Hobby Imkerei

Faszination an "Azu-Bienen" weitergeben

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Die 32-jährige Nina Pfeiffer gehört zu den Teilnehmerinnen am Probe-Imkern des Belecker Imkervereins

Belecke - Honig schmeckt Nina Pfeiffer nicht. „Viel zu süß.“ Die 34-jährige nutzt ihn nur zum Süßen von Getränken und Speisen. Dennoch ist sie eine von zwölf Teilnehmern des Probe-Imkerns. Ihr Ziel: Die Prüfung zur Imkerin ablegen. Die „Azu-Biene“ ist dabei kein Einzelfall. Deutschlandweit können die Vereine und Verbände einen Zuwachs an jungen Mitgliedern verzeichnen. Imkern ist wieder en vogue. Gründe dafür gibt es einige.

„Otschko“ ist tot. Eines Morgens lag das Meerschweinchen leblos im Käfig. Viele Jahre hatte es im Pfeifferschen Haushalt ein schönes Leben gehabt – so wie viele Zwei- und Vierbeiner. Für Nina Pfeiffer gehören Haustiere dazu. Mit Hund, Katze und Wellensittich aufgewachsen, ist es für sie eine Selbstverständlichkeit diese schöne Erfahrung auch an ihre Kinder Nele (6) und Mika (4) weiterzugeben. 

Mittlerweile gehören zur Familie Pfeiffer Hund „Cora“, die Katzen „Zsa Zsa Binks“ und „Angus“, ein Zwerghase, und ein Chinchilla-Pärchen, hinzu kommt die „Draußen-Katze“ mit dem einen Auge, die sich regelmäßig Futter und Wurmkur abholt. 

Dass sich diese Schar nun aus Altersgründen dezimiert hat, macht ihre menschlichen Besitzer traurig – wenn sich dies auch bei Ehemann Lars ein klein wenig in Grenzen hält. Vielleicht sieht er doch eine Gelegenheit, an der Stirnseite des Wohnzimmers statt eines Tierkäfigs ein Board für die Stereoanlage aufzubauen...

50.000 weitere Haustiere in der Familie

Doch nicht nur ihre Tierliebe hat die Vegetarierin dazu gebracht, bald 50.000 weitere „Haustiere“ ihr Eigen zu nennen, auch wenn es sicher gerade beim Umgang mit Bienen unabdingbar ist, keine Angst vor den pelzigen Tierchen zu haben: „Großen Einfluss hatten sicherlich die Medien. Die Berichterstattungen im vergangenen Jahr über den Rückgang der Insekten haben mich für das Thema sensibilisiert.“ Seit sie Mutter sei, verfolge sie zudem viel mehr als zuvor die Möglichkeiten der gesunden Ernährung.

Hinzu kam, dass sie ein weiteres Hobby suchte, dass mit ihrem Alltag vereinbar war. Reizvoll war für die junge Frau auch, dass das Imkern oft noch als Männerdomäne gesehen wird. „Ohne Erwartungen“ ging sie schließlich zum ersten Termin des Probeimkerns bei Monika Rellecke, Vorsitzende des Imkervereins. „Ich wusste, ich bringe die Grundvoraussetzung mit: Ich hatte keine Allergie.“

Nur wenige Vorerfahrungen mit Imkerei

Von der Imkerei wusste sie wenig. Wann die ersten Bienen in ihr einst kindliches Leben getreten waren, daran erinnerte sie sich nicht konkret: „Klar, die flogen bei meinen Eltern im Garten herum. Vielleicht wüsste ich es genauer, wenn ich einmal so richtig gestochen worden wäre. Aber so richtig gefragt, was es mit Honig und den Bienen auf sich hat, habe ich mich glaube ich, als ich meine Eltern mal fragte: ‘Warum heißt die Honigkurve bei Hirschberg Honigkurve?’“

„Unheimlich positiv“ habe sie es dann empfunden, wie die Neu-Imker von den Vereinsmitgliedern aufgenommen worden waren. Überraschend war, wie viel Wissenswertes den „Praktikanten“ vermittelt wurde. Angefangen vom Vorbereiten der Beuten, dem Rähmchen fertigen und dem Mittelwände einschweißen über den Einsatz des Smokers, dem Bilden von Ablegern fürs eigene Volk bis hin zum Abschleudern und der insektengerechten Gestaltung des eigenen Gartens. „So mal eben lernt man das nicht. Vor der Prüfung im nächsten Jahr gilt es sicherlich noch einmal Theorie zu büffeln. Hinzu kommen erhebliche Kosten, wenn man dabei bleiben will“, weiß die 34-Jährige nun.

Natur bewusster wahrnehmen

Die vergangenen Monate sind nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. „Ich gucke viel bewusster hin, wenn ich in der Natur unterwegs bin. Auch die Tipps der Bienenwiesenbeauftragten, wie etwa Rasenflächen im Garten in Parzellen einzuteilen und unterschiedlich abzumähen, damit immer etwas Klee stehen bleibt, werde ich zuhause umsetzen.“
Nie vergessen werden die Teilnehmer des Probeimkerns wohl auch den 16. Juni. 

An diesem Samstag traf sich die Gruppe, um in ihren abgelegten Völkern die Königinnen zu kennzeichnen. In allen Beuten waren die Weiselzellen, die Wabenzelle, in der die Königin aufgezogen wird, zu erkennen. Doch eine Königin fand sich in keiner der Boxen. Die verdutzten Neulinge wurden aufgeklärt: „Einmal im Jahr, für einen Tag, verschwindet die Königin. Niemand weiß wohin, warum und was sie dort tut.“ Die Kenner behielten Recht, tags darauf fanden sich die Bienenoberhäupter wieder in den Beuten ein und konnten mit roten Punkten gekennzeichnet werden.

Auch das macht sicher ein bisschen die „Faszination Imkerei“ aus. Anders als etwa beim Hund, der in der Regel folgsam und brav seinen Menschen begleitet, ist die Biene noch „Wildtier“ und damit von Geheimnissen „umschwirrt“. 

Bienen symbolisieren Völkerverständigung

Vielleicht ist das aktuelle Interesse auch ein wenig darin begründet, dass Bienen den Zeitgeist treffen. Ihr kunstvoller Staatenaufbau berührt unsere soziale Ader. Bienen symbolisieren Völkerverständigung, ökologischen Sinn und sie trainieren unsere Toleranz dem Fremden gegenüber – denn ein wenig mulmig ist einem schon in ihrer Nähe.
Im August steht das letzte Treffen der Imker-„Azu-Bienen“ an und damit die Entscheidung: Wer macht weiter? So ganz sicher ist sich Nina Pfeiffer da noch nicht. „Ich hoffe, dass ich meinen Ehemann noch ein bisschen fürs Imkern begeistern kann, manche Arbeiten sind doch für mich als Frau schon ganz schön schwer.“ 

So ganz schwer wird da die Überredung sicher nicht sein – nicht nur weil die neuen Haustiere sicher nicht im Haus ihren Platz beanspruchen werden – denn Nina Pfeiffer weiß: „Mein Mann ist bei uns in der Familie der Honig-Brötchen-Esser...“ 


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