Olivia: Behörden in der Zwickmühle

WARSTEIN - Der Fall der kleinen Olivia, der sich für die Pflegefamilie zu einem Albtraum entwickelt, ist aus rechtlicher Sicht sehr differenziert zu beurteilen. Die leibliche Mutter besitzt das alleinige Sorgerecht – und damit formell auch (noch) das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Von Reinhold Großelohmann

Jutta Heinert, Leiterin des Fachdienstes Jugendhilfe, betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass zum einen die Familie Blecke als „Bereitschafts-Pflegefamilie“ gute Arbeit bei der Erziehung des Kindes geleistet habe, dass die Mutter sich auf der anderen Seite aber im letzten Schritt ihrer Therapie auf gutem gesundheitlichem Wege befinde, und dass es letztlich Ziel sein müsse, das Kind am Ende wieder zur leiblichen Mutter zu geben – sofern die positive Entwicklung der Mutter anhalte.

Die 46-Jährige hatte nach der nicht abgesprochenen Aktion des 70-jährigen leiblichen Vaters der Vermisstenanzeige und damit der polizeilichen Suche in Polen zugestimmt. Fraglich sei jedoch, ob es in der Tat als „Kindesentzug“ gewertet werden könne. Das erklärten Bürgermeister Manfred Gödde, Fachdienstleiter Franz Wiese und Jugendamtsleiterin Jutta Heinert. Wenn das Kind gefunden werde, was alle hoffen, werde man Olivia zurück in die Pflegefamilie geben. Falls jedoch von der Mutter gewünscht werde, dass Olivia bei Verwandten in Polen verbleiben solle, werde das Warsteiner Jugendamt die zuständigen polnischen Ämter kontaktieren. Und falls dort die ordnungsgemäße Unterbringung des Mädchen ausdrücklich bestätigt werde, „dann gäben wir den Fall an die Polen ab“, sagte die Jugendamtsleiterin. Schließlich müsse berücksichtigt werden, dass der Vater sich auch bei früheren Besuchen stets korrekt verhalten habe. „Aus den Akten ist nicht zu erkennen, dass der Vater dem Kind schaden will.“ Das Jugendamt habe auch deshalb dem kurzfristigen Kontakt vor Weihnachten zugestimmt. „Der Vater hat der Kollegin leid getan, das wollte sie ihm nicht verwehren.“ Das Versäumnis, die Pflegefamilie über den Besuch nicht informiert zu haben, sei bedauerlich, aber mit den „vielen Themen“ zu erklären, „die an diesem Tag zu bearbeiten waren“, so Jutta Heinert.

Einig sind sich alle Beteiligten, dass man möglichst bald Informationen über Olivias Verbleib haben möchte. „Wir gehen aber davon aus, dass es Olivia nicht schlecht geht.“ Diese Meinung vertrete auch die Mutter – was am Ende ein gutes Zeichen sei, so Jutta Heinert.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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