2. Elektromobilitätstag in Warstein

"Dröppelnder Ketchup" und 652 China-PS

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Staatssekretär Oliver Wittke umriss in einem engagierten Vortrag vor 200 Zuhörern das aus seiner Sicht große Potenzial der Elektromobilität.

Warstein - In 4,4 Sekunden auf 100 km/h. 652 PS unter der Haube. Und das Ganze als Elektroauto. Bei einer „Ladezeit“ (oder besser Batterie-Wechselzeit) von wenigen Minuten ist Reichweite kein Thema mehr. Wie das Gefährt heißt? Nio ES8. Aber: Der Elektro-SUV ist derzeit nur in China zu haben – für 60 000 Euro. Gestern stand ein hellblau-metallic Exemplar schon einmal auf dem Belecker Infineon-Parkplatz als „Star“ der E-Autoschau zum Elektromobilitätstag. „Star“ der folgenden Vortragsveranstaltung war Staatssekretär Oliver Wittke, der in seiner engagierten Rede größte Zukunfts-Chancen für die Elektromobilität in der Region formulierte.

Auch wenn Förderprogramme die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen rasant ansteigen lassen soll, so ist die Elektromobilität in diesem Jahr etwas aus dem Fokus geraten. Das zeigte sich auch bei den geringeren Anmeldezahlen für die Großveranstaltung. Vor zwei Jahren hatte es an gleicher Stelle die Premiere des Elektromobilitätstages gegeben. Daran erinnerte IHK-Präsident Andreas Rother in seinen Begrüßungsworten. Man sei weit entfernt vom einstigen Ziel eine Million Elektroautos in 2020. Das vor zwei Jahren formulierte Bild „Der Ketchup dröppelt langsam“ habe sich noch nicht wesentlich gewandelt. Hoffnung mache die Entwicklung in Norwegen und Holland, wo es deutlich bergauf gehe.

 Oliver Wittke führte in seiner Rede den Zuhörern aus Wirtschaft und Politik die Chancen der Elektromobilität als „technologische Zeitenwende“ vor Augen. Er erinnerte an Carl Benz, für den es ebenfalls viele Hürden gab, als dieser 1886 seinen Motorwagen zum Patent angemeldet hatte. Kaiser Wilhelm II. sah im Auto ja sogar nur eine „vorübergehende Erscheinung“, setzte aufs Pferd. Das Auto jedoch sei eine „wohlstandsbegründende Technologie“ geworden. Darauf setzt der Staatssekretär auch jetzt, wünscht sich jedoch „etwas mehr Euphorie und Gründergeist“. Den sieht er allerdings nicht bei den „etwas trägeren Autokonzernen“. Aufgabe der Bundesregierung sei deshalb, den „notwendigen Strukturwandel in der Automobilindustrie anzuschieben“. Dies wolle man mit einer Reform der Unternehmenssteuern machen. Wer stark in Forschung und Entwicklung investiert, soll entlastet werden. Unternehmen, die mit neuen Ideen kämen, müssten belohnt werden. „Hier müssen wir mehr tun bei Steuererleichterungen.“ Bei den Förderungen sieht Wittke die Bundesregierung auf dem richtigen Weg. Das Umweltbonus-Programm sei bis Ende 2020 verlängert. Der neue e-tron vom VW-Konzern werde damit für 26 000 Euro zu erhalten sein. Dass VW ab 2025 jährlich den Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen plane, sei bemerkenswert. Es gebe sogar ein Förderprogramm für akustische Warnhilfen, 10 Jahre Steuerbefreiung für Elektroautos und Sonderabschreibungen für E-Nutzfahrzeuge. Und im November werde die Regierung einen Masterplan für Lade-Infrastruktur vorlegen. Ziel sei ein Netz für 10 Millionen Elektroautos. 

Wittkes Appell geht weiter. Am Beispiel der Batteriezellfertigung erhob er seine Forderung, die komplette Wertschöpfungskette in Deutschland und Europa zu halten. „Wir dürfen das Geschäft nicht den Wettbewerbern aus Asien überlassen.“ Das hörte Infineon-Chef Dr. Arne Kohring gern. Die Halbleiter aus Warstein spielen eine Schlüsselrolle in E-Autos. Rund 50 Infineon-Chips gibt´s in jedem neuen Auto. Dass das Thema auch im Gesamtkonzern ganz oben auf der Agenda steht, machte auch der gestrige Besuch von Infineon-Vorstandsmitglied Jochen Hanebeck deutlich – und auch die sieben Fachvorträge, die Kern des Nachmittags bildeten

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