Neues Gesicht für "Warsteins Wohnzimmer"

Informativer Rundgang mit Ortsvorsteher Dietmar Lange

Warstein – „Was machen sie denn? Wie weit sind sie denn und wie geht es weiter?“ Fragen wie diese beschäftigen viele Warsteiner die zu Fuß, auf dem Fahrrad oder im Auto die zahlreichen Baustellen der Innenstadt passieren. 

„Heute wollen wir der Sache mal auf den Grund gehen“, schlug Dietmar Lange darum den Interessierten vor, die am seiner Einladung zur Veranstaltungsreihe „Unterwegs in Warstein“ gefolgt waren. 

Am Treffpunkt auf dem Dieploh begrenzte der Ortsvorsteher die angekündigte Stadtbesichtigung auf zwei wesentliche Punkte: „Wir konzentrieren uns auf den Rathausanbau und auf das, was an der Dieplohstraße neu entstanden ist.“ So ein bisschen sei sie ja das Wohnzimmer der Stadt: „Viele Gefühle sind mit ihr verbunden.“ 

So kämen zum Beispiel die Schützenbrüder immer wieder gern den Dieploh heruntermarschiert um, bejubelt von vielen Passanten, auf dem Marktplatz die Parade abzuhalten. Und noch etwas zeichne die im Jahr 1803 geplante Vorzeigestraße aus: „Hier verbreiten sich Neuigkeiten mit großer Geschwindigkeit.“ 

Dem Stichwort folgte die Begrüßung eines Warsteiners, der in diesen Nachrichten-Uschlagplatz hineingeboren wurde: Markus Teutenberg. Wo einst sein Elternhaus, die Buchhandlung und Druckerei Teutenberg stand, haben die Familien Feldhaus und Köster nun ein neues Gebäude errichtet. Vor dem Glockenspiel, mit Blick auf die schmucke Fassade, erzählte Franz-Bernd Köster die Entstehungsgeschichte. 

Klar, man hätte auch woanders bauen können aber „wir sind doch als Warsteiner mit der Historie verbunden“. Im Vorfeld habe er oft mit Bürgermeister Dr. Thomas Schöne gesprochen und von vielen guten Ideen und potenziellen Investoren für die Gestaltung der Innenstadt gehört. Leider sei aber niemand bereit gewesen, die Sache auch in die Hand zu nehmen. Schöne hätte sich damals gewünscht: „Es müsste mal einer kommen, der sagt – Hannemann geh du voran.“ 

So wie die mutigste Figur aus dem Volksmärchen „Die sieben Schwaben“ traf Köster schließlich die weitreichende Entscheidung. „Ich kannte mich mit Zahlen aus. Da habe ich noch jemanden gesucht, der bauen kann. Mit dem Freund und Bauunternehmer Martin Feldhaus wurde er fündig. Gemeinsam habe man ein Haus entwickeln wollen, dass sich ins Gesamtbild einfüge: „Es sollte nicht so klotzig sein aber modernen Stil in die Straße bringen. 

Der Abriss mitten in der Innenstadt habe sie vor große Herausforderungen gestellt. Doch das ist Schnee von gestern. Inzwischen hat Zahnarzt Dr. Ralph Dietrich seine Praxis im Mittelteil des Gebäudes eröffnet und alle Wohnungen sind vermietet. „Da hatten wir überhaupt keine Schwierigkeiten.“ Einzig die Ladenlokale im Erdgeschoß warten noch auf mögliche Nutzer. Franz-Bernd Köster ist optimistisch: „Wenn hier alles rundherum schön ist, wird sich das ergeben.“ 

Rundherum schön fanden die Besucher den Eingangsbereich vor dem Treppenhaus. Zwischen modernen grauen Steinfliesen leuchtete ihnen der bunte Fußbodenbelag des alten Teutenberg-Hauses entgegen. Ein Kleinod, das Susanne Feldhaus vor dem Abrissbagger gerettet hat. Die Stilrichtung des in Blau- und Cremetönen gehaltenen Fliesenabschnitts analysierte Geschichtsexperte Dietmar Lange ohne mit der Wimper zu zucken: „Das ist Historismus.“

 Doch auch die hochmodernen Anlagen, vom Aufzug über den zweigeschossigen Parkplatz mit Tiefgarage, von der Solaranlage bis hin zu den Aufladestationen für E-Bikes beeindruckten die Besucher. Die Kirche direkt gegenüber, Kneipen und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe, pulsierendes Leben direkt vor der Haustüre – das alles bietet nach den Worten von Franz-Bernd Köster der Dieploh. „Uns hat das Projekt jedenfalls wahnsinnig viel Spaß gemacht.“ 

Sein Dank ging an die hilfreiche und unkomplizierte Nachbarschaft ebenso wie an die „unbürokratische Verwaltung“. Applaus erntete an dieser Stelle auch Bürgermeister Dr. Thomas Schöne. Er hatte sich unter die Gruppe gemischt, um den Teilnehmern den Rathausanbau vorzustellen. Mit Freude, denn den Satz „daran glaube ich erst, wenn die Bagger vorfahren“ habe er in der Vergangenheit allzu oft gehört. Die Arbeit im 50er Jahre Rathaus mit erneuerten Fenstern aus dem Jahr 1967 sei für die Verwaltungsmitarbeiter einfach nicht mehr zumutbar gewesen. 

Dass mit dem begonnen Neubau auch eine energetische und barrierefreie Sanierung des alten Gebäudes einhergehe, verstehe sich von selbst. „Das haben wir schon alles ohne Greta Thunberg geplant.“ Kernstück des Anbaus wird ein sogenannter Bürgersaal. Dort sollen Ratssitzungen stattfinden aber vor allem, so Schöne steht er den Bürgern zu Verfügung für Vereinstreffen, Kunstausstellungen, Konzerte und viele weitere Veranstaltungen. „Es soll ein offenes Haus für alle werden.“ 

Nicht nur rein räumlich öffne man sich zum Marktplatz hin, auch inhaltlich lege man Wert auf Offenheit und Transparenz. Mit der Einladung zur nächsten Besichtigungstour verabschiedete Dietmar Lange schließlich die Teilnehmer. Er bat sie, die Eindrücke von einer aufblühenden Kernstadt nicht für sich zu behalten: „Bitte erzählt von den positiven Dingen, die sich hier entwickeln!“

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