„Schöne“ Hirschberger Lärchen dürfen sich bald vermehren

Martin Lappe und Heike Herrmann unterzogen die Baumkronen einem kritischen Blick. - Fotos: Großelohmann

Hirschberg -   Die Baumkletterer können kommen! Am Dienstagmorgen erhielt das städtische Forstamt für einen kleinen Lärchenwald unterhalb des Lattenbergs grünes Licht für die Nutzung von 20 Bäumen als Saatgut-Lieferanten für neue Lärchen-Pflanzungen.

„Die Bäume sind sehr schön gerade, das Holz ist nur wenig astig“, lobte Martin Lappe an der Spitze der vierköpfigen Delegation der „Kontrollstelle für forstliches Vermehrungsgut bei Wald und Holz NRW“. „Zulassungsfähig“, lautete das Ergebnis, über das sich Edgar Rüther in seiner Eigenschaft als „Sachgebietsleiter Forst“ der Stadt Warstein freute.

Die europäische Lärche wird beim Waldumbau im Zusammenhang mit dem Klimawandel künftig eine größere Rolle spielen. Auch im Stadtwald, wo sie bis dato am Gesamtbestand nur einen kleinen Anteil in der Größenordnung von wenigen Prozent hat. Daher ist es wichtig, dass ausreichend qualitativ hochwertiges Saat- und Pflanzgut der richtigen Herkunft zur Verfügung steht. Da dieses nur aus speziell zugelassenen Waldbeständen gewonnen werden darf, hatte die Stadt einen Antrag bei Wald und Holz NRW gestellt.

Erntebestände werden immer für bestimmte Herkunftsgebiete zugelassen, weil sie sich dort über Generationen an die Umweltbedingungen wie Klima und Bodenverhältnissen angepasst haben. Außerdem müssen sie bestimmte Anforderungen an Alter, Mindestbaumzahl zur Sicherung der genetischen Vielfalt, Vitalität und natürlich Qualität der Stämme erfüllen.

Für den 80-jährigen Lärchenbestand am Lattenberg war besonders wichtig, dass er nur aus europäischer Lärche besteht und dass sich keine japanische Lärche untergemischt hat. Diese Sorge Edgar Rüthers entkräftete Martin Lappe gestern. Und auch in der unmittelbaren Nähe gibt es keine Störung durch die japanische Art. Dazu hatte der „Kontrolleur“ sogar eigens Luftbilder ausgewertet.

Nachdem alle Kriterien erfüllt sind, bekommt der Lärchenbestand nach seiner Zulassung eine Nummer und wird in ein landesweites Register aufgenommen. Danach darf er beerntet werden und die angezogenen Pflanzen „made in Hirschberg“ kommen zurück in den Wald. Im Stadtwald gibt es bereits 13 zugelassene Erntebestände für Rotbuche (5), Stieleiche (1), Traubeneiche (1), Fichte (5) und Douglasie (1).

Die kleinen, fast runden Zapfen der Lärche müssen unreif vom Baum gepflückt werden. Dazu kommen spezielle Baumkletterer. In einem guten Jahr können sie rund 20 Kilogramm Zapfen je Baum ernten. Daraus gewinnt man rund ein Kilogramm reine Samen, aus denen man dann 20 000 kleine Bäume anziehen kann.

Damit Waldbesitzer und Förster auch sicher sein können, die Pflanzen mit der bestellten Herkunft zu bekommen, werden bei jeder Ernte Rückstellproben eingelagert. So kann jederzeit über eine genetische Untersuchung die Richtigkeit überprüft werden. Diese Überprüfbarkeit fordern auch das „PEFC-Zertifikat“, über das der Warsteiner Wald verfügt.

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