54-Jähriger vom Landgericht verurteilt

Sechs Jahre Haft für Kindesmissbrauch in Warstein

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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Warstein - Auf sechs Jahre Haft lautet das Urteil des Landgerichts Arnsberg für einen 54-jährigen Familienvater, der seine Stieftochter in Hirschberg nach Ansicht der Kammer sexuell missbraucht hat.

Verteidigung wie auch Staatsanwaltschaft hatten nach sechs Verhandlungstagen Freispruch beantragt, Rechtsanwältin Regina Bazilowski als Vertreterin der Nebenklage hatte eine Bestrafung gefordert, ohne dabei ein Strafmaß zu fordern. 

Gegen das Urteil können Verteidiger Nils Schiering und die Staatsanwaltschaft innerhalb von einer Woche Revision beim Bundesgerichtshof beantragen, wobei die Staatsanwältin Krippendorf das für die Anklageseite gestern ausschloss, während davon auszugehen sei, dass die Verteidigung es tun werde. Anwalt Nils Schering war nicht zu erreichen. 

Angeklagt waren insgesamt sieben Missbrauchsfälle, wobei in einem Fall ein Freispruch erfolgte. Verurteilt wurde der Mann in drei Fällen wegen schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern jeweils in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen sowie in drei Fällen von sexuellem Missbrauch, davon ein Fall von versuchtem sexuellem Missbrauch von Kindern. Das heißt, die Taten müssen begangen worden sein, bevor das Mädchen das 14. Lebensjahr erreicht hatte. 

„Aus Sicht der Kammer ist sicher, dass die Taten, wie geschildert, stattgefunden haben“, erklärte Dr. Johannes Kamp, Pressesprecher am Landgericht Arnsberg. 

Sämtliche Plädoyers waren nichtöffentlich gehalten worden, weil darin aus der Aussage des Opfers zitiert wurde, die im Laufe des Prozesses unter Ausschuss der Öffentlichkeit gemacht worden war. 

Während Verteidigung und Staatsanwaltschaft die Übergriffe als nicht erwiesen sahen und auch die Aufhebung des Strafbefehls beantragten, hielt die Kammer unter Vorsitz von Richter Markus Jäger auch den Strafbefehl aufrechterhalten. 

Der Angeklagte sitzt seit etwa einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Im Lauf des Prozesses schwieg der 54-Jährige, der nicht einschlägig vorbestraft ist. Nach Verlesung der Anklageschrift zum Prozessauftakt hatte er sich eingelassen mit der Äußerung: „Ich kann zu diesen Taten nichts sagen, sie haben nicht stattgefunden.“ Er könne sich vorstellen, dass seine Ex-Frau ihre Tochter zu solchen Behauptungen bringe. 

Gerade diese Behauptung der Einflussnahme wollte Diplom-Psychologin Cornelia Orth am letzten Verhandlungstag in ihrem Gutachten widerlegen. Sie hatte mit der in Thailand geborenen und im Alter von acht Jahren zu ihrer Mutter und deren Familie nach Meschede gezogenen Jugendlichen gesprochen, und da blieb es nicht aus, dass auch einzelne Taten genannt wurden. 

Demnach waren sie im Wohnzimmer, im Badezimmer und im Kinderzimmer des Mädchen in zwei Wohnungen in Hirschberg passiert, wohin die Familie gezogen und einmal innerhalb des Ortes umgezogen war. 

Als es elf Jahre alt war, passierte demnach der erste Übergriff, und diese sowie weitere Geschehnisse wie die erst im zweiten Versuch passierte Entjungferung durch den Stiefvater hatte die Schülerin der Gutachterin geschildert – aber wohl anders, als in der Vernehmung durch die Polizei oder bei ihrer Aussage im Zeugenstand. 

Auch im Auto soll es zu Geschlechtsverkehr gekommen sein, auf dem Parkplatz eines Flugplatzes. Hier gab es unterschiedliche Versionen darüber, ob das ein- oder zweimal geschah, und in welchen Positionen sich Vater und Stieftochter befanden. 

Der Kammer reichte die Gesamteinschätzung der Gutachterin im Gegensatz zu Verteidigung und Anklage, die beide nachbohrten, weil etwa Aussagen zum Einsatz von Sexspielzeug oder Gewaltanwendung im Gutachten nicht – wie an anderer Stelle – erwähnt wurden. 

Während des Prozesses war immer wieder die Frage gestellt worden, ob im Freundeskreis des Mädchens nichts vom Missbrauch bekannt gewesen sei. Am Donnerstag sagte der letzte Zeuge, ein 17-Jähriger: „Einmal hat sie gesagt: Da ist mein Vater. Der hatte Sex mit mir“.

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