Prof. Dr. Metin Tolan analysierte Stunts von James Bond

„Meine Berechnungen haben ein Happy-End..."

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Augenspiegel, der freie Fall oder die Magnetuhr: Prof. Dr. Metin Tolan analysierte die Stunts und Ausrüstung von Superagent James Bond.

Warstein – Ist es möglich, einem abstürzenden Flugzeug hinterher zu springen und hinein zu klettern? Ist es möglich, mit einer Magnetuhr Löffel anzuziehen und sogar Geschosse abzulenken? Ist es möglich, beim Kuss den Angreifer in der Pupille der Geliebten zu sehen? Wenn Prof. Dr. Metin Tolan in seinen Berechnungen an den entsprechenden Parametern dreht, dann sind die Stunts und Aktionen von Superagent James Bond zumindest theoretisch möglich. Dass es dabei auch immer ein „aber“ gibt, verdeutlichte der Physik-Professor der Technischen Universität Dortmund am Montagabend in seinem kurzweiligen Vortrag „Geschüttelt, nicht gerührt – James Bond im Visier der Physik“ im Forum des Europa-Gymnasiums.

Aus den 24 Bond-Filmen wählte Prof. Dr. Metin Tolan drei Sequenzen für seine physikalischen Betrachtungen aus, garnierte diese zudem mit Hintergrundwissen zu dem „Kind des Ruhrgebiets“, der laut Biografie am 11.11.1920 in Wattenscheid geboren wurde. Namensgeber war übrigens ein Vogelkundler gleichen Namens aus Philadelphia – ein Buch eben dieses Ornithologen befand sich im Bücherregal von Autor Ian Fleming (1908 - 1964). Eine entsprechende Anspielung gab es im 20. Film („Stirb an einem anderen Tag“), als Agent Bond inkognito verkündete: „Ich bin wegen der Vögel hier...“

Dass er durchaus auch wie ein Vogel (oder zumindest wie Superman) fliegen kann, beweist er in „Goldeneye“ (1995): „Da hat er Glück gehabt“, kommentierte der Physiker den Motorrad-Sprung von einer Klippe, um 22 Sekunden später in ein abstürzendes Flugzeug zu klettern. „Oder war es doch kühle Berechnung?“ Letztere führte Prof. Dr. Metin Tolan durch getreu dem Motto: „Als erstes Ruhe bewahren – wie in der Physik gilt das auch für James Bond.“ Flugkurven und den freien Fall kombinierte der Physiker, veränderte Parameter, bis das Kunststück (theoretisch) gelang: „Es ist wie bei James Bond: Meine Berechnungen haben ein Happy End“, schmunzelte Prof. Dr. Metin Tolan im Forum des Gymnasiums, „aus Formeln kann man einiges rausholen.“ Doch es bleiben Unwägbarkeiten – Bond musste rund 14 mal windschnittiger sein als das Flugzeug und musste dessen Tempo um 2 bis 3 km/h genau abschätzen können – und ein hohes Risiko: „Er knallt dann mit 80 km/h in das Flugzeug.“ Daher der Tip des Fachmanns an alle Nachahmer: „Reden Sie lieber nochmal mit ihren Verfolgern...“

Vortrag Prof. Dr. Metin Tolan im Europa-Gymnasium: "James Bond im Visier der Physik"

Nach „James Bond und der freie Fall“ rückten die technischen Spielereien der Filmemacher in das Visier des Physikers: Eine Magnetuhr, mit der man auf eine Entfernung von einem Meter einen Löffel anziehen kann? Berechnung 1 mit einer Drahtwicklung für den Elektromagnet: „James Bond würde die Uhr einschalten und sofort verglühen“ angesichts von „mehreren Millionen Grad“, die dabei entstehen würden. Den enorm hohen Energiebedarf mal außer acht gelassen. Berechnung 2 mit 100 Wicklungen: „Da würde immer noch der Arm wegschmelzen“, so Prof. Dr. Metin Tolan, „die Frage nach der Batterie stellen wir erst gar nicht.“ Berechnung 3 mit 1800 Windungen und einem Kern aus amorphem Metall: „Das wäre die beste aller denkbaren Uhren“ mit nur noch rund 250 Grad Hitzeentwicklung: „Das muss ein James Bond aushalten, er ist ja kein Weichei.“ Denkbar (und auch berechenbar) sei auch, dass damit die Kugeln von Angreifern abgelenkt werden...

Den Löffel-Versuch stellte man auf einem Schrottplatz nach – der Löffel flog auf den mit einem Meter Durchmesser um ein vielfaches größeren Elektromagneten am Kran. Und auch das Öffnen eines Kleids mit der Magnetuhr probierte man aus – in einem Geschäft für hochwertige Damenbekleidung: Ein Mal gelang es den Physikern – dann seien sie rausgeworfen worden, schmunzelte der Professor. Vielleicht hätte man nicht nur mit Männern in ein Geschäft für Damenbekleidung gehen sollen...

Eine Dame spielte dann in der dritten analysierten Szene „Agent mit Durchblick“ eine Hauptrolle: Beim Küssen sieht James Bond in der Pupille der geküssten Liebschaft den nahenden Angreifer. Geht das? Theoretisch ja, machte der Professor klar und stellte sofort Berechnungen und Versuche an. Sein erstes Ergebnis für das „Auge als sphärischer Spiegel“: „Der Angreifer müsste 12,5 Meter groß gewesen sein“, wenn die Aufnahmen real waren und der Angreifer rund zwei Meter entfernt war. Oder aber bei angenommenen 1,80 Metern Körpergröße hätte „der Schurke“ 30 Zentimeter von der Frau entfernt stehen müssen. „Und da war James Bond noch zwischen. Da hätte er den Atem eher gespürt...“ Also wurde eine andere Berechnungsgröße verändert: die Linsenkrümmung. So ließ sich die Szene mit der großen Abbildung im Auge – abgesehen davon, dass sie fälschlicherweise im Film nicht spiegelverkehrt war – erklären. Allerdings: „Die Frau ist blind“, denn nur mit einer „abnormalen Krümmung des Auges“ passten die Berechnungen.

Neben den Frauen – in den 24 Filmen gab es 60 Bond-Girls – hatte der Superagent noch eine Vorliebe: für Wodka-Martinis, die er 28 mal orderte. Aber warum eigentlich „geschüttelt, nicht gerührt“? Prof. Dr. Tolan als Physiker analysierte die molekulare Struktur des Gemischs mit großen aromatischen und kleinen alkoholischen Molekülen. Schüttelt man diese, so gelangen nach dem so genannten Paranuß-Effekt die Geschmacksmoleküle nach oben, der Alkohol bleibt unten. Und warum legte James Bond so viel wert darauf? „Er wusste, dass er keine Zeit haben wird, ihn komplett auszutrinken. Maximal nahm er einen Schluck – und der sollte gut schmecken. James Bond ist eben ein Genießer...“

Ein Genuss war der Vortrag am Montagabend auch für die Zuhörer, wie Lehrer Markus Schröder in seinen Dankesworten zusammenfasste: „Physik kann richtig Spaß machen, man muss nur die richtigen Fragen stellen.“ Dem pflichtete Prof. Dr. Metin Tolan – er referierte übrigens honorarfrei, verzichtete sogar auf Fahrtkosten – bei, als er von Markus Schröder nach drei Gründen gefragt wurde, warum junge Menschen in der Schule Physik wählen und später auch studieren sollten: „Es macht Spaß. Es macht Spaß. Und es macht Spaß...“

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