Temperaturdifferenz sorgt für Naturschauspiel in Bilsteinhöhle in Warstein

Tropfsteine im Zeitraffer

Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein
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Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein

Warstein – Normalerweise wachsen Tropfsteine rund einen Zentimeter in 100 Jahren. Derzeit lässt sich dieses Schauspiel in der Bilsteinhöhle im Wildpark in Warstein aber fast mit dem bloßen Auge verfolgen: Bedingt durch die hohen Temperaturunterschiede vor und in dem Kalksteinmassiv sind an den Höhlenein- und -ausgängen binnen einer Woche bis zu 55 Zentimeter hohe Stalagmiten auf dem Boden und bis zu einem Meter lange Stalagtiten an der Decke gewachsen – zwar nur aus Eis, aber im Aufbau wie ihre „Brüder“ aus Kalk. „Wir haben hier einen echten Zeitraffer-Effekt“, so Höhlenführer Stefan Enste.

Auch wenn die Höhle noch geschlossen ist, bewundern können Wildpark-Besucher die Eis-Tropfsteine aber trotzdem: Durch die Gittertür am Höhlenausgang kann man einen Blick in die Höhle werfen und die Skulpturen sehen – wer eine Taschenlampe mitbringt, kann noch mehr entdecken. Die Eiskunstwerke gibt es aber noch an einer anderen Stelle zu bewundern: am offiziellen Höhleneingang und dort frei zugänglich im kleinen Vorraum. Dort sind es vor allem lange Tropfsteine, bei den Kalkstein-Vorbildern heißen sie Stalagtiten, die zu sehen sind. Die bis zu einem Meter langen Eiszapfen hängen an mehreren Stellen von der Decke. Für Höhlenführer Stefan Enste besonders faszinierend: „Sie sehen aus wie die Originale“, erklärt er mit Blick auf die Riffelstruktur eines Eisgebildes, „wie beim echten Tropfstein.“ Und wer genau hinschaut, kann auch ungewöhnliche Dinge entdecken, mitunter nur wenige Zentimeter oder gar Millimeter groß. So wie ein Tropfstein, der sich zu einem Halbkreis gebogen hat wie eine Katzenkralle. Auch ein Phänomen, das man sonst nur von toten Bäumen kennt, tritt hier ungewöhnlicherweise auf: Haareis - „es sieht aus, als hätte der Stein es ausgeschwitzt“, so Stefan Enste: „Faszinierend.“

Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein

Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein
Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein
Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein
Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein
Eis-Tropfsteine in der Bilsteinhöhle im Wildpark Warstein

Ganz fasziniert war gestern auch Lena Hoffeld, seit Oktober letzten Jahres neue Mitarbeiterin im Wildpark-Team, von den neuen Tropfsteinen. Sie nahm nicht nur mit dem Zollstock am größten Eis-Stalagmit Maß, sondern griff auch zum Handy, um ein besonderes Schauspiel im Video festzuhalten: Bei einem Eis-Gebilde hatte sich im Inneren ein wassergefüllter Hohlraum gebildet, der bei jedem von der Decke herunterfallenden Tropfen für ein lautes „Plopp“ sorgte. Rund 100 weitere Tropfsteine sind hier am Höhlenausgang gewachsen, einige sind nur kleine Knubbel am Boden, andere haben eine stattliche Größe erreicht. Bei den großen Exemplaren fällt vor allem auf, dass sie Unebenheiten haben: „Die dicken Knubbel entstehen in der Nacht“, erläutert Stefan Enste seine Beobachtungen. Je nach Temperatur – nachts war es zuletzt draußen bis zu minus 20 Grad kalt, in der Höhle ist die Temperatur von 9,5 Grad im Sommer auf aktuell 8,6 Grad gesunken – kann der Durchmesser variieren. Wie eben auch bei den echten Tropfsteinen bei wasserreichen oder -armen Jahren.

Höhlenführerin Lena Hoffeld hat mit dem Zollstock nachgemessen: Gut 55 Zentimeter hoch war der größte Eis-Stalagmit am Freitagvormittag.

Dass Stalagmiten aus Kalkstein mitunter auch besonders schnell wachsen können, erlebten die Höhlenführer im Frühjahr beim ersten Lockdown. Auf einer Wegeplatte hatte sich ein fast sechs Zentimeter hoher „echter Tropfstein“ gebildet, der aber war nach der Wiedereröffnung von den Besuchern schnell „weggelaufen“ worden. Ähnlich vergänglich sind die Eis-Tropfsteine, spätestens mit Plustemperaturen tagsüber sind ihre Tage gezählt...

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