Verunsicherung wegen Kläranlagen-Theorie

Legionellen: Weiter Warten auf den Befund

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Die per Westfalenpost verbreitete Theorie eines Dortmunder Ingenieurs sorgte für Medien-Interesse an der Kläranlage.

WARSTEIN ▪ Die Zahl der Menschen, die wegen einer offensichtlich von Legionellen verursachten Lungenentzündung neu in Krankenhäuser gekommen sind, hat sich am Montag auf zwei verringert. Diese Zahl gab der Kreis Soest am Nachmittag bekannt.

Die „Maria-Hilf“ Ärzte betonten erneut, dass auch die Schwere der Erkrankungen zurück gehe. Trotzdem mochte Geschäftsführer Dr. Vatteroth noch nicht von einer „Entwarnung“ sprechen. Am Vormittag hatte der Kreis noch einmal betont, dass Rückkühlanlagen, wie die positiv getestete Esser-Anlage, bei der Suche nach der Quelle weiter im Fokus stehen.

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Am Dienstag oder Mittwoch wird vom Labor der Technischen Universität Dresden jener wichtige Feintypisierungs-Befund erwartet, der eine klare Aussage darüber trifft, ob es in der Tat die Legionellen aus dem Esser-Rückkühlwerk waren, die für nunmehr 152 Erkrankungen und mindestens zwei Todesfälle (bei einer dritten Verstorbenen steht ein Obduktionsergebnis noch aus) verantwortlich sind. 48 Patienten werden nach Auskunft des Kreises noch stationär behandelt, 42 davon im „Maria Hilf“. Für 36 gibt es einen bestätigten Labor-Legionellenbefund.

Am Freitag waren erstmals auch Proben aus dem Belebungsbecken der Kläranlage genommen. Bereits am 22. August, dem zweiten Tag der Verursachersuche, hatte Legionellen-Experte Prof. Dr. Martin Exner die Anlage besucht und sie aufgrund der Bauart ausgeschlossen. Vor dem Hintergrund eines überregional verbreiteten Presseartikels der Westfalenpost bekräftigte der Kreis Soest am Montag, dass „bei der Suche nach der Quelle nach wie vor Verdunstungs-Rückkühlanlagen und Luftwäscheanlagen im Fokus stehen“.

Ohne Nennung des Namens hatte die Hagener Zeitung über die Eigen-Recherche eines „Dortmunder Ingenieurs für Umwelttechnik“ berichtet, der es für „sehr wahrscheinlich hält“, dass Legionellen durch das Belebungsbecken der Anlage in die Luft geraten sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte Jörg Behr, Geschäftsführer der Dortmunder „Spektrum Entsorgungs GmbH“ dies. Es könnten sich Aerosole bilden, verwies er auf eine Internetseite des Gesundheitsamtes Baden-Württemberg.

Vor zwei Jahren hat der Ingenieur mit einem Freund die „Green-Cube UG“ gegründet. Das junge Unternehmen bietet Softwarelösungen für die Qualitätssicherung von Trinkwasser an.

Seine Überlegungen seien „eine Theorie“, so Jörg Behr am Montag. Er habe recherchiert, weil der Kreis Soest um Hinweise gebeten habe. „Die Presse ist dann auf uns zugekommen.“ Er selbst habe nur „theoretisch operiert“, sei nie vor Ort gewesen. Auf Karten von Google Earth habe er zunächst das Belecker Nassholzlager im Auge gehabt, bis die Ordnungsamtsleiterin klar gestellt habe, dass es alte Karten seien und das Lager abgebaut sei. Für die Kläranlage spreche die Lage, die meteorologischen Verhältnisse und die großen Wasserbecken.

Dr. Klaus Kruse vom Ruhrverband verwies am Montag vor Ort darauf, dass nirgendwo beschrieben oder bekannt sei, dass von einer Kläranlage jemals eine Legionellen-Belastung der Atemluft ausgegangen sei. Die Technik der Belebungsbecken, wo Schaufelräder dem Schmutzwasser Luft zuführen, gebe es seit 90 Jahren. Maximal hatte die Temperatur im Warsteiner Becken am heißesten Sommertag 20,8 Grad betragen, ein Wert deutlich unterhalb des explosionsartigen Legionellen-Wachstums.

Chronologie der Krankheitswelle

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