Zuständig für Belecke und das Möhnetal:

Neuer Bezirksbeamter Uli Figur ohne Berührungsängste

Uli Figur ist neuer „Dorfsheriff“ in Belecke: Der 56-Jährige hat zum 1. Januar die Nachfolge von Hubert Blecke als Bezirksbeamter angetreten und das Büro im Gebäudekomplex Stütings Mühle bezogen.
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Uli Figur ist neuer „Dorfsheriff“ in Belecke: Der 56-Jährige hat zum 1. Januar die Nachfolge von Hubert Blecke als Bezirksbeamter angetreten und das Büro im Gebäudekomplex Stütings Mühle bezogen.

Belecke – In die Fußstapfen von Hubert Blecke will er nicht treten: „Das kann ich gar nicht“, weiß Uli Figur, „schließlich ist der nicht nur Belecker, sondern Altbelecker“ und hat mehr als zwei Jahrzehnte das Bild des Bezirksbeamten der Polizei für Belecke und das Möhnetal nachhaltig geprägt. „Hubert genoss bei den den Leuten gutes und hohes Ansehen und ist mit allen bestens klargekommen“ – und genau dort will der 56-Jährige ansetzen und „Huberts Arbeit weiterführen“. Eine wichtige Eigenschaft dafür hat der Warsteiner Familienvater, der zum 1. Januar den Polizeiposten im Gebäudeensemble Stütings Mühle in Belecke bezogen hat: „Ich habe null Berührungsängste.“

Ulrich Figur ist ein „echtes Zechenkind“ aus dem Dortmunder Norden. Pastor Friedrich „Fritz“ Enste war es, der damals dafür sorgte, dass der junge Uli seine Liebe zu Warstein entdeckte: „Ich habe dort meine Kindheit verbracht.“ Egal in welchen Ferien, er war „immer da“ und genoss die vom Pastor angebotenen Freizeiten im Bilsteintal, damals noch in der angepachteten Jugendherberge. „Nachts sind wir dann immer raus“, erinnert er sich an die Jugendzeit. Ziel war der Höhlensportplatz, wo „Lulu“ Korsch die legendären Open-Air-Partys veranstaltete. „Das war spannend damals“ – mit 15, 16, auf Strohballen sitzend feiern. Später sind sie sogar „mit unseren Mopeds“ für die Partys extra von Dortmund nach Warstein gefahren. Er lernte dabei viele Warsteiner kennen, schloss Freundschaften und knüpfte Bande nach Altenwarstein. „Irgendwann war mir dann klar, hier ziehst du hin...“

Mit 17 ging es bereits zur Polizei, Stukenbrock, Wuppertal, die Einsatzhundertschaft in Selm/Bork und anschließend der Personen- und Objektschutz in Bonn. „Eine coole Zeit“ für einen jungen Beamten Anfang 20: Mal kam Franz-Josef Strauß, damals bayerischer Ministerpräsident, zu ihnen in den Wachcontainer zum Kaffeetrinken – „wir haben ne Stunde gequatscht, und er hatte seine eigene Thermoskanne mit Kaffee-Cognac mit“. Mal saß man in voller Schutzausrüstung im Garten der Politpromis und nahm am Familiengrillen teil – „mit ner Fanta in der einen und der Bratwurst in der anderen Hand“. Das Verhältnis sei stets „sehr persönlich“ gewesen, „es war interessant, wie normal die eigentlich waren“. In den zwei Jahren von Mai 1985 bis Oktober 1987 lernte er nicht nur Kohl-Berater Horst Teltschik, Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff sowie weitere Politiker im Job kennen, sondern in seiner Freizeit in Warstein auch seine große Liebe Monika, ein „Wöske Mädchen“. Das war 1986, im gleichen Jahr noch zog er nach Warstein, 1987 folgte das Ja-Wort.

