„Warsteiner haben von allen Solidarität verdient“

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Kreisdirektor Dirk Lönnecke informierte im Forum des Gymnasiums über die Legionellen. ▪

WARSTEIN ▪ So fern der Krisenstab während des Erkrankungs-Geschehens der Stadt Warstein geblieben war, so intensiv mit Daten, Zahlen und Fakten ausgerüstet rückten die Experten am Montagabend im Forum des Gymnasiums an, um allen Warsteiner Bürgern im Rahmen einer Sonderratssitzung Rede und Antwort zu stehen.

Der Kreis informierte umfassend über all das, was Warstein über vier Wochen lang in Atem gehalten hat. Nach zweieinhalb Stunden erhielt Landrätin Eva Irrgang Applaus, als sie zusagte, nach Ende der Krise der gebeutelten Stadt auch wirtschaftlich zu helfen. „Ich werde alle Kanäle nutzen und gemeinsam mit der Stadt nach Fördertöpfen suchen. Dann sollten wir den Vorstoß wagen.“

Aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln stellten der Leiter des Krisenstabes Dirk Lönnecke, der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Frank Renken und der verpflichtete Experte Prof. Dr. Exner den Ablauf und den unterschiedlichen Erkenntnisstand zu den einzelnen Zeitpunkten dar. Dr. Renken machte auf eine Schwierigkeit ganz zu Anfang aufmerksam. Bei den Legionellen-Tests gab es im Vergleich zu anderen Ausbrüchen wenige positive Nachweise. Schließlich habe man festgestellt, dass das vom Krankenhaus beauftragte Labor Verfahren verwendete, die wenig effektiv waren. Der Kreis habe sich daraufhin im nationalen Referenzlabor in Dresden beraten lassen und auf andere Tests zurück gegriffen. Diese hätten bessere Ergebnisse gebracht. Thomas Schumacher, Maria-Hilf-Chefarzt, wollte dies allerdings nicht so stehen lassen und sah keine deutlichen Vorteile im Verfahrenswechsel.

Sonderratssitzung zum Thema Legionellen

Dr. Renken erläuterte noch einmal den Prozess der Ursachensuche. Drei Erkrankte, die im fraglichen Zeitraum ihr Haus nicht verlassen hätten, seien das sichere Indiz gewesen, „dass die Quelle zu den Menschen gekommen sein muss“.

Weil die Feintypisierung der Esser-Probe erst mit der Untersuchung des letzten Stammes gelungen sei, habe man die Absage der Montgolfiade und auch die Reisewarnung vorgenommen. „Am 30. August war der Nachweis für uns fast schon unwahrscheinlich geworden“, so Dr. Renken. Gleichzeitg habe es an diesen Tagen viele Anfragen von Seniorengruppen gegeben, die nach Warstein reisen wollten. Dr. Renken: „Man pokert nicht mit der Gesundheit von Menschen.“

Prof. Dr. Exner wies darauf hin, dass die Warsteiner Bürger selbst allerdings von ihrem Krankenhaus bestens versorgt worden seien. Im Durchschnitt liege die Sterberate bei Legionellen-Ausbrüchen bei sieben Prozent. „Warstein hat unter zwei Prozent, das ist Glück im Unglück.“ Einer der beiden Verstorbenen hatte sich dabei gar nicht ins Krankenhaus begeben und war deshalb auch nicht mit dem Antibiotika-Cocktail versorgt worden, den die behandelnden Ärzte von Anfang an gereicht hatten und mit dem sie beste Erfahrung machten. Prof. Dr. Exner: „Das Krankenhaus hat mit guter Diagnostik und adäquater Therapie gerabeitet. Früher hätte dies bedeutet, dass bei 165 Erkrankten 15 oder 16 gestorben wären.“

Der Ausbruch in Warstein werde, so Prof. Dr. Exner, dazu beitragen, dass es in Zukunft für viele Menschen in Deutschland solche Gefahren nicht mehr gibt. Es müsse eine Meldepflicht für Rückkühlwerke und Regeln für die Wartung geben. Deshalb hätten „die Warsteiner Bürger von allen Solidarität verdient“. Der Kennstamm der verantwortlichen Legionellen werde als Sequenztyp 345 des Subtyps Knoxville nun mit Warstein verbunden. Gefunden wurde er sowohl im Rückkühlwerk von Esser als auch in geringer Konzentration im Rückkühlwerk der Brauerei – und natürlich in großer Konzentration in beiden Klärbecken. Die Wasserentnahme aus Wäster und Möhne bleibt weiter untersagt. Selbst im 12 Kilometer entfernten Völlinghausen fanden sich in der Möhne noch Werte von 11000 bis 14000 KBE/100ml.

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