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Neujahrsempfang war selbst Kulturveranstaltung

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Neujahrsempfang Warstein
© Foto: C. Clewing

WARSTEIN ▪ Der 4. Presse-Neujahrsempfang 2012 wird als kulturelle „Crossover“-Veranstaltung im Gedächtnis bleiben. Das ist eine englische Genre-Bezeichnung und bedeutet „Kreuzung“ oder „Überschneidung“ verschiedener Stilrichtungen, und genau das passierte am Samstag in der Theateraula.

Dieser Vormittag beinhaltete höflichen Applaus (für Reden), zaghaftes Mitklatschen (beim Liedvortrag), begeisterten Jubel (für Rio the Voice of Elvis), und ein enthusiastisches Publikum für Poetry-Vorträge. Nicht zu vergessen viel Gelächter für Carsten Risse alias „Hausmeister Paslewski“. Sie allen führten die Richtigkeit des Mottos „Platz für Kultur!“ vor Augen.

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Als Moderatoren führten Anzeiger-Redaktionsleiter Reinhold Großelohmann und sein in gleicher Funktion bei der Westfalenpost tätiger Kollege Hans Albert Limbrock durch das Programm, das später als geplant begann und dafür länger dauerte als vorgesehen. Über 400 Teilnehmer füllten die Reihen in der Aula, in der sie immer wieder hörten, welch Bedeutung die Kultur in Warstein hat. Und es gab keinesfalls einen „Abgesang“ auf die Aula als Veranstaltungsort, oder Kampfansagen für den Erhalt - aber die Wortbeiträge enthielten viele positive Aussagen über ihren Wert als ein „Platz für Kultur!“ in Warstein.

Einer, der sie dafür bereits im November 2011 nutzte und auch bei dieser Gelegenheit wieder vor das Mikrofon trat, war „Rio the Voice of Elvis“. Der als weltbester Imitator des „King of Rock’n’Roll“ geltende Sänger hat mit seiner Familie bekanntlich Warstein als seine Wahlheimat auserkoren, und er gab vor Politikern, Wirtschaftsführern, Vereinsvertretern und in unterschiedlichen ehrenamtlichen und beruflichen Aufgaben für das Gemeinwohl eingebundenen Bürgern eine Liebeserklärung ab, als Hans Albert Limbrock ihn fragte, ob er nicht eigentlich in Las Vegas besser aufgehoben sei: „Warstein ist eine schöne Stadt, hier leben nette Menschen, die uns freundlich aufgenommen haben. Warstein ist unsere Heimat, wir sind gerne hier und bleiben hier!“ Aber der Künstler nutzte das Forum auch für einen Appell: „Wenn eine Stadt einen Saal wie diesen hat, dann ist sie gesegnet. Gäbe es die Aula nicht mehr für Kulturveranstaltungen, dann würde richtig etwas fehlen!“

So deutlich wurde später nur noch Michael Römer, Vorsitzender der Kulturinitiative Ki. Reinhold Großelohmann und Hans Albert Limbrock nahmen ihn gemeinsam sehr freundlich „in die Mangel“, was Michael Römer für eine im wahrsten Sinne des Wortes „bühnenreifen“ Werbung für die Kulturinitiative und die Aula nutzte. Ohne Bürgermeister Manfred Gödde zu zitieren, der in seiner Festansprache daran erinnert hatte, dass schon Stars wie Curd Jürgens oder Claus Jürgen Wussow hier aufgetreten seien, kündigte er die Inszenierung des Stückes „Der Name der Rose“ (und auch alle anderen Ki-Veranstaltungen im ersten Quartal 2012) an. Aber dieses Schauspiel ganz besonders, weil dafür die Bühnentechnik der Aula nötig ist, die keine andere Aufführungsstätte in Warstein biete. Die Veröffentlichung der Kosten für die Renovierung der Aula habe der Kulturinitiative keineswegs „den Boden unter den Füßen weggezogen“, wie es in einer Frage an ihn vermutet wurde: „Wir brauchen keinen Porsche, uns reicht ein VW“, verdeutlichte Römer den ausschließlichen Anspruch auf Erhalt der Bühne, ohne weitergehende Hoffnung auf eine opulente technische Ausstattung. Allerdings betonte er auch, dass es nicht ausschließliche Aufgabe der Ki sei, ein Programm für die Aula auf die Beine zu stellen. „Wir wollen das Kulturleben bereichern. Wir wollen nicht gegen, sondern für die Stadt Warstein arbeiten. Lassen sie uns gemeinsam das Kulturleben noch interessanter machen!“ Dass die Ki auf eine breite Unterstützung setzen kann, verdeutlichte er mit dem Hinweis, dass für zwei Veranstaltungen das Stadtmarketing und der Kultur- und Heimatverein Belecke mit Ausfallbürgschaften bereit gestanden hätten, und von Infineon sei eine namhafte Spende gekommen mit der Bedingung, sie zur Förderung der Jugendkultur einzusetzen.

Was Warstein alles zu bieten hat, listete Bürgermeister Manfred Gödde auf, der zur Aula insbesondere anmerkte, dass sich der Rat damit befassen müsse. Aber seine Ausführungen führten noch einmal vor Augen, was tatsächlich alles in der Stadt geleistet wird, und das war von einer beeindruckenden Vielfalt. Dazu gehört auch, was keine große Bühne braucht wie das Stadtarchiv, das Heimatmuseum im Haus Kupferhammer oder der Anno-Verein mit der Propstei-Schatzkammer. Des Bürgermeisters Resumee lautete wie eine Bestärkung des Empfangs-Mottos: „Ja, in Warstein ist Platz für Kultur!“

Und das auch dank der Sponsoren, die häufig im Verborgenen bereitstehen, oder ohne die auch der Empfang nicht hätte stattfinden können.

Dafür bedankten sich die beiden Redaktionsleiter ausdrücklich, und der Bürgermeister schloss sich dem an. Ohne Sponsoren würde auch die Kupferhammer-Konzertreihe längst nicht mehr existieren, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert und deren Mentorin und „Seele“ Berna Enste auch einen „Platz für Kultur!“ auf der Bühne fand. Sie erinnerte an die Anfänge der Reihe, und Reinhold Großelohmann wies darauf hin, dass das Neujahrskonzert am Sonntag, 22. Januar, fast genau 50 Jahre nach dem ersten Kupferhammer-Konzert (20. Januar 1961) stattfindet.

Eröffnet worden war der Empfang wie die drei Male zuvor von Volkert Bahrenberg und Dieuveil Malonga, der „Für dich soll’s rote Rosen“ von Hildegard Knef interpretierte. Die Schulband der Hauptschule wurde von erstem Mitklatschen des Publikums begleitet, und in einem weitere Beitrag stellte sich heraus, dass sie über eine „Adele“ verfügt, die allerdings Josefine heißt.

Dass das Publikum Neuem ausfgeschlossen ist, zeigte die Begeisterung für die Jung-Poeten Fabian Navarro und Benedikt Heppe.

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