Die Ortschaften der Stadt Warstein: Hirschberg

Von Stillstand keine Rede: Viele positive Veränderungen in Hirschberg auf dem Weg

Postkartenidylle hat der Hirschberger Winter regelmäßig zu bieten. Seit April 2019 ist Stefan Toschinski Ortsvorsteher der Bergstadt.
+
Postkartenidylle hat der Hirschberger Winter regelmäßig zu bieten. Seit April 2019 ist Stefan Toschinski Ortsvorsteher der Bergstadt.

Stefan Toschinski ist seit April 2019 Ortsvorsteher von Hirschberg. Der 43-jährige IT-Leiter bei der Belecker Power Solution ist verheiratet, Vater zweier Kinder und wohnt im Stadtgraben. Sein erstes komplettes Ortsvorsteher-Jahr stand 2020 ganz unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie.

Hirschberg - Es war schon ein außergewöhnlicher Start ins neue Jahr. Der Neujahrsempfang der Stadt Warstein läutete im Januar das noch unschuldige Jahr 2020 ein – und dieses Ereignis fand zur Freude von Stefan Toschinski in „seinem“ Hirschberg statt. Die Stadt Warstein wurde bei dieser Veranstaltung zur „Wald-Hauptstadt“ gekürt und kurz danach fiel auch der Startschuss für eine außergewöhnliche Bürgeraktion, nämlich der Pflanzung von 1166 Bäumen im neuen Bürgerwald am Lottmannshardberg: Besser hätte das Jahr für Hirschberg eigentlich kaum beginnen können. Wäre dann nicht, ja wäre dann nicht die Corona-Pandemie ausgebrochen...

Stefan Toschinski musste in seinem ersten kompletten Jahr als Ortsvorsteher das erleben, was gerade für einen Ort wie Hirschberg bitter ist: Das Vereinsleben kam zum Erliegen. „Nahezu alle Veranstaltungen und Termine wurde abgesagt,“ erinnerte er sich. Die Schlagworte der Stunde waren nun „Home-Schooling“ und „Home-Office“, „Lockdown“, „Abstand halten“. Wie überall. Aber es entstand vor Ort auch etwas Neues: Solidarität war das Gebot der Stunde. „Personen, die zu den Risikogruppen gehörten, erfuhren Hilfe durch Familie oder Nachbarn“, freut sich der Ortsvorsteher im Rückblick. „Die Abholangebote der heimischen Gastronomie wurden intensiv genutzt: ‘Support your local’ – ‘Unterstütze die lokale Wirtschaft’ war in aller Munde“. Was sonst Veranstaltungen, Feste und Projekte im ganzen Jahr schaffen, wurde unter dem Corona-Zwang durch ganz neue Aktivitäten auf den Weg gebracht.

Trotzdem war es ihm schwer ums Herz: Kein Schützenfest. Kein Feuerwehrfest. Und selbst der Romantische Weihnachtsmarkt musste abgesagt werden.

Damit nicht genug. Das Problem der Waldschäden wurde 2020 für Hirschberg immer gravierender. Erst recht, weil sein Ort „vom Wald umzingelt ist“, so der Ortsvorsteher. Er stellt fest: „Die extrem trockenen Sommer der letzten Jahre haben zu einer Borkenkäferplage geführt, deren Schäden nun mehr und mehr sichtbar werden. Ganze Waldzüge verfärben sich braun, großflächige Abholzungen führen zu unwirklichen mit Totholz überzogenen Kahlflächen.“

Damit bleibt nicht aus, dass im Wald intensiv gearbeitet wird. Und die Spuren des Abtransportes der Bäume sind an vielen Stellen sichtbar: „Feld- und Wanderwege sind verdreckt, in Mitleidenschaft gezogen oder zeitweise gesperrt“, so Stefan Toschinski. Er appelliert an seine Mitbürger, hier Geduld und Einsicht zu üben. Eine sofortige Behebung sei leider oft nicht möglich.

Insgesamt seien es „große Herausforderungen, die der Forstwirtschaft hier gestellt werden“. Die Pflanzaktion sei zwar nur „ein Tropfen auf den heißen Stein zur Wiederaufforstung unserer Wälder“, aber sie würden ein positives Zeichen für die Zukunft des Waldes und das für das bürgerschaftliche Engagement bei dieser großen Gemeinschaftsaufgabe geben.

Dabei war das Pflanzen des Bürgerwaldes am Lottmannshardberg nur das Eine. Erneut war der Sommer 2020 sehr warm. Die frisch gepflanzten Bäume mussten gewässert werden. Dank Wassertanks und Gießkannen vor Ort entwickelte sich ein beliebtes Ausflugsziel zu Fuß, mit dem Rad oder einfach mit dem Auto. Stefan Toschinski stiftete ein Gießkannen-Depot, griff selbst immer wieder zur Gießkanne, dankt aber insbesondere den Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Warstein und insbesondere der Löschgruppe Hirschberg, die ehrenamtlich neben ihren eigentlichen Aufgaben unzählige Fahrten für den Wassernachschub durchgeführt haben. Dass mittlerweile die Bürgerstiftung Warstein eine weitere Möglichkeit der Spende geschaffen hat, freut ihn sehr. Neben Hirschberg, wo in Sichtweite des Ortes ein Eßkastanienwald gepflanzt wurde, gibt es auch an drei anderen Stellen im Warsteiner Stadtgebiet zukünftig „Bürgerstiftungswälder“.

