Verein „Annour“ öffnet Türen seiner Moschee in Belecke

Zahlreiche Interessierte neben den Vertretern von Stadt und Kirchengemeinde kamen gestern, um sich beim „Tag der offenen Moschee“ umzuschauen.

Belecke -  „Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“. Unter diesem Motto stand der bundesweite „Tag der offenen Moschee“, für den es gestern zum ersten Mal auch in Belecke eine Anlaufstelle gab. In den Gebetsräumen an der Lanfer 94 konnten die Vertreter des gastgebenden Vereins „Annour“, sowie Ortsvorsteherin Elke Bertling und Jugendamtsleiter Jörg Lewe über den Nachmittag verteilt eine ganze Reihe interessierter Gäste begrüßen.

„Im Namen Allahs des Barmherzigen“ hieß Vereinsvorsitzender Hassan Fikri insbesondere Pfarrer Markus Gudermann willkommen. Der bedankte sich seinerseits für die Einladung und brachte seine Hoffnung auf ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften zum Ausdruck.

Für Bürgermeister Dr. Thomas Schöne war es ein „bewegendes Erlebnis“, zum ersten Mal in einer Moschee sprechen zu dürfen. Im Gebetsraum der Muslime nahm er den Platz des Predigers ein und erinnerte an die Entstehung des Moschee-Tages vor genau 20 Jahren: „Anlass war der europäische Tag gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“ An die Vereinsmitglieder gewand würdigte er den Schritt, den sie mit der Einladung auf die Warsteiner Bevölkerung zu gemacht hätten: „Das begrüße ich außerordentlich.“ Diesem Baustein des Zusammenwachsen wolle man weitere hinzufügen: „Auch wir sind bereit, auf Sie zu zugehen.“ Dabei wolle er nicht die Augen vor den tatsächlich vorhandenen Unterschieden verschließen: „Doch gerade diese bringen die riesige Chance, unsere Stadt bunt und vielgestaltig zu erleben.“ Allerdings, so Schöne, dürfe dieser Gebetsraum keinen Raum für Extremisten bieten. Die Tatsache, dass die moslemischen Gottesdienste in Belecke auf Deutsch abgehalten werden, wertete er als gutes Zeichen.

Als Vorsitzender des Vereins „Annour“ (übersetzt: strahlendes Licht) betonte Hassan Fikri, dass der Tradition des Propheten Muhammad folge, wer das Grundgesetz und die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und ihr geltendes Recht respektiere: „Wir treten ein für das Gute, den Frieden, die Freiheit, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Religionsfreiheit und den Schutz der Menschenrechte.“ Auch gehöre der Verein weder einer islamischen Gruppierung, noch einer Sekte an. In Bezug auf das Miteinander thematisierte er Vorurteile, die trotz vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten weit verbreitet seien. „Unterschiede werden nicht als Bereicherung, sondern als Barrieren dargestellt.“ Umso wichtiger sei es, richtige und falsche Informationen voneinander zu trennen und zugleich Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit dem ersten „Tag der offenen Moschee“ in Warstein wolle der Verein nicht nur sichtbarer sein, sondern auch zu den aktiven Akteuren auf kommunaler Ebene werden. In guter Nachbarschaft zu leben sei aus islamischer Perspektive extrem wichtig. Um herauszubekommen, wer denn nun ein Nachbar sei, schlug er vor im Koran nachzuschauen: „Die Nachbarschaft umfasst einem Ausspruch des Propheten zufolge das 40. Haus in jeder Himmelsrichtung.“ Darauf erfolgte ein erfreuter Ausruf des Bürgermeisters: „Dann sich wir ja Nachbarn!“

Im Anschluss an einen informativen Rundgang durch Gebets- und Aufenthaltsräume erwartete die Gäste gestern im Pavillon auf dem Moschee-Vorplatz ein Kuchenbüfett mit (fast) allen Köstlichkeiten orientalischer Backstuben. - is

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