Von Feen, Rehen und Luchsen

Waldkindergarten seit fast einem Jahr im Bilsteintal in Warstein

Die 25 Kinder fühlen sich mit ihren Erzieherinnen im Wald pudelwohl.
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Die Kinder fühlen sich mit ihren Erzieherinnen im Wald pudelwohl.

Vor einem Jahr eröffnete der Waldkindergarten im Bilsteintal. Erst nur mit Jungen, das erste Mädchen kam im September. Mittlerweile gibt es nicht nur mehr Kinder, sondern auch eine neue Erzieherin: Mit Nicola Wälter ist das Team nun schon zu viert – und gerade mit Praktikantin Lara Stallmeister sogar zu fünft.

Warstein – „25, 26, 27, 28“ Bettina Grawes Arm wird ganz schön schwer, während sie zählt. „Mach schneller“, fordert Joshuar ungeduldig. „Joshi ist Rekordhalter“, erklärt die Erzieherin und schwingt das Seil rauf und runter. Ein Ende ist am Baum befestigt, eins hat sie in der Hand und die Schlange an Kindern wartet schon darauf, endlich wieder springen zu können. Aber Joshi hüpft und hüpft – und schafft am Ende 73 Sprünge. „Wow“, sagt Bettina Grawe. „20 mehr als beim letzten Mal.“

Lauter Kinder wuseln hier oben im Bilsteintal in der Nähe der Füchse und des Rotwilds durch den Wald. Sie üben sich als Seilspringer, balancieren über Stämme und Wackelbretter, plappern munter durcheinander und haben jede Menge Spaß – und das, obwohl es Bindfäden regnet. „Den Kindern macht das fast nichts aus“, sagt Leiterin Yvonne Bort und lacht. „Das ist ja warmer Regen“, ergänzt ihre Kollegin Magdalena Kotzur. „Kalter Regen ist schlimm.“ Denn den haben die 25 Waldkindergartenkinder auch schon erlebt: warmen Regen, kalten Regen, Sturm, wochenlangen Schnee und richtige Hitze. All das kommt in einem Jahr zusammen – so lange gibt’s den Waldkindergarten nämlich schon fast.

Letztes Jahr im August sind die ersten Jungs in den Waldkindergarten gekommen. Das erste Mädchen kam im September, mittlerweile sind es fast genauso viele Mädchen wie Jungs, die hier täglich durchs Bilsteintal tollen. Und: Mittlerweile gibt es nicht nur mehr Kinder, sondern auch eine neue Erzieherin: Mit Nicola Wälter ist das Team nun schon zu viert – und gerade mit Praktikantin Lara Stallmeister sogar zu fünft. Das ist auch wichtig, denn auch nach den Sommerferien, wenn die ersten vier Kinder schon in die Schule gehen, ist die Gruppe wieder voll. „Das war schon spannend mit den Anmeldungen“, sagt Yvonne Bort. „Erst hatten wir noch Plätze frei, aber dann, rumsbums, war alles voll.“

Auch wenn die Schulkinder im August nicht mehr in den Waldkindergarten gehen, verewigt haben sie sich im Bilsteintal: Hier oben beim „Sonnenplatz“, direkt am Rotwild-Gehege, stehen vier kleine Bäumchen, die die „Luchse“ – so heißen die Vorschulkinder – bei ihren Luchstreffen gesät, zu Hause zusammen mit den Eltern gehegt und gepflegt und schließlich bei ihrem Abschiedsfest eingepflanzt haben. Zusammen mit Bettina Grawe haben sie überlegt, was so ein Bäumchen zum Großwerden braucht und entdeckt, wie es sich vom Keimling zum Setzling entwickelt.

Ein Waldkindergarten und Naturverbundenheit gehören aber sowieso zusammen, das ist ja klar. Und dazu kommt noch eine Menge Kreativität, weiß Yvonne Bort: „Die Kinder sind total zufrieden“, erzählt sie. „Die sind so gut angekommen, spielen so frei, haben immer gute Ideen und langweilen sich nie.“ Neulich zum Beispiel haben sie einen Feen- und Zwergengarten gebaut. Drei Tage lang haben sie mit Hammer und Nagel Tipis, Betten und Schilder angefertigt, unten an ihrer kleinen Hütte an der Waldwirtschaft weitergeplant, Packlisten gemacht, von zu Hause Schleichtiere mitgebracht und waren tagelang Feuer und Flamme.

Selbst der Corona-Lockdown ist im Waldkindergarten übrigens kürzer ausgefallen: Im Januar und Anfang Februar kamen zwar nur zwei bis drei Kinder zur Notbetreuung, im Laufe des Februars kamen dann aber alle Kinder wieder und Mitte April startete auch schon der Regelbetrieb – also bevor er in den übrigen Kitas begann. „Wir sind ja eh nur eingruppig und immer draußen und von den Ansteckungen und vom Personalschlüssel passte das“, erklärt Yvonne Bort.

Also konnten alle Kinder die Schneemassen nutzen und sooooo viel Schlitten fahren. „Wir haben extra Poporutscher gekauft, mit denen die Kinder die Berge runterrodeln konnten“, sagt Yvonne Bort und lacht. Zwischendurch haben sie sich zwar immer wieder aufgewärmt, sind dann aber wieder raus in den Schnee und haben Schneemänner gebaut. „Das war schön“, sagt sie. Genauso schön war es aber auch, an den heißen Tagen die Füße ins Wasser am Wildschweingehege zu stecken und dort zu spielen, findet sie.

Und jetzt? Jetzt ist das Wetter zwar nicht ganz so schön, hier scheint es aber niemandem etwas auszumachen. Mit Gummistiefeln, Matschhosen und Regenjacken trotzen die Mädchen und Jungs dem Wetter und Yvonne Bort betont: „Ich glaube, wir haben den besten Job der Welt – auch wenn’s regnet.“

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