Vortrag im Museum "Haus Kupferhammer"

"Mythos Alte Kirche" hält sich seit Jahrhunderten

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Warstein - Im Museum Haus Kupferhammer referierte Warsteins Ortsvorsteher über den Mythos "Alte Kirche". 

Dietmar Lange hat ein besticktes Sofakissen geerbt. Es zeigt die Alte Kirche in ihrer ganzen Pracht. „Ich finde es schön, aber ich nehme es nicht mit ins Bett“, verriet er den vielen Zuhörern, die auf Einladung der Kupferhammer-Freunde in die „gute Stube“ der Stadt gekommen waren.

Das kuschelige Prachtstück war nur eines der vielen Demonstrationsobjekte, die der Ortsvorsteher zur Untermalung seines Vortrages „Mythos Alte Kirche – Wahrzeichen, Lieblingsort, Sehnsuchtsort unserer Stadt“ vorweisen konnte.

„Heute wollen wir mit dir auf den Stadtberg klettern“, kündigte Bernhard Enste zum Auftakt der Matinee an. 

Dass die Exkursion mit der Gründung der mittelalterlichen Stadt auf dem Stadtberg gegen Ende des 13. Jahrhunderts begann, liegt auf der Hand, wenn ein so leidenschaftlicher Historiker wie Dietmar Lange das Wort ergreift. 

In Hochstimmung hatten ihn im Vorfeld gleich drei Ereignisse versetzt: „Gestern Abend Karneval gefeiert, heute Morgen schon Orgel gespielt und jetzt über die Alte Kirche sprechen – was mag dieser Tag noch so alles bringen?“ 

Für die Anwesenden brachte er einem ebenso liebevollen wie historisch fundierten Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, gespickt mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen an Warsteiner Originale und natürlich mit den Geschichten, die den „Mythos Alte Kirche“ über die Jahrhunderte hinweg am Leben gehalten haben. 

Die Fragen, ob wirklich ein geheimer Gang zwischen Zehnthof und dem Gotteshaus existiert, ob tatsächlich Blut an der Turmglocke klebt oder ob der Bürgermeister des Jahres 1646 auf der Flucht vor den feindlichen Schweden aus dem Fenster gesprungen ist, konnten nicht eindeutig beantwortet werden. „Das steht nirgendwo geschrieben“, stellte Lange fest. 

So ist es nun einmal mit den Mythen: Sie erheben Anspruch auf die Wahrheit, lassen sich nicht beweisen und werden, vielleicht aus eben diesem Grund, von Generation zu Generation weiter gegeben. 

Fasziniert vom sagenumwobenen Hintergrund der Alten Kirche war Dietmar Lange schon als Kind. Gern erinnert er sich an die Zeit, in der seine Mutter zu Dreifaltigkeit sagte: „Geht mal rüber in die Kirche und wascht die Engel für die Prozession.“ Wie er als kleiner Junge die Putten in den Wäschetrog gesteckt hat kann er nicht vergessen. 

Doch noch beeindruckter muss er als Jugendlicher gewesen sein, als er die Renovierungsarbeiten 1986/87 hautnah verfolgen und sogar Hand anlegen durfte. 

Auf der Suche nach dem geheimnisvollen Gang zum Kloster Grafschaft stieß er, gemeinsam mit Hubert Göke und einigen Bauarbeitern, auf eine Grabplatte aus dem Jahr 1722. Darunter fanden sie lediglich grüne Stoffreste aus dem Ornat des Pfarrers und eine kleine grüne Flasche, in der ein beschriftetes Zettelchen verborgen war. Die Verfasser, Franz Risse und Josef Nolte, hatten darauf das Datum der Renovierung (1883) festgehalten und eine Bitte geäußert: „Die es als Erste finden werden gebeten unser im Gebet zu gedenken.“ Natürlich, so Lange habe man dann ein Vaterunser für die Altvorderen gesprochen.

Unter den „Ansichtskarten“, Zeichnungen und romantischen Bildern vom „Sehnsuchtsort“ der „echten Wösken“ befanden sich auch Fotos aus neuerer Zeit. So staunten die Anwesenden nicht schlecht, als sie Bürgermeister Dr. Thomas Schöne auf einem 1990 aufgenommenen Gruppenbild der CV-Studentenverbindung erkannten. 

Vor der Alten Kirche wurden zu allen Zeiten Erinnerungsfotos aufgenommen. Sie prangt auf den Wahrzeichen, Fahnen und Logos kirchlicher und weltlicher Verbände, wird in unzähligen Gedichten gepriesen und in Liedern besungen. 

Wen wundert es, dass Dietmar Lange seine Redezeit überziehen musste. Seine Zuhörer genossen die Verlängerung bis zur letzten Sekunde und durften sich am Ende dann noch einmal der von Burkhard Ochel und Detlef Holzhauer besungenen Liebe zur Heimat hingeben.

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