In Warstein erfüllte sich das junge Paar auch den „Traum vom Eigenheim“: „Im Ruhrgebiet wäre das nicht zu verwirklichen gewesen, hier in Warstein mit viel Eigenleistung aber schon.“ Er bereut diesen Schritt bis heute nicht, ganz im Gegenteil: „In die Großstadt kriegen mich keine zehn Pferde mehr. Schon lange nicht mehr.“ Hier mache er die Tür auf, sei draußen in der Natur, kann seinen sportlichen Hobbys (Laufen, Schwimmen, Mountainbike, auch mal Marathon oder Triathlon) nachgehen. „Es ist schön auf dem Dorf, ich mag das hier.“ Allein schon das freundliche Hallo beim Einkaufen oder bei Begegnungen sei so viel wert und mache das Leben hier angenehm. „Als Individuum in der Großstadt gehst du doch unter.“

Der Umzug nach Warstein und die Heirat hatten auch berufliche Auswirkungen: Es gab so genannte Versetzungspunkte. Die mussten die Beamten damals sammeln, wenn sie in ihre Wunsch-Dienststelle wechseln wollten. Das war damals natürlich Warstein. Im Dezember 1993 erfüllte sich dieses Anliegen endlich, vorher musste er erst noch fünf Jahre nach Dortmund und anderthalb Jahre nach Lippstadt.

Die früh geknüpften Kontakte nach Altenwarstein sorgten nicht nur dafür, dass die Eheleute Figur dort ihr Eigenheim errichteten – die beiden Kinder sind längst erwachsen, seit einem guten Jahr ist er „stolzer Opa“ – sondern auch dafür, dass Uli Figur mit dem Karneval in Kontakt kam. Erst machte er im „Club Altenwarstein“ mit, schließlich wurde der engagierte Wagenbauer gefragt, ob er nicht auch im Elferrat der Großen Warsteiner Karnevalsgesellschaft mit dabeisein wolle. Wollte er, war zwischenzeitlich auch GWK-Vize und ist jetzt im Senat.

Das Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger über alle Ortsteilgrenzen hinweg war und ist Uli Figur nicht nur ein Anliegen, wenn er die Polizei-Uniform trägt, sondern auch im Jecken-Dress: 2006 wurde sein Kollege Helmut Cruse in Belecke Karnevalsprinz, die GWK war mit einer Abordnung zu Gast bei der GBK: „Ich war völlig überrascht, als der plötzlich im Prinzenkostüm in die Halle zog. Wir hatten vorher noch an der Theke ein Bier getrunken und er hatte sich dann mit einem ‘bis gleich’ verabschiedet.“ Uli Figur gratulierte nach dem Ende der Sitzung natürlich herzlich und sagte zu, am nächsten Tag zum traditionellen Prinzenfrühschoppen in Belecke zu kommen. „Das gab ein großes Hallo“, erinnert sich Uli Figur schmunzelnd an diese Zeit, in der einige Vertreter der Karnevalsvereine – gelinde gesagt – sich nicht grün waren. Und es gab Lob von seiten der Gastgeber für den Mut, „in voller Elferratsmontur“ zum Frühschoppen zu erscheinen und ausgelassen mitzufeiern: „Mir sagte damals eines der Vorstandsmitglieder, ‘Chapeau! Das hätte ich nicht gedacht, dass du das machst.“

Berührungsängste, die hatte Uli Figur nie und hat das stets auch offen gezeigt. Und deshalb ist er sich sicher, auch in seiner neuen Funktion als Bezirksbeamter mit offenen Armen empfangen zu werden, so wie auch er stets ein offenes Ohr für die Anliegen und Sorgen seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger hat. Da steht er seinem Vorgänger Hubert Blecke, mit dem er übrigens viele Jahre zusammen in der gleichen Dienstgruppe gearbeitet hat – in nichts nach. Nur an eines müssen sich die Urbelecker bei dem (zugezogenen) Wösken nun gewöhnen: die dienstlichen Anliegen während der Zeit im Büro vorzutragen und nicht mehr abends beim Bierchen an der Haustür...

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