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Neue App und Rückkehr zur Tarifzahlung: Personaloffensive im „Maria Hilf“

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Von: Reinhold Großelohmann

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Mit einer App will das „Maria Hilf“ neues Pflege-Personal für zeitweise Einsätze motivieren. Von dem neuen Weg überzeugt sind Pflegedienstleiterin Katrin Magerkurth, IT-Experte Guido Burkhardt, Betriebsrätin Petra Jochim und Geschäftsführer Florian Nachtwey (von links).
Mit einer App will das „Maria Hilf“ neues Pflege-Personal für zeitweise Einsätze motivieren. Von dem neuen Weg überzeugt sind Pflegedienstleiterin Katrin Magerkurth, IT-Experte Guido Burkhardt, Betriebsrätin Petra Jochim und Geschäftsführer Florian Nachtwey (von links). © Großelohmann

Viele Jahre traf der extreme Sparkurs im Maria Hilf besonders die Pflegekräfte. „Wir haben auf viel Geld verzichtet und damit das Krankenhaus gehalten. Sonst wäre es heute nicht mehr da“, bringt es Betriebsratsvorsitzende Petra Jochim auf den Punkt.

Warstein – Dass seit April endlich wieder Tarif im Haus gezahlt wird, sieht aber nicht nur sie, sondern auch Geschäftsführer Florian Nachtwey als wichtigen Schritt, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Damit allerdings will man es im „Maria Hilf“ nicht bewenden lassen, auch wenn Petra Jochim sich vorstellen kann, dass es für die eine oder den anderen der früheren Kolleginnen und Kollegen, die wegen besserer Bezahlung abgewandert sind, wieder attraktiv sein könnte, ans Maria Hilf zurück zu kehren.

App soll Potenzial der Mitarbeiter heben

Das Problem der Ausstattung des Hauses mit ausreichend qualifiziertem Pflegepersonal soll aber mit einer völlig neuen Personaloffensive angegangen werden. Und da spielt die Digitalisierung, die Geschäftsführer Nachtwey gleich auf vielen Ebenen bei seinen Modernisierungsbemühungen angeht, eine wichtige Rolle.

Das Schlagwort ist „Ausfallmanagement“. Mit Hilfe einer App soll ein Potenzial von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehoben werden, das aktuell nicht oder nicht mehr im Dienst ist.

Es gehe darum, „Dienstplansicherheit“ zu erreichen, erläuterte Pflegedirektorin Katrin Magerkurth die Hintergründe. Bislang leistete sich das „Maria Hilf“ nicht nur fast ständig sechs bis acht Pflege-Mitarbeiter, die über einen externen Personaldienstleister für teures Geld eingekauft werden. Bei kurzfristigen Ausfällen von Personal war es zudem üblich, dass Mitarbeiter, die eigentlich frei hatten, einspringen mussten. Auch ganz kurzfristig, denn die Pflege muss ja sichergestellt werden. „Da wurden immer mehr Überstunden auf den Berg draufgepackt“, schilderte Petra Jochim die alte Praxis.

Gestaltungsfreiheit für Beschäftigte

Von dieser Vertretungsregelung soll nun mit dem neuen „Ausfallmanagement“ Abschied genommen werden. Das Krankenhaus sucht nach examinierten Pflegekräften, die bereit sind, für eine begrenzte Stundenzahl einzuspringen. Das können eigene Leute, Mitarbeiter anderer Einrichtungen aber vielleicht auch Personen sein, die aus welchem Grund auch immer nicht mehr im Pflegeberuf arbeiten. „Wir haben viele Pflegefachleute, die zuhause sitzen oder nicht mehr in der Pflege tätig sind. Die wollen wir mit dem Angebot ansprechen“, sagt IT-Experte Guido Burkhardt.

Zwei Dinge sind ihm dabei besonders wichtig. Wer sich als Aushilfe anmeldet, soll sich nicht über einen langen Zeitraum im voraus binden müssen, sondern erhält die Option, die Bereitschaft kurzfristig zurückzuziehen, wenn beispielsweise ein privater Termin oder etwa Kinderbetreuung dazwischen kommen. Burkhardt ist sicher, dass diese weit gehende Gestaltungsfreiheit viele Kräfte anlocken könnte.

Organisiert werden soll das Ganze über eine App und zwar „Hlth.Care Team“. Wer kein Smartphone nutzt, soll nicht außen vor bleiben, sondern kann sich auch in Schriftform anmelden.

Vorabtreffen mit Interessierten

Wichtig dabei ist eine gute Bezahlung, so sind sich die Verantwortlichen einig. Wer kurzfristig mit einer Frist von 48 Stunden bereit ist, solche „Einspringdienste“ zu übernehmen, erhält 36 Euro pro Stunde. Wer nur längerfristig zu einem Einsatz verpflichtet werden möchte, erhält 28 Euro. Betriebsrätin Petra Jochim berichtete, dass diese Sätze gut bei den Kolleginnen und Kollegen ankommen. Es sei „viel attraktiver als ein Überstundenkonto, das ich höchstwahrscheinlich sowieso nicht abfeiern kann.“

Ganz so einfach wie es etwa in den USA mit den „travel nurses“ läuft, macht die deutsche Bürokratie den Einsatz externer Kräfte dann aber nicht. Wer eine solche Nebentätigkeit übernehmen möchte, muss einen Arbeitsvertrag abschließen. Das solle aber, so versichern die Verantwortlichen, keine Hürde werden. Pflegedienstleiterin Katrin Magerkurth ist ein Vorab-Zusammentreffen ohnehin wichtig, um die Personen kennenzulernen. Ihre Qualifikation und ihr Erfahrungshintergrund wird ohnhin in der App hinterlegt, damit es eine optimale Einsatzmöglichkeit gibt.

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