Spektakulärer Überfall im April

Warsteiner Raub-Prozess: Geständnis der beiden Angeklagten?

Mit ihren Verteidigern nahmen die beiden Angeklagten (2.v.l. und 2.v.r.) vor der Großen Strafkammer Platz. Simultan-Übersetzerinnen dolmetschten die Verhandlung.

Warstein/Arnsberg -  Vor dem Landgericht erfolgte am Donnerstag der Prozessauftakt nach dem spektakulären Raub Anfang April in Warstein. Angeklagt sind ein 23- und ein 40-Jähriger. Am Donnerstag schwiegen sie. Doch das soll sich ändern.

„Wir werden uns zu Beginn des nächsten Verhandlungstermins einlassen“, kündigte Rechtsanwalt Brüggemann aus Mönchengladbach im Namen seines Mandanten nach der vom Vorsitzenden Richter Teipel anberaumten einstündigen Verhandlungspause an. Gemeinsam mit Rechtsanwalt Gruhl vertritt er den 40-jährigen Albaner, der mit einem 23-jährigen Landsmann auf der Anklagebank des Landgerichts Arnsberg sitzt. Ihnen wird gemeinsamer schwerer Raub in Tateinheit mit Freiheitsberaubung vorgeworfen. Und auch Rechtsanwältin Bazilowski, die den 23-jährigen mutmaßlichen Täter vertritt, kündigte an, dass ihr Mandant Angaben machen werde.

Am 10. April dieses Jahres hatte die Tat für Aufsehen gesorgt, als bekannt wurde, dass in die Esser-Villa am Eulenweg ein Einbruch verübt worden war und die Täter flüchtig seien. Mit Hubschrauber und Polizeihunden wurde nach den Tätern gefahndet, die schließlich vom Polizeihund gestellt wurden.

Opfer tritt als Zeugin vor Gericht

Die beiden Albaner sollen sich gegen 8.50 Uhr zu der freistehenden Villa begeben haben, über einen etwa zwei Meter hohen Zaun geklettert sein und sich Zutritt zu der Villa verschafft haben. In dem Haus sollen sie auf die Haushälterin getroffen sein, die auf das Haus aufpassen sollte. Der ältere der beiden Angeklagten soll der Zeugin eine geladene Schreckschusspistole an den Kopf gehalten und ihr mittels einer Geste bedeutet haben, das sie ruhig sein solle. 

Polizei-Großeinsatz in Warstein

Der Jüngere habe ihr die Hände mittels Klebeband hinter ihrem Rücken gefesselt und ihr den Mund zugeklebt. Die Angeklagten sollen unter anderem Schmuck im Wert von ca 25. 000 Euro sowie Bargeld in Höhe von ca. 750 Euro entwendet haben. Darüber hinaus soll der ältere Angeklagte in Remscheid einen weiteren Wohnungseinbruchsdiebstahl begangen haben.

Albaner wollten keine Angaben machen

Im ersten Termin tagte dazu am Donnerstag die 2. Große Strafkammer des Landgerichts. Zu den Vorwürfen wollten die Albaner am Donnerstag keine Angaben machen, vielmehr bat Rechtsanwalt Gruhl darum, ein Verständigungsgespräch zu führen. Auch Rechtsanwältin Bazilowski schlug ein Gespräch im Vorfeld im Sinne einer Verständigung vor.

Dieses Urteil wird angepeilt

In Anbetracht der Tatsache, dass bei dem Raub niemand verletzt wurde, ein Großteil der Beute gesichert werden konnte und es sich lediglich um eine Schreckschusspistole gehandelt habe, mochte Rechtsanwalt Gruhl über die Auslegung eines minderschweren Falles nachdenken. Sein Ziel sei es, ein Strafmaß unterhalb der Mindeststrafe für schweren Raub in Höhe von fünf Jahren Freiheitsstrafe zu erzielen.

Vorsitzender Richter Teipel betonte, dass solche Gespräche nur öffentlich geführt würden, er aber eine Beurteilung erst nach Anhörung der Zeugen für möglich halte. Die Staatsanwalt dagegen betonte, dass er derzeit keine Möglichkeit sehe, einen minderschweren Fall zu erkennen.

War die Schusswaffe geladen?

Verteidigerin Bazilowski sah noch einen weiteren Ansatzpunkt: „Aus dem Akteninhalt ergibt sich nicht, ob die Schusswaffe überhaupt geladen war.“ Es sei fraglich, zu welchem Zweck sie eingesetzt wurde.

Nach 15-minütiger Beratung kam die Kammer zu dem Schluss, dass momentan keine Grundlage für einen Verständigungsvorschlag gegeben sei. Richter Teipel betonte: „Ich weise darauf hin, dass ein Geständnis immer ein gewichtiger Strafbemessungsfaktor ist“ und gab den Verteidigern eine Stunde Zeit, sich mit ihren Mandanten zu besprechen. „Wir sind keine Unmenschen“, erklärte Teipel. „Sie müssen nicht von einer Höchststrafe ausgehen.“ Ein Geständnis könne das Verfahren auch verkürzen. „Bei einem vollumfänglichen Geständnis könnte ich mir vorstellen, unter 6,5 Jahren zu bleiben.“

Dann geht der Prozess weiter

Nach der Pause kündigten die Verteidiger eine Einlassung ihrer Mandanten an, müssten vorher aber noch eingehende Gespräche mit den Angeklagten führen. Beim nächsten Termin am 16. Oktober sollen auch die Geschädigten sowie die Haushälterin angehört werden.

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