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Stefan Wiedenstridt neuer Kaiser in Waldhausen

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Ein strahlendes Kaiserpaar: Stefan Wiedenstridt und Ina Klöer-Jäker am Sonntag beim großen Festumzug durch Waldhausen.
Ein strahlendes Kaiserpaar: Stefan Wiedenstridt und Ina Klöer-Jäker am Sonntag beim großen Festumzug durch Waldhausen. © Christian Clewing

Waldhausen – Als Stefan Wiedenstridt vors Gewehr tritt, da ist vom stolzen Vogel „Antonius“ nicht mehr viel übrig. Nur ein kleiner Span hängt noch, kaum zu treffen, bei den letzten 125 Schüssen hat er schon ordentlich gelitten. Doch Stefan Wiedenstridt versucht sein Glück. Er legt an, zielt – und er trifft. Mit dem 126. Schuss macht er sich zum Kaiser und seine Königin von 2001, Ina Klöer-Jäker, zur Kaiserin. „Yeees!“, ruft er begeistert, als er auf die Schultern gehoben und gefeiert wird.

So lange hat Waldhausen auf dieses Jubiläumswochenende gewartet. „Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Oberst Dietmar Beele zuvor. „Mit eineinhalb Jahren Verspätung können wir unser langersehntes Kaiserschießen durchführen und damit unsere neue Vogelstange würdig einweihen.“ Das Projekt sei eine ganz schöne Herausforderung gewesen: vom Crowdfunding über die unzähligen Arbeitseinsätze vieler Schützenbrüder bis zur Pandemie, die zur absoluten Unzeit kam. „Aber, wie ihr seht, ist fast alles rechtzeitig zum heutigen Kaiserschießen fertiggestellt.“ Nur ein paar Restarbeiten sind geblieben – aber die hielten die ehemaligen Könige nicht davon ab, ordentlich auf den Vogel zu schießen. Nachdem Präses Pfarrer Raoul van Lieshout den Segen gesprochen und das Weihwasser-Aspergill geschwungen hatte, lag es am amtierenden König Martin Beele, den ersten Schuss auf die neue Vogelstange abzufeuern. Die ersten Federn – beziehungsweise Eier – ließ er aber erst beim vorletzten Ehrenschuss: bei Bürgermeister Dr. Thomas Schöne, der nach Pfarrer Raoul van Lieshout und vor Ortsvorsteher Rainer Kemper den dritten Schuss abgab. „Uuuuh, der will ‘ne“, tönte es schon aus den Reihen der Mülheimer Musik, aber dann dauerte es doch noch über eine Stunde, bis „Antonius“, der übrigens nach dem letzten schon verstorbenen Kaiser benannt wurde, endgültig aufgab.

Moderator Sebastian Hötte erinnerte in der ersten Runde, in der noch jede Menge ehemalige Könige mitschossen, an so manches denkwürdiges Schützenfest – an Königinnen, die während des Vogelschießens noch in der Abiklausur saßen, an leuchtende Einlagen des Schießmeisters durch Silvesterknaller und an Könige, die sogar aus dem Rheinland kamen.

Schon in der ersten Runde verlor „Antonius“ seine Insignien: Den Apfel sicherte sich Hubert Pankoke mit dem elften Schuss. Matthias Kußmann holte nicht nur das Zepter (16. Schuss), sondern im zweiten Durchgang auch die Krone. Sonst zeigte sich der Aar aber von seiner robusten Seite: Erst am Ende der dritten Runde sorgte Dietmar Beele dafür, dass er so richtig Federn ließ. „Der hat ihn fast zerlegt“, betonte Sebastian Hötte, denn der rechte Flügel hing nur noch an der seidenen Eierkette. Fast schon sah es so aus, als würde der Wind den Flügel komplett aus dem Fang holen, aber mit dem 97. Schuss holte doch Peter Cordes den Großteil des Vogels runter. Als Dietmar Beele zum 100. Schuss ansetzte, überlegten die Schützen schon, ob Julian Klöer danach überhaupt noch schießen müsse. Doch mit dem 103. Schuss ging es sogar noch in die fünfte und mit dem 119. Schuss in die sechste Runde. „Der sitzt verdammt fest da oben“, hieß es. Und: „Jetzt ist Übung gefragt.“ Unten vorm Zaun fieberte der kleine Schützen-Nachwuchs schon kräftig mit, drückte Daumen und überlegte, ob es wohl Leonies Papa oder ihr Opa wird oder ob Joshuas Opa auch eine Chance hat, obwohl sein Enkel davon überzeugt war, dass das eher nicht klappt, denn: „Der ist ja auch kein Jäger.“

Schließlich sorgte Stefan Wiedenstridt für die Überraschung und holte das klitzekleine Holzspänchen aus dem Kugelfang. Was ein Jubel! Mit musikalischer Untermalung wurde er erst auf die Schultern und dann auf den Tisch gehoben und mit seiner Kaiserin Ina Klöer-Jäker ordentlich gefeiert. Die wischte sich, sichtlich überrascht, erst einmal die Freudentränchen aus den Augen. Denn nach Waldhausener Schützenrecht regiert der Kaiser mit der Dame, die er damals auch als König an seiner Seite hatte – auch, wenn das schon lange nicht mehr seine Herzdame ist.

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