Schottisch inspiriert ins zweite Aula-Leben

BELECKE ▪ Viel Applaus erhielten am Sonntagmittag nicht nur die Musikerinnen und Musiker der Camerata Europeana bei ihrem nunmehr bereits 17. Neujahrskonzert in der Stadt Warstein, auch die renovierte Belecker Aula erfreute sich der akustischen Zustimmung der mehr als 400 Renovierungs-Premieren-Besucher.

Mit Johannes Brahms „Doppelkonzert“ in a-Moll sowie der Sinfonie Nr. 3 von Felix Mendelssohn-Bartholdy – genannt die Schottische – wurde das für exakt 1,8 Millionen Euro grundsanierte Gebäude wieder in Dienst gestellt.

Keinen Cent mehr als kalkuliert sei in den vergangenen Monaten am Aula-Bau ausgegeben worden, freute sich Bürgermeister Manfred Gödde in seinen Begrüßungsworten. „Das ist eine wahre Meisterleistung“, befand er. „Der Rat hat die richtige Entscheidung getroffen.“ Gödde dankte seinen Verwaltungsleuten Sabine Leitner und René Tiefert sowie dem Architekturbüro Knickenberg für die geleistet Arbeit und die finanzielle Punktlandung.

Neujahrskonzert Aula Belecke

Neujahrskonzert Aula Belecke

„Hier in der Schulaula wird in Zukunft viel passieren“, versprach er. „Wir werden mit der Ki gut zusammen arbeiten“, verwies er auf das ansprechende Programm der Kulturinitiative, die sich für die Renovierung intensiv eingesetzt hatte, wie auch viele andere Kultur-interessierte Warsteiner. Mit Blick auf das gestrige Konzert hob der Bürgermeister auch Organisatorin Berna Enste hervor. „Ohne Dich gäbe es die Konzertreihe nicht“, sagte er. Sie laufe bereits im 52. Jahr. Und Kultur-Verwaltungsmann Heribert Kaja sei ebenfalls wichtig. „Er erledigt den Verwaltungskram im Hintergrund, ohne den in Deutschland nicht mehr viel läuft.“

Im vergangenen Jahr war die Camerata Europeana wegen der Umbauarbeiten auf die Warsteiner St. Pankratiuskirche als Veranstaltungsort ausgewichen. Dirigent Radoslaw Szulc war verzückt über die unglaublich gute Akustik des großen Gotteshauses in Warstein gewesen. In diesem Jahr suchte er zwei bekannte Werke für die wenngleich etwas verbesserte, doch mit der Kirche nicht vergleichbare Aula-Akustik aus. Bei dem 1887 entstandenen Brahms´schen Doppelkonzert standen Geiger Matthias Wächter und Cellist Bernhard Lörcher im Mittelpunkt.

Bereits im einleitenden Allegro wurde die starke Verzahnung der Solistenparts mit dem Orchestersatz deutlich. Auf den hellen und freudigen Satz folgt das Andante, in dem Holzbläser und Hörner das Thema an die Solisten weitergeben. Lebhaft-tänzerisch mit hörbar ungarischem Einschlag ging das Orchesterwerk zuende, mit viel Applaus, Blumen und der Anerkennung des Orchesters traten die Doppelsolisten nach einer überzeugenden Vorstellung ab.

Die letzte von insgesamt fünf Sinfonien Felix Mendelssohn-Bartholdys, inspiriert 1829 durch eine Schottland-Reise des 20-Jährigen, vollendet erst 13 Jahre später und uraufgeführt 1842 im Leipziger Gewandhaus, bildete einen Glanzpunkt im zweiten Konzert-Teil. Bereits im Andante-Satz mit seiner langsamen Einführung steigerte sich das Orchester übergangslos ins Allegro, das in einen ebenso verspielten wie harmonisch-melodischen Scherzo „Vivace non troppo“ mündete.

Mit Herz und Begeisterung gingen die Camerata-Musiker jetzt zu Werk. Radoslaw Szulc nahm seine Musiker im Andante mit dem Finger vor den Lippen noch ein wenig zurück, bevor der Schlusssatz mit dem bestechenden Violinen-Thema in festliche Stimmung mündete. Applaus brandete auf, die etwas bescheidenere Akustik war nach zwei Stunden des phantastischen Musizierens „unseres Orchesters“, wie es Manfred Gödde zu Beginn tituliert hatte, kein Thema mehr.

Auch nicht die Sparsamkeit bei den Baukosten. Oder doch? War der Satz des Dirigenten „Sie müssen immer weiter klatschen“ darauf gemünzt, dass ihm der Beifall zu sparsam erschien? Radoslaw Szulc zeigte sich an diesem Tag jedenfalls schottisch inspiriert und sparte seinerseits. Keine Zugabe. Kein Air. Es bleibt nur Vorfreude auf den nächsten Camerata-Autritt 2015 in der Aula. Steigerungsfähig.

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