Rechtsstreit Struff-Strakerjahn

Struff-Anwalt Rüdiger Brüggemann strebt außergerichtliche Einigung an

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Jan-Lennard Struff (rechts) mit seinem Ex-Anwalt Andrés Klein.

Warstein - Rüdiger Brüggemann, neuer Anwalt von Tennisprofi Jan-Lennard Struff, strebt im Streit mit dessen Ex-Trainerin Ute Strakerjahn eine außergerichtliche Einigung an. 

Der in Arnsberg geborene Rechtsanwalt Rüdiger Brüggemann und der Warsteiner Tennislehrer Dieter Struff, Vater des Profis Jan-Lennard, haben gemeinsam, dass sie vor über 30 Jahren beim Bau der Tennishalle im Wästertal Gründungsmitglieder des Warsteiner Tennisparks e.V. waren. Sie gehörten 1986 unter dem Vorsitz von Bernhard Jühe zum ersten Vorstand. 

Am Mittwoch dieser Woche saßen Brüggemann (62) und Struff wieder gemeinsam an einem Schreibtisch, diesmal in der Kanzlei. Mit dabei und jetzt im Mittelpunkt: Jan-Lennard Struff (28), der im Rechtsstreit mit seiner früheren Trainerin Ute Strakerjahn nun einen dritten Anwalt eingeschaltet hat. 

"Wie in Beton gegossen"

Nach Philipp Pröbsting (Bielefeld), zuständig bis zum ersten Urteil vor dem Landgericht Arnsberg im August 2017, und Andrés Klein (Köln), beauftragt mit dem Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Hamm im Juni 2018, strebt „Lokalmatador“ Brüggemann (Mülheim) nun ein Ende weiterer Auseinandersetzungen vor Gerichten an: „Ich halte eine außergerichtliche Einigung für möglich, daran arbeite ich. Wir streiten nicht mehr über die Wirksamkeit des Vertrages. Da hat das Oberlandesgericht das letzte Wort gesprochen. Das akzeptieren wir, das ist für uns wie in Beton gegossen“, sagte er. 

Das Landgericht Arnsberg hatte Jan-Lennard Struff in erster Instanz dazu verurteilt, Strakerjahn 246.000 Euro aus vertraglichen Vereinbarungen an Preisgeldern und Werbeeinnahmen zu zahlen. Eine Summe, die nur den Zeitraum bis 2016 betraf. 

In dem von Struff angestrengten Berufungsverfahren bestätigte der 12. Zivilsenat des OLG Hamm das Arnsberger Urteil, sprach Strakerjahn sogar zusätzliche 28.560 Euro zu. Dazu ließ das OLG Hamm vor drei Monaten wissen: „Eine Revision gegen das heute verkündete Urteil hat der Senat nicht zugelassen, so dass der Beklagte – wenn er das Urteil anfechten will – Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen müsste.“ 

Klein empfahl Gang nach Karlsruhe 

Genau jene Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe empfahl der Kölner Rechtsanwalt Andrés Klein seinem Mandanten, woraufhin Familie Struff neue juristische Beratung suchte – und bei Rüdiger Brüggemann fündig wurde. 

Brüggemann räumte einem Verfahren vor dem BGH keine Erfolgschancen ein, da es sich hier um „keinen Fall von grundsätzlicher Bedeutung“ handele. Brüggemann: „Ich bin nach Akteneinsicht schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass das sinnlos ist.“ 

Mit Übergabe des Streitfalls an Brüggemann gibt es nun keinen Gang nach Karlsruhe, vielmehr „befinden wir uns jetzt in der Abwicklung dessen, was das Oberlandesgericht ausgeurteilt hat“, wie der Warsteiner Rechtsanwalt am Donnerstag erklärte.

"Einvernehmlich und kurzfristig klären"

Letzte Hürde in dem Verfahren, in dem knapp 300.000 Euro das Konto wechseln: Bei den Zwangsvollstreckungskosten macht Strakerjahns Anwalt Christian Niedzwicki 8000 Euro geltend, Brüggemann errechnete nur 3000 Euro.

 „Die Meinungen gehen da ein bisschen auseinander, aber ich bin guten Mutes, dass wir das einvernehmlich und kurzfristig klären können“, so Brüggemann zum Differenzbetrag von 5000 Euro. Dann könne dieses Verfahren „in einem Monat endgültig ad acta“ gelegt werden. 

Nachlaufklausel bis zum Jahr 2022

Abgeschlossen wären damit Strakerjahns Forderungen bis zum Jahr 2016. Doch nach der vom Landgericht Arnsberg bestätigten Nachlaufklausel muss Struff bis zum Jahr 2022 zahlen, ist das nächste Verfahren vor dem Landgericht Arnsberg mit der Offenlegung aller Einnahmen Struffs aus dem Jahr 2017 für den 26. Oktober bereits terminiert. 

Brüggemann erklärte, dass er in rund zwei Wochen beim Landgericht Klageerwiderung einreichen werde. Zu den Erfolgsaussichten könnte er nichts sagen, versicherte aber, keinen neuen Krieg ausrufen zu wollen.

Brüggemann sagte, er wolle verhindern, dass Jan-Lennard Struff bis 2022 jedes Jahr aufs Neue auf die Anklagebank in Arnsberg müsse: „Ich bin der Meinung, dass, wenn man einen Vertrag hat, über dessen Wirksamkeit man nicht mehr streitet, man imstande sein sollte, ihn ohne richterliche Hilfe umzusetzen.“

"Vertrag nicht sittenwidrig"

Pröbsting und Klein hatten den 2012 zwischen Struff und Strakerjahn geschlossenen Vertrag mit zehn- bis 20-prozentigen Einnahmebeteiligungen vor den Gerichten als sittenwidrig auszulegen versucht. Brüggemann kommt zu einer anderen Erkenntnis: „Nach meinem Dafürhalten ist dieser Vertrag nicht sittenwidrig. Das ist ja nun auch richterlicherseits festgestellt worden. Bei Gericht sitzen nicht anders ausgebildete Leute als in unseren Anwaltskreisen. Ich finde die Ausführungen sowohl des Land- als auch Oberlandesgerichts bezüglich der Sittenwidrigkeit überzeugend.“ 

Insgesamt, so hatte es Strakerjahns Anwalt Niedzwicki im Juni grob errechnet, würde Struff der gesamte Prozess mit Zahlungen an Strakerjahn sowie Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren rund eine Millionen Euro kosten. 

Karriere-Preisgeld von knapp 3,5 Millionen US-Dollar

Struff hatte sich 2015 von der Lippstädter Trainerin Strakerjahn getrennt. Unter seinem neuen Trainer Carsten Arriens steht er derzeit auf Platz 50 der ATP-Weltrangliste im Einzel sowie auf Rang 29 im Doppel. Seit dem Start seiner Profilaufbahn im Jahr 2009 weist ihm die Association of Tennis Professionals (ATP), die Vereinigung professioneller Tennisspieler, ein Preisgeld von knapp 3,5 Millionen US-Dollar (rund 3 Mio Euro) aus.

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