Trotz Corona ging es in Hirschberg voran. „Es hat sich einiges getan“, freut er sich. Das Projekt „Klima trifft Kita, Kita trifft Hirschberg“ sei in die Umsetzung gegangen. Die U3-Kinder zogen dazu übergangsweise in die ehemalige Sparkasse. Das Kita-Gebäude wurde komplett eingerüstet. Ein Kran signalisiert, dass gebaut wird. Die Außenarbeiten am Gebäude werden, wenn alles läuft wie geplant, ungefähr bis Ostern dauern, schätzt der Ortsvorsteher. Der Innenausbau soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Bislang liege alles im Zeitplan und Budget.

An der „Drachenschule“ wurde die Sonnenseite, also die nach Südwesten gewandte Schulhofseite, als Dorferneuerungsprojekt umgestaltet. Die hierfür benötigten knapp 75 000 Euro kamen durch Crowdfunding und Spenden zusammen, wofür Toschinski allen Spendern sehr dankbar ist. Die Bauarbeiten mit der Installation des Trampolins wurden noch im Dezember abgeschlossen. Im Frühjahr folgt die Bepflanzung und es gibt weitere Verschönerungsarbeiten. „Sobald es Corona zulässt, soll zudem ein persönlicher Austausch mit den Anwohnern aber auch mit den Kindern und Jugendlichen als Hauptnutzer des Platzes erfolgen, um auch langfristig ein gemeinschaftliches Miteinander zu gewähren“, verspricht der Ortsvorsteher.

Und auch ein weiteres Projekt geht voran. Gespannt wird die Entscheidung der Bezirksregierung bezüglich der Renaturierung der Bermecke erwartet. Der Förderantrag wurde zweigeteilt, so dass sich der aktuelle Antrag maßgeblich auf den Bereich des ehemaligen Freibades konzentriert. Wird diesem Vorhaben im Frühjahr diesen Jahres zugestimmt, so soll ein zweiter Antrag gestellt werden, um weitere Flächen im Tal zu renaturieren, so der Ortsvorsteher.

Und dann soll´s bald einen weiteren „Bürgerradweg“ geben – eine Spezialität der Hirschberger. Vereinsring Hirschberg und Bürgerstiftung Meschede wollen gemeinsam mit StraßenNRW parallel zur Landstraße 856 von Hirschberg bis zur Einmündung an der B55 unterhalb des Stimm-Stamms eine Verbindung schaffen – ein Großprojekt von enormer Bedeutung auch für den Tourismus. Von dort aus soll der Weg parallel zur B55 bis nach Meschede führen. „Dieser Radweg würde eine der wenigen Nord-Süd-Verbindung im großflächigen Radwegnetz bilden und den Hennesee mit dem Möhnesee sowie den Ruhrtal- mit dem Möhnetalradweg verbinden“, ist sich Toschinski der außerordentlichen Bedeutung dieses Zukunftsprojektes bewusst.

Die gleiche Verbindung ist allerdings auch bei Motorradfahrern beliebt. Mit Konsequenzen: „Der geschundene Wald kann die zum Teil ohrenbetäubenden Motorengeräusche der Motorräder aber auch der Autos nicht mehr absorbieren. Sie dringen ungebremst bereits von weitem in die Bache und nach Hirschberg hinauf.“

Im Sommer haben die Anwohner der Bache deshalb eine Bürgerinitiative gegründet. Es gehe um einen „respektvollen Umgang zwischen Verkehrsteilnehmer und Anwohnern“, sagt Stefan Toschinski. Er unterstützt die Aktivitäten und den Kontakt zur Bürgerinitiative am Möhnesee sowie in die verschiedenen politischen Ebenen. Frühzeitig vor dem Saisonbeginn rund um Ostern gelte es nun, weitere Ideen und Möglichkeiten zu erörtern und umzusetzen.

Das Thema Verkehrsberuhigung müsse aber auch an anderen Stellen in Hirschberg vorangetrieben werden. Die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer vom Fahrrad über Auto und Traktor bis hin zum Lkw sei insbesondere in den Nebenstraßen aber auch auf den Wegen im Feld oft zu hoch und nicht der Situation angepasst. Ein besonderer Schwerpunkt bilde hierbei der Bereich um die Schützenhalle. Hier sorgt er sich vor allem um die Ferienkinder, die im Sommer regelmäßig kommen, und sieht für sie großes Gefahrenpotenzial. Hier müsse etwas passieren.

Für Stefan Toschinski ist in Hirschberg trotz der Corona-Einschränkungen von Stillstand keine Rede. „Das Jahr 2021 bringt viele neue Chancen und Möglichkeiten mit sich, im Großen wie im Kleinen, die es anzupacken gilt“, wendet er sich an seine Mitbürger. Seine große Hoffnung ist, dass spätestens im Sommer „eine gewisse Normalität zurückkehrt“ und zum Jahresende der so wichtige Romantische Weihnachtsmarkt mit überregionaler Ausstrahlung wieder stattfinden kann. Und erst recht die für 2022 wieder geplanten Köhlerwochen. Einstweilen lautet sein Motto: „Wir bleiben auf Abstand, treffen uns digital und blicken optimistisch in die Zukunft!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare