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Schloss Mülheim „bald wieder der Stolz unserer Gemeinde“

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Von: Reinhold Großelohmann

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Winterspaziergang zum schönsten Fleck des Ortes, der Mülheimer Schlacht. Ortsvorsteherin Susanne Kemker ärgert sich, wenn Dinge sinnlos zerstört werden, wie etwa die Ruhebank hier an der Möhne.
Winterspaziergang zum schönsten Fleck des Ortes, der Mülheimer Schlacht. Ortsvorsteherin Susanne Kemker ärgert sich, wenn Dinge sinnlos zerstört werden, wie etwa die Ruhebank hier an der Möhne. © Bernd Kempker

Susanne Kemker ist seit der Kommunalwahl 2014 Ortsvorsteherin von Mülheim. Die 55-Jährige versah dieses Amt anfangs als Wirtin im Bauernstübchen von der Theke aus, nach dem Ausscheiden dort führt sie es von ihrer Wohnung in der Neuen Straße aus weiter.

Mülheim – In der Größen-Rangliste der neun Ortschaften der Stadt Warstein bekleidet Mülheim den achten und damit vorletzten Platz. Das Dorf im mittleren Möhnetal, das an vielen Stellen unmittelbar ins benachbarte Sichtigvor übergeht, zählt zu Beginn dieses Jahres 841 Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit genau wie sein kleiner Kirchspiel-Nachbar Waldhausen nur dreistellig. Was jedoch den Bekanntheitsgrad Mülheims angeht, ist dies anders – auch ganz davon abgesehen, dass es noch viele andere Mülheims im ganzen Land, wie etwa das große Mülheim an der Ruhr, gibt. Verantwortlich für die Bekanntheit von Mülheim an der Möhne ist die wohl markanteste Sehenswürdigkeit des gesamten Möhnetals, das im „Grenzgebiet“ zwischen Sichtigvor und Mülheim gelegene historische Gemäuer der einstigen „Deutschordenskommende“ – früher wegen seiner Bewohnerinnen „Kloster Mülheim“ genannt und inzwischen aufgrund der Architektur mit dem für alle noch etwas ungewohnten Begriff „Schloss Mülheim“ belegt. Susanne Kemker ist seit vielen Jahren Ortsvorsteherin von Mülheim und macht sich zum Jahresbeginn 2021 – nach den positiven Entwicklungen des vergangenen Jahres gefragt – „berechtigte Hoffnung, dass das Schloss Mülheim bald wieder der Stolz unserer Gemeinde sein wird.“

Für Susanne Kemker, die seit 2014 ihren Ort als Ortsvorsteherin vertritt, stand bereits das vergangene Jahr unter dem Vorzeichen des Mülheimer Ortsjubiläums im Jahr 2022. Dann sollen alle Bürgerinnen und Bürger Mülheims – vermutlich im Monat August – das 950-jährige Bestehen groß feiern.

Doch aus der langfristigen Planung im vergangenen jahr wurde nichts. Ein paar Mal habe man im Corona-Jahr beim Stammtisch im Bauernstübchen mit wenigen Leuten zusammen gesessen. Die größere „Mülheimer Runde“, bei der Vereine und Gruppierungen vertreten sind, konnte wegen des Lockdowns nicht tagen. So soll die Planung nun in diesem Jahr verstärkt werden, aber auch derzeit ist dies wieder nicht möglich. Trotzdem sagt Susanne Kemker: „Die Planung des Jubiläums im August 2022 steht auch dieses Jahr im Vordergrund. Zwar haben viele Treffen 2020 für die Mülheimer nicht stattfinden können, wir haben aber in kleinen Gruppen weitere Schritte besprochen. Sobald wir den Stammtisch im Bauernstübchen und die Mülheimer Runde wieder durchführen dürfen, geht’s mit viel Elan weiter.“

Auch beruflich hat die Corona-Pandemie bei Susanne Kemker und ihrem Mann Bernd, die einst das „Bauernstübchen“ im Ort selbständig führten, inzwischen aber beide als Angestellte in der Gastronomie tätig sind, voll zugeschlagen. Sie sagt. „Mir blutet das Herz, wenn ich die angespannte Lage sehe, in der sich die Gastronomie befindet. Natürlich sind auch andere Gewerbetreibende von der Pandemie bedroht, da ich aber seit 35 Jahren in der Gastronomie arbeite, bin ich mit der Situation bestens vertraut. Gerade das vorweihnachtliche Geschäft, das ich immer gerne als Erntezeit bezeichne, ist uns durch die Lappen gegangen. Ich bewundere das Engagement vieler Gastronomen, die durch den Außer-Haus-Verkauf noch versuchen, das damit zu kompensieren. Natürlich werden vom Staat Ausgleichszahlungen angeboten, das bringt aber nicht die Einnahmen der abgesagten Feierlichkeiten von über zehn Monaten zurück.“

Susane Kemker arbeitet inzwischen in der „Waldwirtschaft“ im Bilsteintal, ihr Mann auf dem Ini-Gutshof in Suttrop. Beide sind optimistisch, dass es mit Corona vielleicht bald vorbei ist,

Das wäre natürlich auch für den Ort wichtig, denn 2020 ist arg viel ausgefallen, von Schützenfest über Festverding und Seniorenadvent bis zur Weihnachtsfeier am Dorfplatz, wo aber wenigstens ein strahlender Tannenbaum ein optimistisches Zeichen setzte. In einem Brief an Ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger, den sie gerade fertig geschrieben hat, möchte Susanne Kemker den Optimismus an ihre Mitbürgerinnen und -bürger weitergeben.

Der Blick nach vorn hat auch einen weiteren Grund. Sehr gut ist nämlich die Vermarktung des Glasfaseranschlusses gelaufen – trotz Corona-Bedingt ausgefallener Bürgerversammlung. Susanne Kemker persönlich ist mit den Vertretern der innogy von Tür zu Tür gegangen, um Werbung für die zukuftsweisende Anbindung ans schnelle Datennetz zu machen. Gerade erst habe sich beim Teil-Ausfall des Sewinet wieder gezeigt, dass eine Verbesserung dringend nötig ist. Denn in diesen Zeiten mit hohem Bedarf durch Homeoffice und Homeschooling brauche es deutlich größere Kapazitäten. Froh ist sie, dass schon im 2. Quartal mit den Arbeiten am Glasfasernetz, das ja in der Möhnestraße bereits liegt, begonnen wird.

Denn schließlich richtet Susanne Kemker den Blick nach vorn. Sie wünscht sich mehr Bauplätze für den Ort. Aktuell könne die Nachfrage von jungen Leuten, die im Ort bleiben möchten, kaum durch die Handvoll Baulücken, die es gebe, bedient werden. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung lobt sie in dieser Sache ausdrücklich.

Der zunehmende Vandalismus im Ort macht ihr Sorgen. „Es kann nicht sein, dass nur aus Spaß zum Beispiel die Bank an der Mülheimer Schlacht zerstört wird. Zerbrochenes Glas und anderer Unrat an diesem schönen Fleckchen sind besonders für Kinder und Hunde gefährlich.“ Sie ist sicher, dass ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger ihrer Meinung sind und sie unterstützen. Derzeit ist die Kontaktaufnahme durch das Gebot, Abstand zu halten, eingeschränkt. Nur bei gelegentlichen Spaziergängen sieht man sich. Aber ihre große Hoffnung ist, dass bald wieder mehr möglich ist, um die Mitbürger zu treffen.

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