Denkmal für 1 Euro

Rangestraße 15 in Warstein steht zum Verkauf

 Warstein – Ein zweigeschossiges Gebäude mit Grundstück für 1 (einen) Euro: Dieses spektakulär anmutende Angebot gibt es aktuell in Warstein.

Es handelt sich um das Haus Rangestraße 15, ein Denkmal aus dem Jahr 1803. Besitzerin Margit Enste möchte sich davon trennen und verlangt nur den symbolischen Preis. 

Vor 17 Jahren haben sie und ihr Ehemann Franz selbst nur diesen einen Euro an den Vorbesitzer bezahlt, und hatten es gut vor: Selbst in einem fast baugleichen Denkmal an der Rangestraße 11 wohnend, wollte der damalige selbstständige Unternehmer Franz Enste die Nachbarimmobilie für geschäftliche Zwecke nutzen.

Beim Kauf war das Fachwerkhaus bereits marode, es hatte seit 1975 leer gestanden. Im Dezember 2005 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, ein Jahr später begann der neue Besitzer mit ersten Renovierungsarbeiten am Giebel. 

Doch dann passierte Franz Enste ein tragischer Unfall, dessen Folgen er 2008 erlag. Allein konnte und wollte Margit Enste das Projekt nicht stemmen, für das laut Ortsvorsteher Dietmar Lange „Geld, Zeit, Lust, Arbeitskraft und Liebhaberei“ nötig sind. 

Denn natürlich erfordert das Denkmal erhebliche Investitionen und die Bereitschaft sich selbst und der Stadt ein bauliches Denkmal zu erhalten. 

Aus dem „Eff-eff“ erzählt der Ortsvorsteher und Heimatgeschichtler von den Ursprüngen des Hauses, dem Baustil und den Besonderheiten nach dem großen Stadtbrand in Warsteins Altstadt rund um die Alte Kirche im Jahr 1802. 

Der Wiederaufbau Warsteins erfolgte in der Tallage innerhalb von zwei Jahren in „hessischer Bauweise“, was den damaligen politischen Gegebenheiten geschuldet war: Für Warstein war der hessische Landgraf zuständig, der seine Baumeister schickte und den typisch westfälischen Stil „umdrehte“, indem die Wohnräume im vorderen und die Stallungen und Wirtschaftssräume im hinteren Gebäudeteil untergebracht wurden. 

Außer den guten Willen, das Objekt wieder herzurichten hat Margit Enste als Eigentümerin nur Kosten gehabt, aber das stellt sie nicht in den Vordergrund. Als unmittelbare Nachbarin wünscht sie sich einen Käufer, der mit Leib und Seele bei der Sache ist: „Es hat in der Vergangenheit natürlich schon Interessenten gegeben, zuletzt noch Anfang dieses Jahres. 

Aber es konnte sich noch keiner für die Übernahme entscheiden.“ Fabian Löher, Sachgebietsleiter Bauordnung in der Warsteiner Verwaltung, verspricht dem Käufer „jede Unterstützung, die er braucht“. 

Dazu gehört auch, Fördermittel des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zu beantragen. „Es gibt ein Programm, dass solche Maßnahmen unterstützt“, so Fabian Löher. Auf der Webseite des LWL ist das Haus Rangestraße 15 auch eingestellt in der Rubrik „verkäufliche Denkmäler“. 

Der Preis von einem Euro ist ein Alleinstellungsmerkmal. LWL-Pressesprecher Markus Fischer erklärte, dass die Behörde auf die Preisgestaltung keinen Einfluss habe: „Unser Interesse ist, dass ein Denkmal erhalten und genutzt wird. Wenn das nicht passiert, dann ist es schwer zu halten. Wir möchten, dass es in gute Hände kommt. Uns interessiert nicht, was ein Denkmal kostet, sondern was daraus wird“.

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