Warsteins Touristenmagnet

Virtueller Rundgang: Per Mausklick durch die Bilsteinhöhle

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Aus 2800 Einzelfotos wurden 100 Panoramaaufnahmen zusammengesetzt. Die ermöglichen einen virtuellen Rundgang durch die Tropfsteinhöhle.

Warstein – Der Bilsteintalverein verknüpft die analoge Steinzeit und die digitale Neuzeit: Ab sofort können die über Jahrtausende gewachsenen Stalagmiten und Stalagtiten sowie alle anderen Schönheiten der Tropfsteinhöhle zwischen Warstein und Hirschberg von jedem Punkt der Erde aus per Smartphone, Tablet oder Computer erkundet werden, denn 100 miteinander verknüpfte Fotos ermöglichen über Google-Street-View einen virtuellen Rundgang durch das Höhlensystem.

„Es ist für mich wirklich faszinierend, dass ich jetzt von zuhause vom Schreibtisch oder sogar vom Sofa aus mir ganz in Ruhe unsere Tropfsteinhöhle mit all ihren Schön- und Besonderheiten anschauen kann“, so Bernd Belecke, Vorsitzender des Bilsteintalvereins, der nicht nur die Höhle, sondern auch den Wildpark, die Alte Jugendherberge und die Waldwirtschaft betreibt und mit seinen Angeboten für die Stadt Warstein der größte Besuchermagnet ist. Mit dem neuen Angebot übernimmt der Verein eine Vorreiterrolle: „Andere bieten zwar virtuelle Einblicke mit einzelnen Panorama-Aufnahmen, einen solchen kompletten Rundgang wie bei uns habe ich aber bislang bei keiner anderen Schauhöhle in Deutschland oder Europa entdecken können“, so Belecke.

Bis zum fertigen Rundgang war es ein weiter Weg – neben den gut 400 Metern vom Höhlenein- bis zum -ausgang: Zusammengesetzt wurde der Höhlenrundgang aus 100 Panorama-Fotos. Damit diese einen Rundumblick in alle Richtungen ermöglichen, wurde mit einem speziellen Stativkopf und einem so genannten Fisheye-Objektiv an der Spiegelreflexkamera insgesamt 2800 Fotos gemacht. Durch verschiedene Belichtungsstufen wurden Helligkeitsunterschiede zwischen den hellen LED-Spots und den unbeleuchteten Ecken ausgeglichen. Neun Stunden dauerte alleine das Anfertigen der Fotografien – und alleine 18 Stunden reine Rechenzeit benötigte der Computer, um aus den 2800 Aufnahmen dann die 100 Panoramen zusammenzusetzen. 

Anschließend erfolgte die Bildretusche, bevor es an den letzten Schritt gehen konnte: Im Gegensatz zu den bisherigen Panoramen ergab sich mit den meterdicken Gesteinsschichten über der Kamera ein Problem: Normalerweise wird bei der Aufnahme über den GPS-Empfänger der exakte Ort in den Bilddaten verankert, was hier nicht funktionierte. Diese Daten aber sind erforderlich, um die Fotos beim Kartendienst hochzuladen und miteinander zum Rundgang zu kombinieren. Es gelang über ein Hintertürchen: Auf einem alten Höhlenplan wurden die 100 Aufnahmen möglichst exakt platziert, anschließend erhielten diese durch das Verknüpfen der Zeichnung mit google maps ihren exakten GPS-Standort und damit die Freigabe für das Hochladen zum Street View-Dienst.

Ersetzen soll der virtuelle Rundgang, er wurde übrigens mit einem NRW-Heimatscheck gefördert, den klassischen analogen Weg durch die Tropfsteinhöhle natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. Er soll Lust machen, gemeinsam mit den Höhlenführerinnen und -führern die Unterwelt zu erkunden und die Besonderheiten selbst vor Ort zu entdecken. Die sommer- wie wintertags acht Grad Temperatur lassen sich eben nicht durch einen Computer spüren, und auch die humoristischen Hinweise der Unterwelt-Fachleute auf das Schloss und Schneewittchen mit ihren sieben Zwergen, allerlei Tiere und manch eine Anekdote gibt es dann doch eben nur bei einem halbstündigen Rundgang vor Ort.

Der Start für den Höhlenrundgang in der analogen und in der virtuellen Welt.

Für Fotograf Christian Clewing war es das bislang größte Projekt mit so genannten sphärischen Panoramen, die einen interaktiven Rundumblick mit 360x180-Grad ermöglichen. Rundgänge auf Seenotrettungskreuzern oder durch Kirchen, einzelne Panoramen in der Natur oder an bzw. in Sehenswürdigkeiten – inzwischen präsentiert der Belecker 311 Aufnahmen (inklusive der Höhle) beim Google-Kartendienst, verzeichnet dort aktuell fast 4,8 Millionen Aufrufe. Spitzenreiter ist dabei ein Seenotrettungsboot an der Ostsee mit 541 000 Klicks, gefolgt von der Außenansicht des Verwaltungsgebäudes der LWL-Klinik Suttrop mit 405 000. Zu den Top-Aufnahmen mit Werten im 200 000er-Bereich gehören unter anderem das Amphitheater im kroatischen Pula, die Dampfeisenbahn in Kappeln an der Schlei oder auch die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Von diesen Zahlen ist der neue Höhlen-Rundgang noch weit weg, verzeichnet aber jetzt nach wenigen Tagen auch schon mehr als 20 000 Klicks.

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