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90 Meter hoch bis zum Wetterhahn

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Von: Christian Clewing

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Alles Okay mit Wetterhahn und Kreuz? Ansgar Bültmann kontrolliert in gut 90 Metern Höhe die Spitze von St. Pankratius.
Alles Okay mit Wetterhahn und Kreuz? Ansgar Bültmann kontrolliert in gut 90 Metern Höhe die Spitze von St. Pankratius. © Clewing, Christian

Diese Arbeit ist nichts für Leute mit Höhenangst. Für die Dachausbesserungen an der St. Pankratius-Kirche mussten die Handwerker sich in knapp 90 Meter Höhe begeben.

Warstein – Reparaturen am gut 90 Meter hohen Kirchturm von St. Pankratius waren früher ein Abenteuer. Mit einem speziellen Sitzgestell ging es durch eine der Wartungsöffnungen raus, dann wurde der Dachdecker entweder am Seil heruntergelassen oder hochgezogen.

Diese Zeiten sind aber längst vorbei, inzwischen muss von der Hubarbeitsbühne aus gearbeitet werden. Und weil beim Kran der Dachdeckerfirma Köhne aus Belecke bei 45 Metern Schluss ist, rückte am Montagmorgen zur Sturmschadenbeseitigung in luftiger Höhe ein Spezialgerät der Düsseldorfer Firma Gerken an, mit der selbst die Kontrolle des Wetterhahns hoch oben auf der Kirchturmspitze noch möglich war.

Als Schwertransport bis auf den Warsteiner Kirchplatz

Das Monstrum, das sich am Montag aus Düsseldorf nach Warstein auf den Weg machte, hat mit vier Metern Höhe, 2,55 Metern Breite und 17,5 Metern Länge zwar keine ungewöhnlichen Ausmaße, doch die aufwändige Konstruktion für eine Arbeitshöhe von 90 Metern sorgt für ein Gesamtgewicht von 48 Tonnen. Dadurch – und in Kombination mit den fünf Achsen – zählt der „GL 90 G“ bereits als Schwerlasttransport und darf nur mit Sondergenehmigung der Bezirksregierung bewegt werden. Daher machte sich die Arbeitsbühne samt vorgeschriebenem Begleitfahrzeug bereits um 3 Uhr in der Nacht auf den Weg nach Warstein, um nach etwas mehr als zweieinhalb Stunden auf dem abgesperrten Kirchenvorplatz vorzufahren.

Genau pünktlich, denn um 6 Uhr wäre Feierabend auf der Straße gewesen, denn der Schwerlastverkehr darf nicht mit dem Berufsverkehr kollidieren – gleiches gilt am Abend, spätestens um 16 Uhr musste der Koloss mit dem Kleinwagen im Schlepp wieder in der Landeshauptstadt sein. Dort in der Firmenzentrale ist er die zweitgrößte Arbeitsbühne, der „große Bruder“ kann bis 100 Meter und gehört damit zu den größten weltweit. Diese Großgeräte sind von Düsseldorf aus in ganz Europa unterwegs.

Die 48 Tonnen schwere Arbeitsbühne hat eine maximale Arbeitshöhe von 90 Metern.
Die 48 Tonnen schwere Arbeitsbühne hat eine maximale Arbeitshöhe von 90 Metern. © Clewing, Christian

Dringender Handlungsbedarf am Turm

Michael Köhne – mit Franz-Josef Köhne und Jannik Köhne bildet er die Chefetage des Dachdeckerunternehmens mit Sitz im Belecker Industriegebiet – zeigte sich beeindruckt von der großen Hubarbeitsbühne: „Mit unserem Kran kommen wir auf maximal 45 Meter“ – das sei schon viel, aber für einen Kirchturm wie in Warstein eben nicht ausreichend. Mit genau der doppelten Arbeitshöhe war das Spezialgerät aus Düsseldorf dann aber ausreichend für die Arbeiten bis in die Turmspitze mit Kreuz und Wetterhahn.

Der Schwerpunkt lag allerdings in der Ausbesserung von Schäden in der Schiefereindeckung in rund 70 bis 80 Metern Höhe. Die hatte man sich zuvor bereits mit der Drohne angeschaut und begutachtet. Dass dringender Handlungsbedarf besteht, hatte man bereits im Turm feststellen und letztlich auch von außen mit dem bloßen Auge sehen können. „Die Feuchtigkeit hatte schon durchgeschlagen, wir mussten handeln“, machte Jürgen Kösters vom Kirchenvorstand deutlich. „Das Wasser lief zum Teil schon an den Pfosten runter, wir mussten unbedingt alles dicht kriegen.“ Insbesondere an der Süd-West-Seite hatte der letzte Sturm für erhebliche Schäden im Schiefer gesorgt, dort gab es einige „ziemlich kaputte Stellen“. Die nicht unerheblichen Kosten werden zum Großteil vom Erzbistum übernommen, für die Gemeinde bleibt ein kleiner Eigenanteil.

„Ganz oben wackelte es ein bisschen“

Dachdeckermeister Ansgar Bültmann und Geselle Marcel Schütz durften in den Arbeitskorb steigen und – durch Spezialgurte gesichert – die Morgensonne in bis zu 90 Metern Höhe genießen. Während das Köhne-Personal beim eigenen Kran mit Korb selbst zu den Steuerhebeln greift, muss das Großgerät vom mitgemieteten Spezialisten dirigiert werden, der gestern die beiden Dachdecker im drehbaren Korb zentimetergenau an den Turm heranfuhr. „Ganz oben wackelte es ein bisschen“, so das Fazit von Bültmann nach dem Anfahren der Kirchturmspitze. „Das Kreuz rostet und müsste mal wieder gestrichen werden“, so der Fachmann, auch der Blitzschutzdraht müsste mal wieder ausgetauscht werden. Material für die Reparatur anderer Schadstellen hatte man im Arbeitskorb dabei, die Schieferplatten wurden dabei auch direkt hoch oben passend zugeschlagen und montiert. Nach Möglichkeit wurde die neue Deckung klassisch per Nagel und Hammer befestigt, angesichts des harten Eichenholzes musste ab und an aber auch – entgegen der Dachdeckerehre – dann doch zum Akkuschrauber gegriffen werden.

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