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Unbekannte manipulieren Sauna im Warsteiner Allwetterbad

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Von: Reinhold Großelohmann

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Der Tatort: Die Panorama-Saune im Warsteiner Allwetterbad. Hier wurden offenbar Temperaturfühler manipuliert
Der Tatort: Die Panorama-Saune im Warsteiner Allwetterbad. Hier wurden offenbar Temperaturfühler manipuliert. © Alexander Lange

Vor wenigen Tagen musste die Polizei ins Warsteiner Allwetterbad anrücken. Tatort war die Panorama-Sauna des Schwimmbades. Die Ermittlungen laufen.

Warstein – Im Olsberger Aquafun kam die Polizei zu spät. Als die Beamten ihre Ermittlungen zur Brandursache aufnahmen, war der Millionenschaden bereits entstanden und der Saunabereich des Bades komplett ausgebrannt – wegen eines technischen Defektes. Damit das Warsteiner Allwetterbad nicht auch ein solches Schicksal ereilt, kam es Anfang des Monats zu einem ungewöhnlichen Polizei-Einsatz. Die Polizei rückte im Bad an, sicherte Spuren und nahm Personalien von Saunagästen auf. Grund: Unbekannte hatten den Temperaturfühler in der PanoramaSauna manipuliert und damit die Gefahr einer Überhitzung heraufbeschworen, was im schlimmsten Fall zu einem Brand hätte führen können.

Das konsequente Handeln der besorgten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte einen Hintergrund. Bereits Mitte Oktober war aufgefallen, dass jemand den sichtbar an der Wand angebrachten Fühler des Sauna-Ofens in der Panorama-Sauna mit Papier abgedeckt hatte. Das erntete zunächst ungläubiges Kopfschütteln und war fast vergessen, als es ein paar Tage später erneut passierte. Beim dritten Mal sah sich das Personal gezwungen, das Problem grundsätzlicher anzugehen. In Absprache mit Stadtwerkeleiter Matthias Seipel, in dessen Zuständigkeitsbereich das Allwetterbad fällt, wurde die Polizei um Amtshilfe gebeten.

Nasses Papier aus dem Toilettenbereich

Die Vorgehensweise war offenbar jedes mal die gleiche. Der Unbekannte oder die Unbekannten wickelten nasses Papier, das zuvor aus dem Toilettenbereich geholt wurde, um den Fühler, der dann eine zu kühle Temperatur anzeigte, so dass die Sauna im Heizmodus lief und deutlich heißer als die vorgesehen 60 Grad wurde. Es sei „erhebliche Brandgefahr“ entstanden, sagte Matthias Seipel. „Unsere Mitarbeiter waren vor dem Hintergrund des Saunabrandes in Olsberg äußerst sensibilisiert.“

Wie er, so geht auch Badleiter Dennis Justus nicht davon aus, dass jemand die Absicht gehabt hat, für einen Brand zu sorgen. Er kann sich eher vorstellen, dass der Wunsch nach einer höheren Sauna-Temperatur bestanden habe. Zumal die Sauna nach dem Lockdown-Neustart für einen Übergangszeitraum mit 80 Grad betrieben worden war – das hatte die Corona-Schutzverordnung seinerzeit aus hygienischen Gründen verlangt – und inzwischen wieder eine Absenkung auf 60 Grad erfolgt war. Dennoch könne man es nicht hinnehmen, dass Sauna-Gäste derart eigenständig in den Betrieb eingriffen, sagte Justus. Auch wenn sich die allermeisten Gäste korrekt verhielten, so gebe es dennoch Besucher, die sich zu viel heraus nähmen. „Man erlebt viel“, so Justus. „Es gibt Gäste, die etwas von zuhause mitbringen und es unkontrolliert auf die Steine gießen. Dann aber Hallelujah“, sieht Justus hier echte Gefahren aufziehen. Auch hat er Gäste erlebt, die ihre Handtücher auf Saunasteine zum Trocknen legen. Was in der heimischen Sauna gehe, sei im öffentlichen Saunabereich nicht möglich, macht Matthias Seipel deutlich. „Es kann ja auch jemand allergisch auf so einen unkontrollierten Aufguss reagieren.“ Man dürfe eben anders als zuhause selbst keinen Aufguss machen, das sei ausschließlich dem fachkundigen Personal vorbehalten.

Diese beiden Fühler wurden mit nassen Papiertüchern überdeckt.
Diese beiden Fühler wurden mit nassen Papiertüchern überdeckt. © Alexander Lange

Die Ergebnisse des Polizeieinsatzes sind inzwischen bei der Staatsanwaltschaft gelandet. Täter seien nicht zu ermitteln, sagte Oberststaatsanwalt Thomas Poggel aus Arnsberg. In der Tat sei die Temperatur-Abschaltung manipuliert worden. Es bleibe unklar, ob ein Brand gelegt werden sollte. „Möglicherweise wollte jemand auch nur eine höhere Temperatur haben“, so der Oberstaatsanwalt. Sollte dies der Fall gewesen sein, „wären wir weg von einer Straftat.“ Ein Verfahren werde es nicht geben.

Sauna im „Aqua Olsberg“ abgebrannt

Die Brandursache für das Feuer im „Aqua Olsberg“ am 13. Oktober steht fest: Ein Brandgutachter machte einen technischen Defekt in einer Lichtanlage der Sauna als Ursache verantwortlich. Es war nicht der erste Brand im Aqua Olsberg. Bereits eine Woche vor Eröffnung am 8. August 2008 hatte eine Saunakabine im Probebetrieb gebrannt, nur wenige Jahre später brannte 2013 die Panorama-Sauna. Bei dem jüngsten Brand mussten 89 Sauna- und Badegäste evakuiert werden. Ein Feuerwehrmann aus Brilon, der sich als Gast in der Saunaanlage aufhielt, konnte das Personal frühzeitig über auffälligen Geruch informieren. Der Saunabereich mit Ruhezone, Gastrobereich und zwei Saunakabinen ist komplett ausgebrannt. Schaden in Millionenhöhe ist entstanden. Das Aqua Olsberg wird vorerst komplett geschlossen bleiben.

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