Die Ortschaften der Stadt Warstein: Sichtigvor

Ortsvorsteherin Heike Kruse sieht großen Bedarf für neues Baugebiet in Sichtigvor

Der Mühlen-Vorplatz liegt im Sichtigvorer Zentrum und soll neugestaltet werden.
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Der Mühlen-Vorplatz liegt im Sichtigvorer Zentrum und soll neugestaltet werden.

Sichtigvors Ortsvorsteherin Heike Kruse (58) arbeitet als Erzieherin in der OGS Belecke und ist Mitglied im Rat und im Kreistag. Sie engagiert sich auch als Jugendschöffin beim Amtsgericht Soest sowie als ehrenamtliche Richterin beim Verwaltungsgericht Arnsberg.

Sichtigvor – Das war knapp. Die Bevölkerungszahl in Sichtigvor blieb im vergangenen Jahr unter 2000. Eine einzige Person fehlte, um mit der Bevölkerungszahl – wie in den Wachstumsjahren der Stadt Warstein üblich – wieder in die 2000er Gruppe zu gelangen. Mit einem Netto-Zuwachs von nur zwei Personen blieb der „Zentralort“ des Kirchspiels hinter dem Wachstum der meisten anderen Ortschaften deutlich zurück. Und hier zeigt sich für Ortsvorsteherin Heike Kruse auch schon das Dilemma: Es fehlt an Bauflächen – und erst recht an Baugebieten. Seit der Tiergarten bebaut ist, gibt es nur noch eine Handvoll einzelne Bauplätze, die insbesondere jungen Familien angeboten werden. Und das darf nicht sein, meint Heike Kruse. Denn, was die sogenannte „Infrastruktur“ angeht, hat sich Sichtigvor in den vergangenen Jahren eigentlich zu einem der attraktivsten Orte der Gesamtstadt entwickelt.

Dabei ist in erster Linie das „Gewerbegebiet Fritz-Josephs-Straße“ zu nennen. Ursprünglich hatten Verwaltung und Stadtrat vorgehabt, hier in der Tat schwerpunktmäßig Gewerbe anzusiedeln. Mittelständige Betriebe und örtliche Handwerksbetriebe sollten im mittleren Möhnetal Standorte und Erweiterungsflächen finden. Doch die Bürgerinnen und Bürger stimmten mit den Füßen ab, dass die Entwicklung in eine ganz andere Richtung Fahrt aufnahm. Das „Gewerbegebiet“ wurde zu einem Einkaufszentrum, das inzwischen einen Lebensmittelmarkt mit Bäckerei und Getränkemarkt, zwei Discounter und mit der Ansiedlung eines Drogeriemarktes nunmehr alles vorhält, was für den täglichen Bedarf gebraucht wird. Dass Volksbank und Sparkasse hier seit ein paar Wochen nun auch gemeinsam einen Pavillon für Bankgeschäfte betreiben, spricht ebenfalls für die Zukunfts-Ausrichtung der Fritz-Josephs-Straße.

Apropos Zukunft: Besonders zufrieden ist Heike Kruse, dass die benötigten Verträge zusammengekommen sind, die nun den Breitbandausbau Wirklichkeit werden lassen. Sie erinnert sich, den begeisterten Anruf vom Bürgermeister bekommen zu haben, der durchs Telefon frohlockte: „Heike, wir haben es geschafft!“ Im ersten Moment habe sie gar nicht gewusst, was er meinte, dann aber sei es ihr klar geworden. Denn es sei „so wichtig hier.“ Und das gerade auch wieder mit Blick auf Familien, wie die aktuellen Corona-Herausforderungen mit Homeoffice und Homeschooling zeigten. „Wir haben alle an einem Strang gezogen und dies parteiübergreifend erreicht“, sagt sie.

Dass es eine Zukunft für das Lehrschwimmbecken geben wird, darüber ist sie ebenfalls mehr als glücklich. Die Förderung für das Lehrschwimmbecken Belecke war in Ausschussberatungen mit einer Zusage für Sichtigvor verknüpft worden. Dabei hatte sich Ortsvorsteherin Heike Kruse auch als SPD-Ratsfrau ins Zeug gelegt.

Und schließlich ist sie auch hoch zufrieden darüber, dass es mit „unserem Schloss Mülheim/Sichtigvor positiv weitergeht“. Dabei gesteht sie, dass der Begriff Schloss ihr noch nicht immer über die Lippen kommt, zu lange habe sie den Begriff „Kloster Mülheim“ genutzt. Investor Detlef Gründer hat sie persönlich noch nicht kennengelernt, sie hofft jedoch, dass dies bald passiert und würde sich darüber freuen. Und sie ist überzeugt, dass es Sichtigvor und Mülheim richtig gut tut, „wenn es mal richtig schön hergemacht ist“.

Sehr beeindruckt hat sie, „dass wir es in der Bürgerschaft hinbekommen haben während Corona Nachbarschaftshilfe anzubieten. Solidarität und Nächstenliebe sind hier noch vorhanden“, so ihre Überzeugung. Für sie als Ortsvorsteherin war auch die „Aktion mit den Fahnen“ wichtig, um sich bei der Bevölkerung für die Solidarität zu bedanken. Überhaupt war sie beeindruckt, wie die Schützenbruderschaft ihr alternatives Schützenfestwochenende durchgeführt hat. Insgesamt freut sie sich über die vielen Aktivitäten im Dorf, die auch durch Corona nicht vollständig zum Erliegen gekommen sind: „Ich bin stolz auf unsere Vereine.“

Dass für Haus Teiplaß, das im Eigentum der Stadt ist, noch keine Zukunfts-Lösung gefunden worden ist, habe auch mit Corona zu tun. Hier müsse auch mit dem Umfeld eine gemeinsame Lösung gefunden werden. „Man kann das Gebäude nicht allein betrachten“, sagt sie. „Der ganze Komplex, Haus Teiplaß, Lehrschwimmbecken, Sportplatz und Feuerwehr muss als Einheit gesehen werden.“ Die Feuerwehr werde im Zuge der Zusammenlegung mit Mülheim vermutlich einen neuen Standort bekommen, meint sie. Das alles sei komplex und nicht so einfach zu bewerkstelligen. „Da wird einiges an Know-how benötigt werden, und auch Fördergelder werden dazu gebraucht.“

Weitergehen soll es 2021 auch mit der Entwicklung des Mühlenparks. So seien etwa bei der Brücke „noch die Hausaufgaben zu machen“. Auf der anderen Seite soll es an den Vorplatz der Mühle gehen“, sagt sie und freut sich, dass Helmut Fröhlich sich in Kooperation mit dem Mühlenbetrieb der Planung angenommen habe. „Das ist für uns ja so eine Art Zentrum.“ Ihre Hoffnung ist, „dass wir bald ein großes Fest feiern können, um den Ostwald Park (Mühlengelände) mit Familie Ostwald und dem Besitzer Nikolaus von Bose einweihen zu können“.

Ein neues Baugebiet für Sichtigvor ist Kern ihrer Bemühungen. „Die Bauanfragen von jungen Paaren, jungen Familien sind zahlreich“, sagt sie. Dazu habe es schon Besprechungen mit der Verwaltung gegeben. Und sie habe deutlich aufgezeigt, dass etwas passieren müsse. „Ein paar einzelne Bauplätze helfen uns nicht weiter.“ Ein neues Baugebiet sei natürlich eine langwierige Sache. Aber man habe erkannt: „Hier muss was getan werden.“ Insgesamt ist ihr Motto: „Es darf keinen Stillstand geben.“

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