Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger in Warstein

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Elisabeth Wiese, Dietmar Lange und Jürgen Kösters legten rote Rosen zu allen zwölf Stolpersteinen, die an der Hauptstraße und Auf’m Bruch verlegt wurden.

WARSTEIN -   Drei jüdische Mitbürger aus Warstein fielen dem Nationalsozialismus zum Opfer, neun mussten ihre Heimat verlassen und aus Deutschland auswandern. „Die Stolpersteine sollen die Namen dorthin zurückbringen, wo sie zu Hause waren“, erklärt der Künstler Gunter Demnig ein Projekt, dem er sich seit rund 20 Jahren verschrieben hat und zu dem seit gestern auch Warstein gehört.

Gunter Demnig hat bereits 50 000 Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Dabei ist er schon weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gereist, auch in Frankreich, Ungarn oder Russland liegen in Beton eingegossene Messingplatten mit Namen, die niemals in Vergessenheit geraten und an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnern sollen.

In Warstein wurden die Steine mit den Namen der Familien Cohn, Kaufmann und Gonsenhäuser gestern Mittag verlegt. Rund 50 Bürger waren dabei, als Gunter Demnig gemeinsam mit Manfred Gödde, Elisabeth Wiese, Dietmar Lange und Jürgen Kösters, dem Initiator der Aktion, die Steine in die Gehwege einließ. „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir Warsteiner Bürger in Stille an den Orten waren“, sah Dietmar Lange die große Bedeutung des Anlasses.

Im Anschluss an das Verlegen der Stolpersteine ging Jürgen Kösters, der sich viele Jahre lang mit dem jüdischen Leben in Warstein beschäftigt hat, im Sitzungssaal des Rathauses genauer auf die Schicksale der drei Warsteiner Familien ein. Er erzählte, dass die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 den Anfang des Schreckens für die Warsteiner Juden bedeutete. Sowohl das Manufaktur- und Aussteuergeschäft der Familie Gonsenhäuser an der Hauptstraße 33 als auch das Geschäft der Familie Kaufmann an der Hauptstraße 94 und die Synagoge wurden von der SS verwüstet. Es wurde ein Demonstrationszug gegen die Juden organisiert. Ein Anruf der Kaufmanns bei der Polizei brachte keine Rettung: Die Polizisten hatten die Anweisung bekommen, nichts zu unternehmen. Wenige Tage später wurde Julius Gonsenhäuser inhaftiert, im Dezember 1938 starb er in Buchenwald. Auch Irma Gonsenhäuser wurde deportiert, sie starb 1941/42 in Minsk. Das dritte Opfer der Nationalsozialisten war Bertha Kaufmann, sie wurde im Mai 1944 in Auschwitz ermordet.

„Das waren angesehene Warsteiner“, schilderte Bürgermeister Manfred Gödde, dass die jüdischen Familien ein Teil des gesellschaftlichen Lebens waren. So verloren die Familien Cohn und Kaufmann bei ihrer Flucht von Warstein nach Bolivien nicht nur ihre Existenzgrundlagen, sie mussten auch ihre Freunde und Bekannten zurücklassen. Von Bolivien aus ging die Flucht für die Warsteiner Familien weiter nach Argentinien, von dort führte die unfreiwillige Reise für einige nach Amerika, für andere nach Israel.

Mit den Stolpersteinen sind nun die Namen der jüdischen Mitbürger nach Warstein zurückgekehrt. „Erinnern, wachrütteln, wachbleiben, nicht vergessen. Das soll der Sinn sein“, benannte Manfred Gödde die Aufgabe der Stolpersteine. Mit einer geplanten Broschüre sollen die einzelnen Schicksale in Zukunft noch weiter in den Fokus gerückt werden. Um eine solche Broschüre mit Leben zu füllen, richtete Manfred Gödde den Appell an alle Zeitzeugen, die noch Erinnerungen an die Familien haben: „Meldet euch und erzählt uns die Geschichten!“´ - sw

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