Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung

Petra Hagedorn engagiert sich ehrenamtlich in der Kinderhospizarbeit

Im Schaufenster des Allianz-Büros Piontek in der Dieplohstraße informiert Petra Hagedorn über den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.
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Im Schaufenster des Allianz-Büros Piontek in der Dieplohstraße informiert Petra Hagedorn über den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.

Warstein – Für Petra Hagedorn ist Passivität ein Zustand, den sie nur schwer ertragen kann. Schon immer hatte sie eine starke Persönlichkeit, wie ihr gerne von Freundinnen attestiert wird. Diese Stärke neben dem beruflichen Alltag nutzbringend einzusetzen, war ihr ein großes Anliegen, als ihre beiden Töchter zum Studium das Haus verließen und für die berufstätige Mutter plötzlich Freiräume entstanden. „Doch wie könnte ich mit dieser Stärke anderen nutzen?“, fragte sie sich. Ihre Frage blieb nicht lange unbeantwortet.

Im Herbst 2019 stieß sie auf einen Zeitungsartikel, in dem zu einem Informationsabend des AKHD (Ambulanter Kinderhospizdienst) Soest eingeladen wurde. Die Hotel-Rezeptionistin überlegte nicht lange und ging hin. „Ich war sofort begeistert von der vorgestellten tollen Arbeit der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter“, erinnert sich Hagedorn. „Schon kurze Zeit später habe ich mich dazu entschlossen, einen Befähigungskurs zu machen.“ Denn schnell sei ihr klar gewesen, dass es äußerst sinnvoll wäre, in diesem Verein mitzuarbeiten.

Der Befähigungskurs für ehrenamtlich Aktive im AKHD fand als einjährige nebenberufliche Ausbildung statt. Als Ehrenamtliche im Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst steht die Betreuung von Familien im Vordergrund, die ein lebensverkürzend erkranktes Kind haben. Ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten langfristig, häufig über Jahre, an der Seite der betroffenen Familie. Sie hören zu, gehen mit den Kindern spazieren, spielen und sind Ansprechpartner für Themen wie Trauer, Tod, Abschied und den Alltag mit einem erkrankten Kind.

Im Befähigungskurs wurde die Warsteinerin mit sehr vielfältigen Themen der Kinderhospizarbeit wie Trauer, Verlust oder auch Hygiene konfrontiert und auf den Einsatz in betroffenen Familien vorbereitet. „Das war wirklich eine beeindruckende und intensive Ausbildung“, so Hagedorn. „Im Gegensatz zum Schulunterricht früher waren hier im Kurs immer alle total engagiert und immer voll und ganz bei der Sache, auch wenn wir abends nach einem langen Tag manchmal total müde waren.“ Jedes Thema für sich sei etwas Besonderes gewesen. Als echte Bereicherung für ihr Leben empfindet sie auch das Kennenlernen ihrer neuen Kolleginnen und Kollegen, egal ob „alte Hasen“ oder „Frischlinge“ wie sie selbst.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung ist sie bereit für einen Einsatz in einer Familie. Sie möchte nicht nur Zeit, sondern auch Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken gegenüber den Familien, deren Kind lebensverkürzend erkrankt ist. Dazu gehören nicht nur die erkrankten Kinder selbst, sondern auch die Eltern, denen ein bisschen Zeit zum Durchatmen gegeben wird, oder die Geschwisterkinder, die sich über einen Termin freuen, bei dem sie mal im Mittelpunkt stehen.

In der Zwischenzeit möchte sie beim Arbeitskreis für Öffentlichkeitsarbeit die Arbeit des Hospizvereins bekannter machen. „Vielleicht gibt es ja in meiner Heimatstadt mit ihren Ortsteilen auch Familien, die gerne den Ambulanten Kinderhospizdienst in Anspruch nehmen würden, aber bislang noch gar nichts von uns wussten“, meint sie. Bei der Suche nach einer Präsentationsmöglichkeit für die Arbeit des Vereins wurde sie in der Allianz-Agentur von Peter Piontek fündig. „Peter und seine Frau Tina haben keine Sekunde gezögert und mir kostenlos eines ihrer Schaufenster in der Dieplohstraße zur Verfügung gestellt.“ Dieses Schaufenster hat die engagierte Ehrenamtlerin dekoriert und mit zahlreichen Informationen über den AKHD bestückt. In der Apotheke von Sonja Schulte durfte sie eine Spendenbox aufstellen.

„Es macht mich glücklich, wenn ich mich aktiv für etwas einsetzen kann“, betont Petra Hagedorn, „wenn ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit die Welt wieder ein kleines bisschen besser und lebenswerter macht.“ Gerne gibt sie viel Zeit und Kraft für den Kinderhospizverein, weil das, was man zurückbekommt, sehr viel wertvoller sei als Geld. „Ein Lächeln, Erfahrung, neue Freundschaften und einfach das Gefühl, etwas Gutes geschafft zu haben. Das stimmt mich zufrieden. Und macht mich glücklich.“

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