Standesbeamtin und Warsteins Gleichstellungsbeauftragte Ulla Müller gleitet in Ruhestand

Zwei halbe Stellen mit ganzem Herzen

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Die scheidende Gleichstellungsbeauftragte Ulla Müller (rechts) hat in Sylvia Lettmann bereits seit dem Sommer eine Stellvertreterin, die die gesetzliche Aufgabe in der Stadt Warstein fortsetzt. „Wir haben als Team schon gut zusammengearbeitet“, schätzt Ulla Müller ihre Nachfolgerin.

Warstein – Nahtlos gehen am 1. Januar 2020 die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Warstein von Ulla Müller auf Sylvia Lettmann über. Die Zeit bis dahin wird die scheidende Stelleninhaberin aber schon nicht mehr im Zimmer 47 im Bereich des Bürgerbüros im Rathaus verbringen: Ulla Müller verabschiedet sich am morgigen Donnerstag von ihren Kolleginnen und Kollegen, und dann auf der anderen Seite des langen Flures, wo sich auch das Trauzimmer befindet. In diesem Rathausbereich ist sie der anderen Hälfte ihrer beruflichen Tätigkeit in den vergangenen 13 Jahren nachgegangen: Ab 2006 hatte die 62-Jährige jeweils eine halbe Stelle im Standesamt und die der Gleichstellungsbeauftragten inne. Das Teilzeitarbeits-Modell macht’s möglich: Ab dem 1. Januar 2020 ist sie in der „passiven Phase“, nach zwei Jahren geht sie dann in Pension. „Fünfundvierzigeinhalb Jahre sind genug“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, die ihr „Handwerk“ auch schon in der Warsteiner Verwaltung gelernt hat. 22 Jahre lang war Ulla Müller Standesbeamtin, über 900 Paare haben sich von ihr trauen lassen. Die letzten beiden noch am Freitag vergangener Woche im Hochzeitszimmer des Rathauses.

Das hat Ulla Müller für sich „innerlich“ noch einmal zu einem Rückblick veranlasst, aber nicht bewogen, darüber nachzudenken, ob ihre Entscheidung für den Ruhestand richtig war: „Ich habe jetzt mehr Zeit für Sport, Lesen und Familie.“ Vom Kopf her also „alles richtig gemacht“.

Während im Standesamt Yvonne Leinberger ihre Aufgaben übernimmt, gehen die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten an Sylvia Lettmann weiter. Seit diesem Sommer ist die 42-Jährige bereits Ulla Müllers Stellvertreterin. Auch sie übernimmt das Amt als Halbtagsstelle, die andere Hälfte bleibt sie beim Stadtmarketing. „Ihre Kreativität hat Sylvia aber schon bewiesen, das wird sich positiv auf ihre neue Rolle auswirken“, ist Ulla Müller von der richtigen Stellenbesetzung überzeugt.

So ging schon das jüngste hausinterne Seminar auf Lettmanns Initiative zurück: Am Freitag vergangener Woche schulte die Opernsängerin Cornelia Fisch aus Soest die Teilnehmerinnen im Sitzungssaal des Rathauses unter dem Thema „Stimmig – präsent – überzeugend“. Es ging um ein selbstbewusstes und überzeugendes Auftreten von Frauen.

Zu solch einem Bildungsauftrag zählt Ulla Müller auch die langjährige Teilnahme an den „Mädchenwelten“-Wochen des Europa-Gymnasiums, für das sie aus dem Gleichstellungs-Budget von 1 300 Euro stets ein Scherflein beitrug: „Weil ich es für sehr wichtig halte.“ Da wird mit Lehrern und Sozialarbeitern zusammengearbeitet, so wie Ulla Müller auch stets andere das Thema Gleichstellung befruchtende Kontakte pflegte: „Im Rathaus ist man eine kleine Einzelkämpferin, aber die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Soest sind gut vernetzt“, lautet eines ihrer Fazits aus 13 Jahren in dieser Aufgabe. „Zum Glück“ nur zweimal musste sie zwei Frauen aus höchster Not helfen, die sie in Frauenhäuser vermittelte.

Einmal in der gesamten Zeit hat sie – Gleichstellung betrifft nicht nur Frauen – einem Mann telefonisch einen Rat gegeben. Sylvia Lettmann hat sie an die Aufgabe herangeführt, und die hat mit der Organisation von Aktionen zum Internationalen Tag der Frau am 8. März bereits eine naheliegende Aufgabe.

In der Bundeshauptstadt Berlin ist der 8. März bereits gesetzlicher Feiertag, das auch für Nordrhein-Westfalen durchzusetzen, wäre ein schöner Erfolg: „Aber dann nicht, um einen weiteren Tag frei zu haben, sondern um die Gleichstellung ins Bewusstsein zu rufen. Das ist nämlich noch längst nicht geschafft“, sagt Sylvia Lettmann, die die fünfte Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Warstein nach Schaffung der Stelle im Jahr 1984 – nach Uta von Wecus (heute noch Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Soest), Sabine Gottbrath, Annette Clement und Ulla Müller – ist.

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