Pflege mit Tanzen, Reden und Bauchgefühl

WARSTEIN ▪ Im Festsaal der Westfälischen Kliniken ging gestern die Post ab. Am „Tag der Pflege“ stand „BodyTalk“ auf der Tagesordnung, und so bewegten sich 120 Teilnehmer wie schwebende Blätter im Herbstwind, schüttelten sich im Rhythmus der Musik und ließen für einen kurzen aber aufrüttelnden Moment einzig ihre Körper sprechen.

„Die Sprache der Pflege – die sprechende Pflege“ war das übergeordnete Thema der 24. Fachtagung, zu der Organisatorin Monika Stich wieder einmal Experten aus dem gesamten Bundesgebiet aufgeboten hatte.

Dass Rumba, Samba, Hip Hop und Zumba einen wertvollen Beitrag zur besseren Kommunikation leisten können, vermittelten die Tanzlehrer Georg Stallnig und Stefan Kleinstück aus Köln auf geradezu mitreißende Art. „Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz“, wie es die Mitmach-Aktivisten in ihrer eigenen Schule praktizieren, aktiviert die innere Körperweisheit: „Aber das kann man nicht mitteilen, das muss man erleben“.

„Es ist ja nicht unser Job, den ganzen Tag auf den vier Buchstaben zu sitzen“, sprach Monika Stich die vielen Bewegungsabläufe im Pflegealltag an. Dabei, so der niederländische Pflegewissenschaftler Nico Oud, sollte einem besonderen Köperteil stets große Aufmerksamkeit gewidmet werden. „Das Schöne an einem Bauch ist, dass man auf ihn hören kann.“ Nach vielen Jahren in Pflegeberufen seien die Anwesenden, ob Wissenschaftler oder nicht, auf jeden Fall hochkompetente Experten in Sachen Bauchgefühl „und das ist auch gut so!“! An den neuen Pflegedirektor der LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein, Magnus Eggers, richtete er den Appell, die Pflegenden mehr zu unterstützen, als zu kontrollieren. Der Angesprochene applaudierte zustimmend.

In seiner Begrüßungsansprache hatte er bereits versprochen, die Tradition des Pflegetages aufrecht zu erhalten, „jetzt, wo ich meine Probezeit bestanden habe“. LWL-Referatsleiter Klaus Stahl erzählte aus der Erinnerung eine Geschichte über Pflege, wie sie nicht sein sollte: schweigend. Sein Erlebnis mit vier muskulösen Polizisten, die im Verein mit Pflegepersonal und Medizinern einen Patienten fixieren mussten und dabei kein Wort verloren“, ging den Anwesenden nah. Stahl: „Das lief ohne Sprache ab, dazu sage ich jetzt mal nichts.“

Mit Gewalt, besser gesagt Gewaltfreier Kommunikation (GfK) beschäftigte sich auch der Kommunikationswissenschaftler Niv Nowbakht aus Berlin. Unter dem Motto „Erst zuhören – dann doch nicht anschreien“, hielt er ein flammendes Plädoyer für die einfühlsame Art des miteinander Redens. Vor den Workshops am Nachmittag ging es unter anderem mit Kathrin S. Trump, um die Vielfalt in der Kommunikaten (Diversity). Die Diplom-Kulturwirtin ist Gründerin des Instituts für Diversity Management in Schwabach.

Am Ende stand dann noch einmal die bewegte und bewegende Sprache der Sprachlosen im Mittelpunkt: Das Tanzen. Dabei, dass durften die Teilnehmer im Selbstversuch nachvollziehen, lassen sich im Ganzheitssystem Mensch Fehlschaltungen ausbalancieren, die Energie kann wieder ungehindert fließen, und Wohlbefinden stellt sich wie von selbst ein.

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