Polizistin gilt als mutmaßliche Verursacherin

Streifenwagen-Unfall in Warstein: Ohne Martinshorn auf die Hauptstraße

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Die Polizei schätzte den Sachschaden an beiden Fahrzeugen auf 55.000 Euro. Beide mussten abgeschleppt werden.

Warstein - Der Streifenwagen, der am Dienstagabend mit dem Geländewagen eines 55-jährigen Warsteiners kollidierte, war wohl ohne eingeschaltetes Martinshorn auf die Hauptstraße gefahren. Das ergaben Aussagen des Geländewagen-Fahrers und weiterer Zeugen.

"Ich hatte keine Chance mehr", sagte der Unfallbeteiligte im Gespräch mit unserer Redaktion. Er war am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr gemeinsam mit seiner Frau in seinem weißen Range Rover auf der Hauptstraße in Richtung Meschede unterwegs.

Gleichzeitig befuhr eine Streifenwagen-Besatzung der Warsteiner Polizeiwache den Domring in Richtung Hauptstraße - da die Beamten sich auf dem Weg zu einem Einsatz befanden, hatten sie das Blaulicht ihres Streifenwagens eingeschaltet. Das Martinshorn jedoch ertönte nicht, versicherten der Geländewagen-Fahrer und weitere Zeugen.

Polizei-Pressesprecher Frank Meiske verwies nach der Anfrage unserer Redaktion auf das laufende Ermittlungsverfahren und äußerte sich nicht zu entsprechenden Details.

"Plötzlich tauchte der Wagen vor uns auf"

Da die rote Ampel die Zufahrt vom Domring auf die Hauptstraße versperrte, hätten laut dem 55-Jährigen mehrere Autos auf den beiden Abbiegespuren gestanden. Daher wählte die 25-jährige Fahrerin des Streifenwagens die Gegenfahrbahn, um voranzukommen und fuhr an den wartenden Fahrzeugen vorbei auf die Hauptstraße. "Plötzlich tauchte der Wagen fünf Meter vor uns auf", erinnert sich der Warsteiner. 

Ausgehend von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern auf der Hauptstraße zu wenig. Allein der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung beträgt bei dieser Geschwindigkeit 12,5 Meter, hinzu kommen etwa 15 Meter für den Reaktionsweg. Zudem war die Fahrbahn nass.

Beifahrerin und Polizistin leicht verletzt

So kam es zur Kollision zwischen dem Range Rover und dem Streifenwagen, bei der die Beifahrerin im Geländewagen und die 25-jährige Polizeibeamtin leicht verletzt wurden.

Verkehrsunfall mit Streifenwagen auf der Hauptstraße in Warstein

"Die Kollegen aus Lippstadt haben den Unfall aufgenommen und die weiteren Ermittlungen an die Hauptstelle in Dortmund übergeben. Das ist bei Dienstwagen-Unfällen ein normaler Vorgang. Die Beteiligten erhalten einen Anhörungsbogen, in dem sie sich zum Fall äußern können", erklärte Frank Meiske.

Hoher Schaden an beiden Autos

Der Sachschaden an beiden Fahrzeugen wurde von der Polizei auf etwa 55.000 Euro geschätzt. Ob das für den Streifenwagen einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet, müsse laut Meiske noch untersucht werden.

Blaulicht allein gewährt keinen Vorrang

Anzeiger-Informationen zufolge gilt die Polizistin nach aktuellem Stand der Ermittlungen als mutmaßliche Unfallverursacherin. In Paragraph 38 der Straßenverkehrsordnung ist geregelt, dass "Blaues Blinklicht" allein keinen Vorrang gewährt. 

Erst in Kombination mit dem Martinshorn hätte die Polizistin deutlich gemacht, dass sie das so genannte "Wegerecht" in Anspruch nimmt. In diesem Fall hätten alle anderen Verkehrsteilnehmer für eine "freie Bahn" für das Einsatzfahrzeug sorgen müssen.

Das sagt ein Fachanwalt

Und selbst mit eingeschaltetem Martinshorn „müssen Fahrer eines Einsatzfahrzeuges sich mit besonderer Vorsicht in die Straße hineintasten“, sagte Hendrik Langeneke, Fachanwalt für Verkehrsrecht.

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