Kritik von Bürgermeister und Ortsvorsteher

Sparkasse Lippstadt zieht sich aus Allagen und Hirschberg zurück

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Die bislang noch Personen-besetzte Sparkassen-Filiale in Allagen (oben) wird Mitte November geschlossen. Auch der Geldautomat bleibt im Zentrum Allagens nicht erhalten.

Warstein/Lippstadt - Die Sparkasse Lippstadt zieht sich aus zwei Ortsteilen der Stadt Warstein zurück. In Allagen wird die zurzeit noch Personen-besetzte Filiale im Dorfzentrum am 16. November geschlossen, in Hirschberg geht die Sparkassen-Präsenz am gleichen Tag mit der Schließung der SB-Filiale zu Ende.

Dort wurde mit dem Mitbewerber Volksbank vereinbart, dass Sparkassen-Kunden sich am Geldautomaten in der Volksbank-Geschäftsstelle mit Bargeld versorgen können. Auch Belecke ist betroffen. „Sparkasse Lippstadt und Volksbank Hellweg haben gemeinsam beschlossen, die SB-Filiale Lanfer zu schließen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Grund für alle Maßnahmen: Das Kundenverhalten habe sich stark verändert. Bürgermeister und Ortsvorsteher kritisierten gestern die Entscheidungen der Sparkasse.

Die Hälfte alle Kunden mache heute bereits Online-Banking, Tendenz steigend, erläuterte Sparkassen-PR-Leiter Thomas Raulf die Maßnahmen seines Hauses. Dadurch gebe es deutlich weniger Kundenfrequenz in den Filialen. Auch die Geldautomaten würden weniger genutzt, weil viel mehr mit Karte oder auch online eingekauft werde. Zudem bieten einige Supermärkte Bargeldauszahlung an der Kasse an. Diese Entwicklung bekommt seit Jahren der Geldautomat am Rütherplatz zu spüren, der gemeinsam von Sparkasse und Volksbank betrieben wird. Die Auslastung sank, kontinuierlich, nach der Schließung des Rewe-Supermarktes ist nunmehr die Komplett-Aufgabe dieses Standortes die Konsequenz: Die Sparkasse baut ihren Geldautomaten und den Kontoauszugdrucker und die Volksbank ebenfalls ihren Kontauszugdrucker ab.

Besonders betroffen von den Einschnitten ist Allagen, wo mitten im Ort zukünftig ein weiteres Ladenlokal leer stehen wird. Vor zehn Jahren hatten Volksbank und Sparkasse bereits fast zeitgleich den Rückzug aus dem Allagener Ortskern angekündigt. Die Volksbank setzt dies trotz Proteste von Allagener Kunden mit der Zusammenlegung von Sichtigvor zu einer neuen Personen-besetzten Geschäftsstelle im Gewerbegebiet Fritz-Josephs Straße um. Die Sparkasse ruderte zurück. Im Zuge der Übernahme der notleidenden Sparkasse Warstein-Rüthen durch Lippstadt wurde zum damaligen Zeitpunkt darauf verzichtet. Nun, da in Allagen Investitionen in fünfstelliger Größenordnung anstehen, soll aber endgültig geschlossen werden. Seit 2012 war die Filiale nur noch teilgeöffnet mit zwei Mitarbeitern. Margret Bräutigam und Thomas Goesmann arbeiten ab 19. November in der Sparkasse in Belecke und bleiben dort als Ansprechpartner für die Kunden aus dem Möhnetal erhalten. Für die Bargeldversorgung verweist die Sparkasse auch auf die SB-Filiale in Sichtigvor. Für nicht mobile Kunden, die dies nicht nutzen können, wird ein „Bargeld Bring-Service“ eingerichtet. Zudem können Kunden ohne PC zuhause sich eines „medialen Service-Centers“ bedienen. Per Telefon kann ein Blick aufs Konto genommen und können einige Leistungen abgewickelt werden.

Allagens Ortsvorsteher Gerald Wege bedauerte gestern den Rückzug der Sparkasse, auch wenn er nachvollziehen kann, dass die Filiale für sich betrachtet unrentabel sein dürfte. „Wir hätten uns zumindest gewünscht, dass der Geldautomaten bleibt“, sagte Wege. „Gerade die Älteren benötigen die Bank vor Ort“, so seine Überzeugung.

Deshalb hat er sogar den heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Blöming eingeschaltet, „damit zumindest der Geldautomat bleibt.“ Ein weiteres Problem entsteht, weil damit der Standort für den Defibrillator wegfällt. Da habe die Sparkasse aber Hilfe zugesagt. Trotzdem ist Gerald Wege sauer. „Ich habe Herrn Riepe gesagt, irgendwann kommt die Zeit, dann rächt sich das. Dann lauft ihr den Kunden wieder hinterher.“ Er als Vertrieb’ler könne enttäuschten Allagener Sparkassen-Kunden nur raten, die Konsequenzen zu ziehen.

„Ich halte die Entscheidungen der Sparkasse für falsch“, sagte auch Bürgermeister Dr. Thomas Schöne. Gerade mit Blick auf die Bemühungen zur Ortskern-Belebung in Hirschberg aber vor allem auch in Allagen. Unverständlich sei für ihn, dass die Sparkasse nicht wie in Lipperbruch eine Umwandlung zur SB-Filiale vornehme, sondern komplett schließe. Er sei von der Sparkasse als Hauptverwaltungsbeamter informiert worden, sei aber kein Mitglied im Verwaltungsrat. „Ich habe unsere Position dargestellt“, auf die Entscheidung habe er keinen Einfluss nehmen können. „Aus meiner Sicht hätte man einen anderen Weg finden müssen.“

Hirschbergs Ortsvorsteher Franz Linneboden bedauert die Einschnitte, hält sie für Hirschberg aber für „überschaubar“. Schon seit 14, 15 Jahren gebe es nur die SB-Filiale. „Das hat dem Ort nicht weiter geholfen“. Allerdings werde er sich nun umso mehr dafür einsetzen, dass die Volksbank-Geschäftsstelle bleibe. Er wolle versuchen, den „kleiner Aderlass“ zum Positiven zu wenden. Vielleicht könne man die frei werdenden Räume mitten in Hirschberg neben dem „Sauerländer Hof“ besser nutzen, vielleicht sogar für dessen Erweiterung. „Darin kann auch eine Chance liegen.“

Die Sparkasse Lippstadt verweist darauf, dass ihr Filialnetz und ihr Serviceangebot weiter „überdurchschnittlich“ seien. Im Stadtgebiet Warstein gibt es bald statt bislang an acht nur noch an fünf Stellen Geldautomaten und zwar in Warstein am Combi-Markt und in der Sparkasse, in Suttrop gemeinsam mit der Volksbank, in Belecke und in Sichtigvor. Personal verbleibt nur noch in Belecke und in Warstein.

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