Rolf Wieskemper legt "Warsteiner Rotspon" auf

Ein Rotwein für die Bierstadt Warstein

Warstein - Die Bierstadt Warstein hat einen eigenen Rotwein. Rolf Wieskemper hat in Kooperation mit dem Weinhaus Cheval Quancard aus Bordeaux den "Warsteiner Rotspan" aufgelegt.

„Ich kenne nur zwei Weine, die die mir schmecken, und die, die mir nicht schmecken.“ Dr. Thomas Schöne, Bürgermeister der Bierstadt Warstein, gibt offen zu, dass er kein großer Weinkenner ist, die Nuancen verschiedener Früchte oder Gewürze im Rebensaft nicht herausschmeckt. 

Deshalb gab es bei der Präsentation des „Warsteiner Rotspons“ im Weinhaus Wieskemper Nachhilfe von Eva Jung vom Weinhaus Cheval Quancard. Es sind die Aromen von roten Johannisbeeren, Kirschen und Preiselbeeren, die den „Roten“ aus Bordeaux zu einem Bürgermeister-Wein machen – einem, der ihm schmeckt. 

Mit einem historischen Rückblick leitet die gebürtige Deutsche, die vor 31 Jahren nach Bordeaux gegangen war, um für ein Jahr Französisch zu lernen und dort hängen geblieben ist, die Weinpräsentation ein. Gewagt, denn schließlich ist mit Ortsvorsteher Dietmar Lange der Warsteiner Historien-Experte mit dabei. 

Doch der nickt zustimmend und gibt noch ein paar Ergänzungen, als Eva Jung vom wirtschaftlichen Aufschwung in Warstein im 14. Jahrhundert berichtet, der jetzt – fast 700 Jahre später – einen Warsteiner Rotwein hervorbringt. Denn der edle Rotwein hat – obwohl er ein 2016er Jahrgang ist – eine sehr viel längere Geschichte. 

Als Mitglied der westfälischen Hanse war Warstein auch ein Umschlagplatz für Waren. Kaufleute brachten „auf dem Rückweg ihrer Salz-, Fisch- und Getreidefuhren edle Bordeauxweine mit in den Norden Deutschlands“, ist auf der Flaschen-Rückseite zu lesen. Und so fand der Rotwein auch seinen Weg in die Bierstadt Warstein. 

Rotspan nannte man ihn damals. „Weil man rotes Holz gesehen hat, wenn man in das Fass geguckt hat“, erklärt Heinz-Jürgen Meile, Repräsentant von Cheval Quancard, einem Handelshaus, das mittlerweile zehn eigene Weingüter in Bordeaux besitzt. 

Aus Rotspan wurde irgendwann Rotspon. Ein Name, unter dem mittlerweile mehrere Hansestädte Wein anbieten. Warum also nicht auch Warstein?, dachte sich Rolf Wieskemper und entwickelte mit dem französischen Familienbetrieb die Idee für einen „Warsteiner Rotspan“ und setzte sie um. 

Herausgekommen ist ein Cuveé aus 80 Prozent Merlot und 20 Prozent Cabernet Sauvignon, der zwölf Monate in Eichenfässern gereift ist. Und Eva Jung erklärt, wie man ihn richtig probiert – erst mit den Augen, dann mit der Nase, zum Schluss mit dem Gaumen. Die tiefrote Farbe überzeugt, nun wird gerochen. 

„Ein sehr schönes Bukett von frischen roten Früchten. Frisch und fruchtig. Und eine ganz leichte Toastnote“, beschreibt sie ihre Eindrücke. 

Die Toastnote kommt von den Eichenfässern – dem Barrique-Ausbau. Gerade der stößt nicht bei allen Weintrinkern auf Gegenliebe, ist ihnen der Holzgeschmack doch oft zu stark. 

Nicht so beim „Warsteiner Rotspan“ , zeigt sich bei Stufe drei der Probe. „Was die Nase vom Wein wahrnimmt, ist okay, dann nehme ich ihn in den Mund“, schreitet die Wein-Expertin voran und erkennt nach der ersten Geschmacksprobe: „Was die Nase riecht, wird im Mund bestätigt.“ 

Der Geschmack von Kirschen, Johannis- und Preiselbeeren findet sich wieder. Und auch der Toast- oder Holzgeschmack – aber eben sehr dezent. 

Doch Eva Jung schmeckt noch mehr – „ein bisschen Minze, die Frische bringt“ und „etwas säuerliches“. 

„Das hat bei Wein eine etwas negative Bedeutung“, wirft Ortsvorsteher Dietmar Lange ein, der Rolf Wieskemper bei der Motiv-Auswahl für das Etikett unterstützt hat. Die Deutsch-Französin sucht nach dem richtigen Begriff für ihr Geschmackserlebnis und findet ihn: „Frisch und belebend.“ 

Und er ist nicht schwer, wie man es bei einem Bordeaux-Wein vermuten würde. Das sei sowieso ein Vorurteil. „Es gibt keine schweren Bordeaux-Weine“, meint Heinz-Jürgen Meile.

Sehr zufrieden mit seinem Rotspan ist Rolf Wieskemper. „Das ist im Abgang ein harmonisch, leichter Wein – alles in allem eine sehr runde Sache“, freut er sich. 

Und Eva Jung ergänzt: „Er ist eher elegant als wuchtig. Ein schöner Essensbegleiter, aber auch ein Wein, um sich für einen gelungenen Tag zu belohnen.“ 

„Vielleicht kann man mit diesem Wein das Hanse-Denken ein bisschen vorantreiben und ihn auch touristisch vermarkten“, erklärt Wieskemper zum Rotspan, der trotz „Mini-Auflage“ im erschwinglichen, einstelligen Euro-Bereich angesiedelt ist. „Und das ist eine Sache, mit der man das Stadt- und Geschichtsbewusstsein heben kann“, so Dietmar Lange.

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