Unbürokratisch und schnell

Hilfe aus Warstein in Katastrophen-Gebiet: Drehleiter geht nun im Kreis Ahrweiler in den Einsatz

Vier Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde Brohltal machten sich am Freitagmorgen auf den Weg nach Warstein, um die alte Drehleiter abzuholen.
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Vier Feuerwehrleute aus der Verbandsgemeinde Brohltal machten sich am Freitagmorgen auf den Weg nach Warstein, um die Drehleiter abzuholen.

Durch die Unwetter-Katastrophe wurde auch der Landkreis Ahrweiler hart getroffen. Durch Überflutungen kamen Menschen ums Leben. Infrastrukturen wurden zerstört. Auch die Feuerwehren selbst waren und sind betroffen. Aus Warstein gab es jetzt eine besondere Form der Hilfe.

Warstein/Ahrweiler - Mit überörtlicher Hilfe kennt sich die Feuerwehr Warstein aus. Zusammen mit vielen anderen Feuerwehren aus dem Kreis Soest half sie im Laufe der vergangenen Woche in verschiedenen Katastrophen-Gebieten.

Besonders hart von den Überflutungen durch Starkregenfälle betroffen war unter anderem der Landkreis Ahrweiler. Durch die Katastrophen-Lage wurden auch die Infrastrukturen vieler der dortigen Feuerwehren stark beschädigt, sodass sie schlichtweg nicht mehr einsatzbereit waren. Gerätehäuser und Fahrzeuge - vielerorts zerstört.

Drehleiter aus Warstein geht im Kreis Ahrweiler in den Einsatz: Ein Hilferuf brachte den Stein ins Rollen

Am Mittwochabend sah Donat Ahle, Leiter der Feuerwehr Warstein, einen Hilferuf auf Facebook. „In dem Hilferuf wurde deutlich, dass die Feuerwehren direkt betroffen sind und vor allem Geräte brauchen, um den Grundschutz wiederherzustellen“, schilderte Ahle.

Sofort überlegte er: „Welche Geräte stehen zur Verfügung? Was können wir anbieten?“ Er nahm Kontakt auf, tauschte sich telefonisch mit einem Feuerwehrkameraden aus dem Katastrophengebiet aus und plötzlich kam ein Hilfsangebot zustande, mit dem vorher niemand gerechnet hätte: „Ich habe dem Kameraden gesagt: Ich könnte dir auch noch eine Drehleiter anbieten.“

Drehleiter aus Warstein geht im Kreis Ahrweiler in den Einsatz: „Innerhalb weniger Minuten war die Sache geklärt“

Gemeint war damit die alte Drehleiter der Feuerwehr Warstein, die in Belecke stationiert ist und im Mai von ihrer „Nachfolgerin“ abgelöst worden war. Eigentlich sollte die 25 Jahre alte Drehleiter bald über den Zoll versteigert werden. Doch nun geht sie erneut in den Einsatzdienst - im Kreis Ahrweiler.

„Nach dem telefonischen Angebot kam am Donnerstagmorgen die Bitte nach Fotos und Daten. Die lagen wegen der geplanten Auktion sowieso schon vor. Kurze Zeit später kam der Anruf, dass man das Angebot gerne annehmen würde. Innerhalb weniger Minuten war die Sache mit der Stadtverwaltung geklärt und es gab grünes Licht“, berichtete Donat Ahle.

Voller Dankbarkeit nahmen die Feuerwehrmänner aus Brohltal am Freitag ihre „neue“ Drehleiter in Empfang.

Am Freitagmorgen nahm Donat Ahle vier Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Brohltal (Kreis Ahrweiler) zusammen mit seinem Stellvertreter Harald Borghoff, Gerätewart Carsten Schannath, Ordnungsamtsleiterin Roswitha Wrede und Josef Pieper, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, am Gerätehaus in Belecke in Empfang.

Kräfte aus dem Kreis Ahrweiler berichten: „Die Sachen sind einfach weg und man weiß nicht, wo sie sind“

Die vier Feuerwehrleute aus dem Katastrophengebiet schilderten eindrucksvoll, was in ihrer Heimat los ist: „Hochwasser kennt man, wenn man an der Ahr lebt. Aber das, was da passiert ist, das hätten wir uns im Vorfeld niemals vorstellen können.“ Fünf Schulen seien beispielsweise einfach weggeschwemmt worden. Ebenso Feuerwehrgerätehäuser und Fahrzeuge: „Die Sachen sind einfach weg und man weiß nicht einmal, wo sie sind.“ Allein an der Ahr seien 40.000 Menschen betroffen. „Das ist eine große Einsatzstelle, die sich über 70 Kilometer zieht. Es gibt Abschnitte, in die man gar nicht kommt, weil die Straßen dorthin einfach verschwunden sind.“

Josef Pieper erklärte, dass man sich die derartige Situation als Außenstehender wohl nur schwer vorstellen könne. „Wenn es bei uns mal Hochwasser gab, war in der Regel lediglich von gefluteten Kellern die Rede. Auch, dass in der Bücherei in Belecke mal die Bücher nass geworden sind, kam vor.“ Einer der Feuerwehrleute aus Rheinland-Pfalz schilderte: „Bei uns wurden Bücher in Obergeschossen nass.“ Er berichtete von einem „zwei Meter hohen, reißenden Strom, der durch die Städte floss“.

„Feuerwehren halten auch über die Landesgrenzen hinaus zusammen“ - das wurde am Freitag einmal mehr deutlich.

Ergreifend war am Freitagmorgen die Dankbarkeit, mit der die Feuerwehrleute auf die Hilfe aus Warstein reagierten: „Die Hilfe wird wirklich gebraucht. Wir sind sehr, sehr dankbar darüber, was hier geleistet wird von den Feuerwehren aus eurer Ecke. Heutzutage ist nichts mehr selbstverständlich - umso schöner ist es, dass es wieder einmal beweist, dass die Feuerwehr auch über Landesgrenzen hinweg zusammenhält.“ Roswitha Wrede unterstrich: „Es ist schön, wenn man helfen kann. Das macht die Feuerwehr aus.“

Drehleiter aus Warstein geht im Kreis Ahrweiler in den Einsatz: Auch Material kommt mit

Die Einsatzkräfte bekamen am Freitag nicht nur die Drehleiter als reines Fahrzeug übergeben. „Alles, was bei uns an abgeschriebenen Material zur Verfügung stand - was nicht mehr der Stand der Technik von heute ist, aber auch nicht weggeschmissen wird - Strahlrohre, eine Pumpe und weitere Dinge, wurden auf dem Fahrzeug verlastet“, berichtete der Warsteiner Feuerwehr-Gerätewart Carsten Schannath.

Nach dem eindrucksvollen Gespräch voller Dankbarkeit vor dem Gerätehaus bekamen die Brohltaler Feuerwehrmänner eine Einweisung auf ihre „neue“ Drehleiter: Erst einmal sei die Drehleiter nun „leihweise“ im Kreis Ahrweiler stationiert, erklärte Josef Pieper. Donat Ahle betonte: „Alles Weitere wird später in Ruhe von Verwaltung zu Verwaltung geregelt. Wichtig ist, dass der Grundschutz vollkommen unbürokratisch für die Kameraden sichergestellt ist, denn man muss beachten: Das ‚Feuerwehr-Tagesgeschäft‘ mit Einsätzen abseits des Katastrophen-Einsatzes geht ja genauso weiter wie bisher.“

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