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Provinzial spendet 5000 Setzlinge für Warsteiner Wald

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Von: Jens Hippe

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5 000 Setzlinge für den Warsteiner Stadtwald: (von links) Kai Teuber, Edgar Horstschäfer, Andreas Rammert (alle Provinzial), Forstamtsleiterin Lena Arens, Gerhard Naentrup (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald), Bürgermeister Thomas Schöne und Oliver Friße (Provinzial).
5 000 Setzlinge für den Warsteiner Stadtwald: (von links) Kai Teuber, Edgar Horstschäfer, Andreas Rammert (alle Provinzial), Forstamtsleiterin Lena Arens, Gerhard Naentrup (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald), Bürgermeister Thomas Schöne und Oliver Friße (Provinzial). © Hippe, Jens

Setzlinge im Wert von 25 000 Euro werden im Warsteiner Wald bei Belecke gepflanzt. Gespendet haben diese die Provinzial-Versicherungsbüros. Wie es nun weiter geht.

Warstein/Belecke – „Dem Wald in Nordrhein-Westfalen ging es noch nie so schlecht wie heute“, sagt Gerhard Naentrup, Leiter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in NRW. Nach Dürrejahren, Borkenkäferbefall und Stürmen sei das besonders im Warsteiner Wald zu sehen. „Warstein gehört zu den Epizentren der Schäden“, ergänzt er an der Waldeinfahrt am Eichenweg stehend. Von dort sieht man im Dunst zwar Bäume, doch wenn man den leichten Anstieg in den Wald hinein bewältigt hat, sieht man, wovon Gerhard Naentrup spricht. Auf der linken Seite liegt eine große Freifläche, wo früher dichte Bewaldung war.

10 000 Hektar Waldfläche gibt es auf dem Gebiet der Stadt Warstein, etwa die Hälfte davon ist im Besitz der Stadt. „Und davon sind 2000 bis 2 500 Hektar kaputt“, berichtet Bürgermeister Thomas Schöne, der diesen Weg fast täglich auf seinen Nordic Walking-Touren nutzt und ihn dabei sehr viel idyllischer erlebt hat als er sich heute darbietet.

Ein erster Schritt hin zu einer Rückkehr zu diesem Bild ist am Montag gegangen worden. Mit Unterstützung der Provinzial-Versicherung werden 5 000 Setzlinge gepflanzt, die ersten wurden von den Geschäftsstellen-Leitern Kai Teuber (Allagen), Oliver Friße (Belecke) sowie Edgar Horstschäfer (Rüthen) gleich selbst in die Erde gebracht.

Setzlinge im Wert von 25 000 Euro

Einen Wert von 25 000 Euro haben die Setzlinge, die als Ergebnis der Provinzial-Aktion „Baum statt Brief“ für die Aufforstung des Warsteiner Stadtwaldes gespendet werden. „Wir wollen uns für Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren“, begründet Andreas Rammert, Leiter der Provinzial Bezirksdirektion Arnsberg diese Unterstützung. Aus diesem Grund erfolgt die Kommunikation nicht mehr per Brief, sondern – neben dem persönlichen Kontakt vor Ort – hauptsächlich online. Die dadurch eingesparten Mittel für Papier, Umschläge und Porto gehen in die Aktion „Baum statt Brief“ und sollen „der Region zugute kommen“, so Rammert, denn: „Wir sind betroffen, wenn wir sehen, wie kahl die Hügel geworden sind.“

„Wir sind sehr froh, dass sich die Provinzial hier engagiert“, bedankte sich Gerhard Naestrup, der die Wiederbewaldung als „gesamtgesellschaftlichen Auftrag“ betrachtet. Mit diesem Anspruch habe sich die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald 1947 gegründet, als sich der Wald ebenfalls in einem katastrophalen Zustand befunden hatte. Damals hatte er unter anderem durch Reparationsleistungen gelitten, die Deutschland nach dem verlorenen 2. Weltkrieg unter anderem durch Holzlieferungen an Belgien, Holland oder Großbritannien habe leisten müssen. 80 000 Hektar sei die Schadensfläche damals in Nordrhein-Westfalen gewesen, jetzt sind 100 000 Hektar betroffen.

Auf der Freifläche in Belecke sollen nun hauptsächlich Roteichen gepflanzt werden. Sie komme mit dem sonnigen Standort und Wetterextremen wie Dürre oder Stark-regen gut klar, erklärt Forstamtsleiterin Lena Arens. Bei der Suche nach geeigneten Baumsorten für die Wiederaufforstung wolle man aber auch das ein oder andere Experiment eingehen. „Hickory interessiert uns“, sagt Lena Arens, die eine Baumschule gefunden hat, die Setzlinge dieses hauptsächlich in Nordamerika und Ostasien vorkommenden Walnussgewächses führt, dessen Holz hohe Preise erzielt. „Ein paar Exemplare werden wir hier mit einbringen“, so die Forstamtsleiterin, denn „wir wollen uns breit aufstellen – die Mischung macht es.“ Aus diesem Grund wolle man für die Wiederaufforstung nicht nur Laub-, sondern auch Nadelbäume pflanzen. Mögliche Kandidaten seien die Douglasie, die Lärche oder die Hemlocktanne.

Warsteins Spardose „Wald“ geplündert

Die Wiederaufforstung nach der Borkenkäfer-Kalamität wird für die Stadt Warstein in den nächsten Jahren zu einem finanziellen Kraftakt. Auch deshalb, weil die Erträge aus dem Holzverkauf immens zurück gehen und gleichzeitig hohe Kosten für die Aufforstung und den Waldwege- und Gatterbau entstehen. In diesem Jahr konnte die Stadt mit rund 4,8 Millionen Euro noch einmal überproportionale Erlöse erzielen – auch weil der Holzpreis wieder angezogen hat. „In den nächsten Jahren ist aber Feierabend“, sagte Kämmerer Stefan Redder bei der Haushaltseinbringung. „Die Spardose ist auf einen Schlag geplündert.“ Für 2022 bis 2025 hat er alljährlich gerade einmal knapp 700 000 Euro als Erträge eingeplant. In den Vorjahren lag dieser Wert stets bei 2 bis 3 Millionen Euro

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