Protest gegen Windräder in Nähe von Wohnbebauung

Niederbergheimer erheben Einwand gegen Flächennutzungsplan-Änderung: „Drohen, erschlagen zu werden“

Sorgen sich um die Lebensqualität in Niederbergheim: CDU-Ratsmitglied Christian Lenze und Ortsvorsteher Franz-Josef Schröer.
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Sorgen sich um die Lebensqualität in Niederbergheim: CDU-Ratsmitglied Christian Lenze und Ortsvorsteher Franz-Josef Schröer.

Welchen Abstand dürfen Windräder von der Wohnbebauung haben? Diese Frage bewegt Menschen in Gebieten, die sich für Windkraft-Nutzung eignen. Sie war im vergangenen Jahr intensiv bundes- und landesweit in der politischen Diskussion. In Teilen Niederbergheims ist die Meinung mit Blick auf die bevorstehende Ausweisung von Konzentrationszonen im zur Änderung anstehenden Flächennutzungsplan der Stadt eindeutig. „Niederbergheim droht, erschlagen zu werden“, so formulieren es CDU-Ratsmitglied Christian Lenze und Ortsvorsteher Franz-Josef Schröer. Sie haben deshalb gegen die laufende Planung Einwand erhoben.

Niederbergheim – Seit 2019 betreibt die Stadt Warstein die Änderung ihres Flächennutzungsplanes. Auslöser war unter anderem die Initiative einer Gruppe von Grundeigentümern und Investoren, am Rennweg im Bereich Allagen/Sichtigvor 15 große Windräder im Wald zu errichten. Bei den geplanten Standorten können allerdings größtenteils sogar 1500 Meter Abstand zur Wohnbebauung eingehalten werden – eine Grenze, die bis vor wenigen Wochen in NRW noch galt. Zukünftig soll dieser Mindestabstand auf 1000 Meter reduziert werden, um der Windkraft im Land noch eine Chance zu geben.

Der Stadtrat hatte sich aber per Ratsbeschluss festgelegt, den Wald insgesamt für Windkraftnutzung möglichst auszuschließen. Die Vorgaben des Landes verlangen jedoch die Ausweisung ausreichender Konzentrationsflächen für Windkraft, ansonsten droht der Flächennutzungsplan, juristisch angreifbar zu werden – was mit Blick auf die geplanten 15 Anlagen nicht unwahrscheinlich ist.

Vor diesem Hintergrund erfolgte die Änderungsplanung mit Hilfe eines von der Stadt beauftragten auf die Windkraftthematik spezialisierten Fachplanungsbüros.

Die Stadt konnte außerdem beim Kreis Soest die Aussetzung des Genehmigungsverfahren für die 15 Anlagen erwirken.

Schon im vergangenen Jahr hatte die öffentlichen Auslegung Gelegenheit zum Einspruch geboten. Davon hatten aber nicht nur die Initiatoren der 15 Großanlagen am Rennweg sowie viele Bürgerinnen und Bürger aus Allagen und Sichtigvor Gebrauch gemacht, sondern auch Christian Lenze und Franz-Josef Schröer – im Interesse vieler Niederbergheimer Bürger. Die ausgewiesene Vorrangzone 2 grenze mit einem Abstand von unter 1000 Meter an die Wohngebiete „Am Eisenberg“ und „Schillingsweg“. Am Wohngebäude Sauerlandstraße 174 seien es sogar nur circa 600 Meter.

Eine besondere Problematik ist aus Sicht von Lenze und Schröer die Höhensituation. Das um 80 Meter „stetig ansteigende Gelände“ sorge dafür, dass mögliche Anlagen „wie eine drohende Gewalt über die Wohngebiete thronen. Von einem Wohlfühlort wird man dann nicht mehr sprechen können“.

Weiter heißt es in der Einwendung: „Berechtigterweise wird in der Potenzialflächenanalyse Rücksicht auf Fledermäuse, Schwarzstorch, Milan und noch viele andere schützenswerte Tiere genommen. Bei all diesen berechtigten Tabuzonen sollte der Mensch jedoch nicht zu kurz kommen. Die Anwohner haben ein Recht auf die Unversehrtheit ihres Wohn- und Rückzugsortes und damit auch auf ihre Gesundheit“, hieß es in ihrer Stellungnahme.

Dabei nannten die beiden Initiatoren „Infraschall“ und „Schlagschatten“ als mögliche besondere Belastungen. Sie fürchten zudem eine „Wertminderung der Grundstücke und Gebäude“.

Basis für den Einwand gegen die 68. Änderung des Flächennutzungsplanes war ursprünglich die 1500-Meter-Abstandsregel im Landesentwicklungsplan. Nun aber sei „die Landesregierung eingeknickt und will die Grenze auf 1000 Meter zurücknehmen“, so Christian Lenze und Franz-Josef Schröer in einer Pressemitteilung. „Das hätte zur Folge, dass die Vorrangzonen vermutlich so bleiben können“, fürchten sie. Der Abstand zu den Campingplätzen betrage sogar lediglich 750 Meter. Hierzu gebe es von den beiden Campingplatzbesitzern Schulte/Koch und Wiggeshoff ebenfalls massive Einwände zur Änderung des FNP, die auch noch Berücksichtigung finden sollten.

Dabei ist dem CDU-Ratsherr und dem Ortsvorsteher sehr „völlig bewusst, wie wichtig diese Änderung des Flächennutzungsplanes für die Stadt ist“, heißt es in der Erklärung. „Wir möchten dieser auch nicht im Wege stehen, aber die Belange und Interessen der Anwohner und Grundstücksbesitzer werden hier nicht ausreichend berücksichtigt.“

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