg gelegenen Wald, etwas mehr als einen Kilometer vom ehemaligen Waldfreibad entfernt. Sie stürzte einen rund zehn Meter tiefen Abhang hinunter, brach sich dabei ein Bein und prallte mit dem Rücken gegen einen Baumstumpf.

Mit schweren Verletzungen blieb sie liegen, behielt jedoch ihr Bewusstsein. Dann der erste von mehreren glücklichen Umständen, die ihr am Ende das Leben retteten: Der Handy-Akku hatte noch wenige Rest-Prozente. So konnte sie den Notruf wählen. Doch auch dabei hatte sie Glück. Denn rund um die Unfallstelle gibt es nur an wenigen Flecken Handyempfang. Sie lag an genau so einem Fleck.

An der abgelegenen Unfallstelle im Wald hätte die Frau ohne den Notruf wohl vergeblich auf Hilfe gehofft.

So meldete sich am anderen Ende der Leitung ein Mitarbeiter der Rettungsleitstelle in Soest, der jedoch nur vage Ortsangaben von der desorientierten Frau erfragen konnte. So rief er Donat Ahle, den Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Warstein, zu Hilfe. 

Unfall im Wald: Notruf-Verbindung reißt immer wieder ab

"Ich fuhr grob in die Richtung, in der sich die Unfallstelle anhand der Ortsangaben möglicherweise hätte befinden können", erklärte Ahle. Dabei blieb er per Funk mit der Leitstelle verbunden, die wiederum weiterhin telefonisch mit der Verletzten in Kontakt stand, obwohl die Verbindung wegen des schlechten Netzes immer wieder abriss. 

Einsatz in unwegsamen Gelände für die Rettungskräfte.

Der schlechten Verbindung war es auch geschuldet, dass das Handy der Frau nicht von der Leitstelle geortet werden konnte, berichtete Donat Ahle, der mittlerweile einen sehr ortskundigen Kameraden der Löschgruppe Hirschberg auf dem Beifahrersitz seines Kommandowagens an Bord hatte.

Unfall im Wald: Feuerwehr sucht Verletzte mit effektiver Such-Taktik

"Zusammen haben wir uns näher und näher an die Unfallstelle herangetastet", beschrieb Ahle. Dabei kam eine simple, aber effektive Such-Taktik zum Einsatz: Das Martinshorn des Feuerwehrwagens war durchgängig eingeschaltet. Irgendwann sagte die Frau dem Leitstellen-Mitarbeiter, dass sie den Signalton höre. 

In der Dunkelheit suchten auch die Kräfte der Löschgruppe Hirschberg nach der Frau.

Jetzt, wo abgeschätzt werden konnte, dass die Unfallstelle sich tatsächlich im Wald bei Hirschberg befand, wurde auch die Löschgruppe Hirschberg der Feuerwehr Warstein zur Unterstützung alarmiert.

Suche nach verletzter Frau: "Wir hörten ein Wimmern und fanden sie"

Immer weiter "tasteten" sich derweil die beiden Feuerwehrleute im geländetauglichen Kommandowagen durch den Wald: "Wir kamen immer näher, dann sagte die Frau, dass sie das Martinshorn nun lauter höre. Wir hielten an, riefen nach ihr und hörten ein Wimmern. Wir fuhren wieder ein Stückchen weiter, leuchteten und fanden sie."

Am Fuße der Böschung wurde die Verletzte von den Rettungskräften erstversorgt.

Unterhalb des Waldweges lag sie, noch bei vollem Bewusstsein, in dünner Sportkleidung am Fuße der Böschung. Sofort galt es, den Körper der Verletzten mit einer Decke aus dem Rettungsrucksack zu wärmen. Kurze Zeit später traf das erste Einsatzfahrzeug der Löschgruppe Hirschberg ein. Mit 2000-Watt-Scheinwerfern sorgten die Feuerwehrleute dafür, dass die junge Frau nicht weiter frieren musste.

Verletzte hat Glück im Unglück: Die Nacht hätte sie alleine nicht überlebt

"Sie wusste selber nicht, wie lange sie dort schon lag", berichtete Donat Ahle. Zwar seien ihre Verletzungen an sich nicht lebensbedrohlich gewesen. Doch hätte sie nicht rechtzeitig Hilfe rufen können, hätte sie die Nacht alleine nicht überlebt. "Sie wäre erfroren", betonte Ahle.

Der Unfall ereignete sich rund einen Kilometer vom ehemaligen Waldfreibad entfernt.

Da Wirbelsäulen-Verletzungen durch den schweren Sturz vor Ort nicht ausgeschlossen werden konnten, entschied der Notarzt, dass die Frau schonend und ohne weitere Belastungen der Wirbelsäule aus der Böschung gerettet werden musste. Deshalb rückte der Löschzug Warstein mit dem Rüstwagen und speziellem Material zur Unterstützung an.

Fußballfeld wird zum Landeplatz für Rettungshubschrauber

Im Rettungswagen wurde die Schwerverletzte zum Hirschberger Sportplatz gebracht, wo mittlerweile die 1. Mannschaft des Hirschberger SV ihr Training unterbrochen hatte. Aus dem Spielfeld war zwischenzeitlich ein Landeplatz für den nachtflugtauglichen Rettungshubschrauber "Christoph Westfalen" aus Greven bei Münster geworden.

Der Rettungshubschrauber "Christoph Westfalen" landete auf dem Hirschberger Sportplatz und flog die Frau ins Bochumer Bergmannsheil.

Der Hubschrauber flog die Frau zur weiteren Behandlung in die Bochumer Klinik Bergmannsheil, die unter anderem auf die Unfallchirurgie spezialisiert ist.

Die Umstände, wie es zu dem Unfall mitten im Wald kam, blieben bislang ungeklärt.

Lesen Sie auch: Erst in der Nacht von Montag auf Dienstag hatte es eine große Personensuche mit Hunden und einem Hubschrauber in Soest gegeben. Der Vermisste wurde am Morgen an einem ungewöhnlichen Ort gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare