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Sun Diego: Rapper dreht als „SpongeBozz“ Youtube-Hit in Warstein

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Von: Christian Clewing

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Comeback nach vierjähriger Pause: Die Tropfsteinhöhle in Warstein bot die passende „surreale Kulisse“ für „SpongeBozz“
Comeback nach vierjähriger Pause: Die Tropfsteinhöhle in Warstein bot die passende „surreale Kulisse“ für „SpongeBozz“ © Stefan Enste

Der Rapper Sun Diego hat als SpongeBozz einen Youtube-Hit gelandet. Gedreht wurde das Video in Tropfsteinhöhle im Warsteiner Bilsteintal.

Warstein – Abtauchen in eine andere Welt – das können die Besucherinnen und Besucher bei den Führungen in der Tropfsteinhöhle im Warsteiner Bilsteintal. In diese Szenerie mischte sich neben Fledermäusen und Feuersalamandern jüngst ein Phantasietier: Die Comicfigur SpongeBob, genauer „SpongeBozz“, denn Sun Diego, einer der erfolgreichsten deutschen Gangstarapper, tauchte hier zwischen Stalagmiten und Stalagtiten mit seinem Alter Ego ab in die Unter(wasser)welt.

RapperSun Diego
Geboren17. März 1989 in Czernowitz, Ukraine
Vollständiger NameDimitri Chpakov

Rapper Sun Diego als „SpongeBozz“: Youtube-Hit aus Warstein

Die Fans sind verzückt von dem 33-minütigen Video zur Doppelsingle „Rostov on Don / Apocalyptic Endgame“, das nach dem Release am Freitag (19. November) auf der Videoplattform YouTube bereits die Millionen-Marke geknackt hat.

„Das ist der absolute Knaller“, so Stefan Enste, Geschäftsführer im Bilsteintal und seit vielen Jahren Höhlenführer. In dieser Zeit hat er in der Tropfsteinhöhle bereits einiges erlebt – neben Konzerten und Gesangsdarbietungen auch Modefotos, Heiratsanträge sowie Videodrehs von Amateurmusikerinnen. Die „mittelschwere Hollywood-Produktion“ Anfang Oktober aber war „von einem anderen (See)Stern“.

Sun Diego als „SpongeBozz“: Tropfsteinhöhle als Drehort für Youtube-Hit

Die Produktionsfirma war für den Videodreh auf der Suche nach einer Unterwasserwelt wie in den bekannten SpongeBob-Filmen und landete so im Bilsteintal. Genau dort, wo sonst nach der Großen Halle die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den beliebten Winterzauber-Führungen einen Zwischenstopp bei Glühwein und Spekulatius einlegen, wurde für den rappenden „SpongeBozz“ ein Unterwasserwelt-Tatort aufgebaut.

Durch den spazierten dann während des rund fünfstündigen Drehs auch immer wieder Besucherinnen und Besucher, denn „wir konnten ja nicht einfach die Höhle zu machen“ im stets besucherstarken Oktober. Und so bereiteten Stefan Enste und seine Kolleginnen und Kollegen die Besucher auf „etwas Ungewöhnliches“ an diesem Tag vor. Mehr sagen, das durften sie nicht, denn der Videodreh war „Geheimsache“ und Stillschweigen vereinbart. Und doch: Einige Kinder erkannten natürlich „SpongeBob“, einige Ältere sogar „Sun Diego“ – mit bürgerlichem Namen Dimitri Chpakov – und seine Kunstfigur „SpongeBozz“.

Rapper Sun Diego als „SpongeBozz“: Das Video

Nach 22:30 Minuten meldet sich in dem neuen Video „SpongeBozz“ zurück, feiert damit seit vier Jahren Pause sein Comeback – mit Szenen in der Bilsteinhöhle in Warstein und in einem Hanf-Gewächshaus. Diese Kunstfigur hatte Sun Diego 2013 als „Alter Ego“ erfunden, um unerkannt produzieren zu können. Lange Zeit war in der Szene gerätselt worden, wer unter der Maske steckt. Erfolgreich war er auch inkognito, gewann dabei mit einer anderen Art von Rap sogar neue Fans, die mit der Art von Sun Diego zuvor nichts hatten anfangen können.

Für Stefan Enste macht es keinen Unterschied, ob Sun Diego oder SpongeBozz seinen rhythmischen Sprechgesang zum Besten gibt: „Das ist nicht meine Musik“, gesteht er ein, die Texte stuft er als „außerordentlich pubertär“ ein. Gleichwohl zieht er vor dem Musiker den Hut, denn „handwerklich ist das unfassbar gut, er hat es einfach drauf“, so der studierte Theologe, der zugibt, unterm Strich daher auch „begeistert, gerührt und bewegt“ zu sein. Und zudem hat er bei dem Dreh auch den Menschen hinter der Gangstarapper-Fassade mit dem nicht einfachen Lebenslauf und den verschiedensten Gesetzeskonflikten kennengelernt: „Das ist ein Netter...“

Rapper Sun Diego als „SpongeBozz“: Video kostet 200.000 Euro

In den beiden Songs taucht Sun Diego in die Vergangenheit seiner jüdischen Familie und den Holocaust ein, thematisiert aber auch eigene Erfahrungen in der Deutschrap-Szene. Immer wieder werden dabei in den insgesamt mehr als 500 Textzeilen auch Musikerkollegen mit Vergleichen und Anspielungen „gedisst“ – in der Rapper-Sprache ein Wort für verächtlich machen, runtermachen, das den Ursprung in dem englischen Verb „to diss“ hat. Bekanntheit erlangt hatte er als Battle-Rap-Künstler. Neben verschiedenen, mehrfach in den Charts platzierten Singles veröffentlichte er 2018 seine Autobiografie unter dem Buch-Titel „Yellow Bar Mitzvah: Die sieben Pforten vom Moloch zum Ruhm“.

Federführend hinter der Kamera war bei dem 33-Minüter Daniel Zlotin, der gebürtige Ukrainer gilt als erfolgreichster Rap-Musikvideo-Produzent in Deutschland. Es sei ein „überkrasses Projekt“ gewesen, postete er in seinem Facebook-Account, die monatelange Vorbereitung, die zehn Drehtage und der wochenlange Schnitt hätten sich gelohnt. Es sei „das größte Projekt meines Lebens“, das er für seinen „jüdischen Bruder“ umgesetzt habe. Rund 200.000 Euro habe die Produktion gekostet, wird auf einschlägigen Rap-Internetseiten verraten. Damit reihe sich „Rostov on Don / Apocalyptic Endgame“ „auf Platz 1 der teuersten Deutschrap-Musikvideos zusammen mit den Videos zu „500 PS“ und „Tildin weg“ ein“, so die Fachleute von „raptistisch.net“.

Rapper Sun Diego als „SpongeBozz“: Höhle in Warstein „krasse Location“

Auf die Tropfsteinhöhle in Warstein stieß Produzent Daniel Zlotin eher zufällig: „Wir haben uns mehrere Locations in NRW angeschaut“, erklärte er im Gespräch mit soester-anzeiger.de, die Höhle in Warstein habe ihm dabei „sehr, sehr gut gefallen“. Sie besuchte er erst inkognito, machte Fotos, später erfolgte die offizielle Drehanfrage. Gesucht hatte man eine „surreale Location“, die an Bikini Bottom, das Zuhause der Comicfigur SpongeBob erinnern sollte.

Man habe anfangs überlegt, ob man eine solche Szene im Studio nachbauen sollte, der Dreh in Warstein sei dann aber interessanter und natürlich auch kostengünstiger gewesen. Was Computertechnik allerdings möglich macht, sieht man in der Szene vor den Aufnahmen aus Warstein: Sun Diego fährt mit einem Aufzug scheinbar unendlich nach oben – aufgenommen im Greenscreen-Studio. Mit einem Sprung verwandelt er sich nicht nur in SpongeBozz, sondern taucht auch ab tief in die (reale) Höhle...

Rückblickend auf den Dreh mit seinem Team in Warstein hat der in Köln wohnende Daniel Zlotin nur gute Erinnerungen: „Das Personal war sehr, sehr nett“ und „die krasse Location“ sei „sehr einzigartig“. Beste Voraussetzungen also für zukünftige Drehs mit weitereren bekannten Größen der Rap-Szene in der Bilsteinhöhle? „Möglich wäre das...“ Die Doppel-Single ist übrigens erst ein Vorgeschmack: Am 1. April 2022 soll Sun Diegos erstes Soloalbum erscheinen. Titel: „Yellow Bar Mitzvah“ – die limitierte „Gang-Box“ für 59,99 Euro kann man bereits vorbestellen.

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