Im Galopp auf die grüne Wiese

Video: Freude bei den Kühen - "Almauftrieb" bei den heimischen Bio-Bauern

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Im Galopp ging es am Donnerstag von den Bio-Höfen in Hirschberg und Belecke auf die grüne Wiese.

Hirschberg/Belecke – „Mädels, wie sieht’s aus? Wollt ihr ein bisschen raus?“:

Christof Köster kennt seine „Mädels“. Die 50 Milchkühe scharren hinter dem Gitter bereits mit den Hufen. „Wenn das Wetter besser wird, warten sie sehnsüchtig darauf, rausgelassen zu werden.“ Als Bioland-Landwirt Köster das Tor öffnet, stürmen die gescheckten Kühe im Eiltempo zur nahegelegenen Wiese und drehen erst mal eine große Runde durch das grüne Gras. 

Man sieht ihnen an, wie sehr sie den Ausflug genießen, der ihnen fortan jeden Tag bevorsteht. Aber beim ersten Mal im Frühjahr, dem „Almauftrieb“ ist es immer etwas ganz Besonderes. 

"Das ist jedes Jahr schön anzusehen"

Auch wenn die „Mädels“ nicht geschmückt werden wie im Allgäu oder in Österreich, wo Almauf- und –abtrieb echte Touristen-Magneten sind. Die Kühe rennen, springen, toben, nutzen einen Erdhügel, um sich das Fell zu schrubbeln. „Das ist jedes Jahr wieder schön anzusehen“, meint Köster. 

„An der frischen Luft sind die Kühe bei uns immer“, erklärt der Hirschberger Bio-Landwirt. Der abgezäunte Bereich direkt am Stall gelegen ist natürlich kein wirklicher Ersatz für die frischen Weiden. Zwei bis drei Stunden Auslauf gönnt Köster seinen Rindern am ersten Frühlingsausflug. Das Tor zum abgezäunten Gatter am Hof bleibt offen, so dass die Kühe auch zurück in den Stall können. 

Das Video

„Wenn es später was zu fressen gibt, dann kommen sie auch freiwillig wieder rein.“ Begeistert vom Spektakel sind auch Jonathan Heer und Nico Draband, die am Donnerstag ihren Boys’ Day auf dem Hof von Christof Köster verbringen. Sie beobachten den ersten Ausflug des Jahres der Milchkühe.

Großer Spaßfaktor für die Damen

„Da ist schon ein großer Spaßfaktor für die Damen dabei“, schmunzelt Köster. Aber auch kleine Kämpfe werden ausgetragen, Rangordnungen neu abgesteckt. Auch auf dem Bioland-Hof von Christian Kroll-Fiedler auf der Haar ist der sehnlichst erwartete erste Auslauf-Tag für die Kühe angesagt. Und darauf haben nicht nur die Milchviecher selbst gewartet. 

Auch die Azubis und die Jahrespraktikantin konnten es kaum erwarten: „Chef, kommen heute die Kühe endlich raus?“ Schon seit Tagen drängeln die drei, die Kühe auf die Weide zu lassen. „Geht mit dem Zollstock und messt die Graslänge“, entgegnete der Chef. 

Endlich: Sechs Zentimeter Gras

„Bei sechs Zentimetern dürfen sie raus.“ Die waren am Donnerstag endlich erreicht. Die Azubis kommen strahlend um die Ecke: „Jetzt aber raus mit den Damen.“ 

Das ganze Team ist mit Foto- und Videokameras ausgerüstet dabei. Jeder will erleben, wie die 70 Kroll-Fiedler-Milchkühe die Weide erstürmen. „Dass Kühe sich so freuen können“, staunen alle. Auch hier geht es im Galopp zum frischen Grün: „Das schmeckt jetzt besonders gut“, erklärt Kroll-Fiedler. 

Die frischen grünen Grasspitzen sind besonders zuckerhaltig.“ Nach zwei Stunden ist auch auf der Haar Schluss mit dem ersten Frühlingsausflug. Mit Hilfe des Bordercollies werden die Kühe wieder in den Stall getrieben. Die Kroll-Fiedlers betreiben seit einigen Jahren das System der Kurzrasenweide. 

Dabei wird den Kühen die komplette Fläche zum Abweiden möglichst früh ermöglicht mit dem Ziel, viel Milch aus hochenergetischem Grünland zu bekommen. Dabei wird dann nicht nur das Gras kurz gehalten, sondern auch die Unkräuter. 

„In diesem frühen Stadium werden Löwenzahn, Ampfer und Co. noch gerne gefressen“, weiß Susanne Kroll-Fiedler. Auch die beiden Girls’ Day Praktikantinnen Paula Guth und Emma Grebe vom Soester Aldegrever-Gymnasium können an diesem Tag viel lernen. 

„Durch sonnenreiche Tage und kühle Nächte bekommt das Gras einen hohen Energie- und Proteingehalt“, erklärt der Chef. „Die Kühe fressen am Futtertisch weniger, geben aber dennoch mehr Milch.“

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