Oldtimer-Fahrer mit dringendem Appell

SUV fährt in Gegenverkehr: Ausflug mit Feuerwehr-Oldtimer endet fast in Katastrophe

Stephan Scherwitzki lenkte den Oldtimer in den Straßengraben, um einen Zusammenstoß zu verhindern.
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Stephan Scherwitzki lenkte den Oldtimer in den Straßengraben, um einen Zusammenstoß zu verhindern.

Es sollte ein entspannter Sonntagsausflug mit dem Feuerwehr-Oldtimer werden. Doch die Ausfahrt endete mit einem riesigen Schrecken im Straßengraben.

Warstein/Soest - Der Soester Oldtimer-Enthusiast Stephan Scherwitzki startete am Sonntagmittag zu einer Ausfahrt mit seinem Magirus 170 D11, Baujahr 1976. Der Oldtimer war früher als Löschfahrzeug (LF 16) für die Feuerwehr im Einsatzdienst, soll bald mit seinem neuen Aufbau einen Platz im Soester Feuerwehrmuseum bekommen.

Mit seiner Frau auf dem Beifahrersitz und einem weiteren Gleichgesinnten, der mit seinem frisch erworbenen Feuerwehr-Oldtimer hinter den Scherwitzkis unterwegs war, ging es von Soest über Niederbergheim nach Hirschberg. „Wir wollten nach Rüthen, in den Feldern ein paar schöne Fotos der Fahrzeuge machen. Doch dazu ist es dann nicht mehr gekommen“, berichtete Scherwitzki.

SUV zog „immer weiter ins Kurveninnere“

Denn: Als die beiden roten Riesen a.D. gegen 12.40 Uhr auf der Schützenstraße Richtung Hirschberger Ortskern unterwegs waren, sei ihnen plötzlich mit hoher Geschwindigkeit ein schwarzer SUV entgegengekommen. In einer langgezogenen Kurve sei der Wagen „immer weiter ins Kurveninnere“ gezogen und dabei auf die Gegenfahrbahn gekommen.

„Er wäre mir stumpf unter die Achse geflogen“

„Hätte ich gebremst, wäre er mir stumpf unter die Achse geflogen. Wäre ich nicht ausgewichen, wäre der Fahrer höchstwahrscheinlich tot gewesen“, schildert der Oldtimer-Fahrer mit drastischen Worten. Dank eines Fahrsicherheitstrainings, an dem er als Mitglied des Technischen Hilfswerk (THW) teilgenommen hatte, handelte Scherwitzki schnell und entschlossen - und verhinderte dadurch einen vermutlich katastrophalen Zusammenstoß.

„Ich bin mit circa 60 km/h in den Graben gezogen, habe nicht gebremst, sondern das Fahrzeug ausrollen lassen.“ Ein Spiegel ging zu Bruch, weil er einen Baum streifte. „Zum Glück ist nicht die komplette Beifahrerseite vor den Baum“, betont Scherwitzki. Auf dem Beifahrersitz saß seine Frau.

„Als er gesehen hat, wie jemand winkt, ist er abgehauen“

Als der Oldtimer zum Stillstand gekommen war, sprang der Soester vom Fahrersitz nach draußen: „Ich habe dem Fahrer des SUV hinterhergeguckt, er fuhr langsam. Als er gesehen hat, wie jemand winkt, ist er schnell abgehauen.“ Besonders wütend ist Scherwitzki, weil er einen dringenden Verdacht hat, wieso der SUV-Fahrer, den er zwischen 35 und 45 Jahre alt schätzt, seine Fahrbahn verlassen hatte. „Er hatte hinter dem Steuer den Kopf ganz klar nach unten und war abgelenkt.“ Der Soester ist sich sicher, dass der SUV-Fahrer das Handy in der Hand hatte.

Um was für einen SUV es sich handelte, konnte Stephan Scherwitzki auf die Schnelle nicht erkennen: „Ich hatte genug Arbeit, mein Fahrzeug in die Spur zu kriegen, um nicht völlig unkontrolliert in die Böschung zu donnern. Der Wagen war auf jeden Fall kein europäisches Modell - also kein Mercedes oder ähnliches.“

„Da kommt eine große rote Wand auf den Fahrer zugerollt und er sieht es einfach nicht“

Letztlich sei es „riesiges Glück“ gewesen, dass bei dem Unfall niemand schwer verletzt wurde. „Aber das war eine miese Nummer. Da kommt eine große rote Wand auf den Fahrer zugerollt und er sieht es einfach nicht.“ Dass der SUV-Fahrer dann noch das Weite gesucht habe, macht Scherwitzki wütend. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf: „Ich möchte, dass der Fahrer sich meldet - ich will ihm klarmachen, dass ich ihm durch das Ausweichmanöver das Leben gerettet habe und dass er sich durch seine Unaufmerksamkeit in so große Gefahr gebracht hat. Mein Appell an alle lautet: Lasst es mit der Ablenkung hinterm Steuer einfach sein! Dieser Vorfall zeigt, wie schnell Unbeteiligte in sowas verwickelt werden können!“

Trotz allen Ärgers findet Stephan Scherwitzki auch Worte des Dankes: „Viele Bauern haben sofort ihre Hilfe angeboten.“ Auch ein Feuerwehrmann, der in der Löschgruppe Hirschberg der Freiwilligen Feuerwehr Warstein aktiv ist, sei sofort mit Hilfsangeboten zur Stelle gewesen. „Für diese Hilfsbereitschaft möchte ich mich ausdrücklich bedanken!“ Letztlich schaffte es der alte Magirus mit eigener Kraft zurück aus dem Graben. Auch, dass der Schaden am Fahrzeug überschaubar blieb, sorgt für Erleichterung bei Stephan Scherwitzki: „Wäre das Fahrzeug kaputt gewesen - das wäre so schade gewesen. Und das, wegen so eines Schwachsinns.“

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