Mehr als 120 Teilnehmer

Erster Grünwesten-Protest gegen Windkraftanlagen im Arnsberger Wald

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Allagen – Da staunten selbst die erfahrenen Mitglieder der Bürgerinitiative „Windpark Arnsberger Wald – Nicht mit uns!“, als der Strom der Teilnehmer an der 1. Grünwesten-Wanderung zur Unterstützung der Ablehnung einfach nicht enden wollte. 

Eine grüne Weste nach der anderen gab Ursula Franke aus, bis sie schließlich meldete: „Mehr als 120 Westen konnten wir verteilen – ein überragender Erfolg für die erste Aktion dieser Art!“ Und ihr Ehegatte Paul ergänzte, dass neben den 120 erwachsenen Teilnehmern auch mehrere Kinder, vier Reiter zu Pferde und drei Hunde dabei waren. 

Chef-Organisator Hubert Struchholz hieß bei seiner Begrüßung den CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Blöming, Allagens Ortsvorsteher Gerald Wege und Niederbergheims Ortsvorsteher Franz-Josef Schröer sowie mehrere Ratsmitglieder willkommen, bevor sich der Tross auf den Weg in den Wald machte.

Schon bald legten die Teilnehmer einen ersten Stopp ein. Ulrich Cordes übernahm die Moderation und wies auf den Transportweg für Baumaterial und Bauteile der Windkraftanlagen hin: „Geplant ist, alles über den Nagelpfad und dann weiter über den Brackweg zu den Standorten nahe dem Rennweg zu transportieren.“ 

Den Teilnehmern wurde vor Augen geführt, dass tausende von Tonnen offensichtlich über derzeit als Trampelpfade und asphaltierte Waldwege zu ihren Bestimmungsorten gelangen sollen. 

Weiter ging es zur Schutzhütte am Rennweg, wo sich Ulrich Cordes mit geballten Informationen und einem dringenden Appell an alle Zuhörer wandte: „Geplant sind drastische Einschnitte in das Öko-System Naturpark Arnsberger Wald, das schon allein aufgrund seiner in NRW seltenen unzerschnittenen Großflächigkeit als eine der größten Biotopverbundflächen des Landes unberührt bleiben muss. Die geplanten Windkraftanlagen sind mit einer Höhe von 236 Metern gigantische Industrieanlagen, die im Wald einfach nichts zu suchen haben. Sie beeinträchtigen Euch, die Ihr dieses einzigartige Gebiet zur Erholung nutzen möchtet, bedrohen den Lebensraum seltener Tiere - unter anderem von Schwarzstorch, von der Wildkatze und mehrerer Fledermausarten – und wirken höchst nachteilig auf den sehr wichtigen und sensiblen Wasserhaushalt unseres Waldes. Im Zuge der Baumaßnahmen müssen Unmengen an Waldboden bewegt und riesige Fundamente für die Windkraftanlagen erstellt werden. So weist ein einziges Fundament ein Volumen von 1 390 Kubikmetern auf." 

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Das betreffende Waldgebiet werde sich nach dem Bau der WKA dramatisch ändern, es könne seine bisherigen Waldfunktionen nicht mehr oder nur sehr stark eingeschränkt wahrnehmen. 

Es sei gegenüber den Nachkommen absolut unverantwortlich, das beschriebene Vorhaben umzusetzen. Ulrich Cordes erläuterte, dass der durch die Windkraftanlagen produzierte Strom aus dem Wald zu den Verbrauchern geleitet werden müsse, was durch in die Erde verlegte Hochspannungsleitungen geschehe, die weiteren Schaden anrichten würden. 

Es müsse die Frage erlaubt sein, was im Brandfall – bei einem extrem trockenen Sommer wie im Vorjahr – geschehe. Um allen Wanderern die gigantischen Ausmaße der geplanten WKA anschaulich vor Augen zu führen, spannten Hubert Struchholz und sein Helfer-Team mit im Bauhandwerk üblichen Flatterband den Wirkungsbereich eines zum Aufstellen einer WKA notwendigen Baukranes auf. 

Ulrich Cordes stellte die Forderung auf: „Wir alle wollen, dass mehr regenerative Energie zum Einsatz kommt. Jeder von Euch ist aufgefordert, für die Umsetzung dieser Ziele zu kämpfen – aber auf gar keinen Fall durch den Bau von Windkraftanlagen in Wäldern. Wir zerstören das, was wir für unsere Nachkommen unbedingt erhalten wollen – unsere kostbaren natürlichen Ressourcen – und verstecken uns dabei aus rein wirtschaftlichen Gründen und vordergründig hinter dem Postulat, dadurch etwas für die Natur zu tun. Eine unverantwortliche Vorgehensweise!“ 

Fast in den Hintergrund traten anschließend die von Heimatforscher Willi Hecker vorgetragenen, zum Verständnis sehr wichtigen geschichtlichen Hintergründe für die Entstehung des jetzigen Lebensraumes: „Jahrhunderte waren nötig, um all das zu schaffen, was uns heute ermöglicht, gesund zu leben. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Lebensgrundlagen materieller Gier zum Opfer fallen!“ 

Mit einem Appell wandte sich Ulrich Cordes an alle Teilnehmer an der 1. Grünwesten-Wanderung: „Verbreitet Eure heute gewonnenen Erkenntnisse an Verwandte und Freunde weiter, damit wir bei der nächsten Wanderung die doppelte Zahl an Teilnehmern begrüßen können.“

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